Rittal Branchentag, Bild: Rittal

Die Fachleute des Rittal Branchentags zum Schiffbau. Bild: Rittal

Die Konjunkturaussichten für die deutsche maritime Wirtschaft lassen sich durchaus als vielversprechend einordnen – und dieses trotz massivem Konjunktureinbruchs im internationalen Neubaugeschäft. Hauke Schlegel, Geschäftsführer des VDMA Fachbereichs „Marine Equipment and Systems“, prognostiziert etwa für 2016 Neubauverträge mit einer Tonnage von gerade einmal 42 Millionen DWT (deadweight tonnage) – der geringste Wert seit 1998. Während deshalb damit zu rechnen sei, dass vor allem in China, Japan und Korea Werftstandorte schließen, verzeichneten die deutschen Schiffszulieferer hingegen seit Jahren stabile Geschäfte mit leichtem Wachstum. Der Umsatz werde 2016 wahrscheinlich die Zwölf-Milliarden-Euro-Marke übertreffen.

Chancen bei der Modernisierung von Schiffen

Angesichts der Tatsache, dass der Neubau durch Überkapazitäten auf Grund gelaufen ist, bestand während des Branchentages von Rittal Konsens, dass OEM und Systemintegration sich vor allem auf die Modernisierung bestehender Flotten konzentrieren müssen. Und hier ist das Handlungsfeld reich gesät – letztlich auch durch die immer engmaschigere Vernetzung innerhalb von Industrie 4.0, die auch auf maritimen Boden Einzug gehalten hat. Zudem steigen kontinuierlich die Anforderungen an den Umweltschutz in Verbindung mit einem steigenden Bewusstsein für Energieeffizienz.

Wie so ein Retrofit in der Praxis aussehen kann, präsentierte Kai Töllner von Littau. Mit Systemtechnik von Rittal erneuerte das Unternehmen vor den Toren Hamburgs kürzlich die Haupt- und Notschalttafel eines in die Jahre gekommenen Autotransporters, der heute von der Hilfsorganisation GBA Ships genutzt wird. Die Herausforderung bestand vor allem darin, neueste Technik sowohl räumlich als auch datenmäßig in einen vorhandenen Schiffskörper zu integrieren. Das TS 8 Schaltschranksystem, bestückt mit Flat- und Maxi-PLS Schienensystemen, erstreckt sich immerhin mit 15 Feldern auf einer Länge von gut 18 Metern.

Der Automatisierungsgrad nimmt zu

Prof. Dr.-Ing. Holger Watter, Präsident der Hochschule Flensburg, betonte als Keynote-Speaker, dass es immer wichtiger sei, Daten in der Cloud zu verwenden, um zum Beispiel Routen zu optimieren oder auch ein pünktliches Anlegen am Kai zu gewährleisten. Es sei beispielsweise kontraproduktiv, mit Volldampf einen überfüllten Hafen zu erreichen, um dann lange auf das Löschen der Ladung zu warten. Watter war davon überzeugt, dass der Automatisierungsgrad weiter zunimmt – begleitet von neuen Fragestellungen, die vor allem die Verwendbarkeit für die Besatzung betreffen. Aus dem Blickwinkel des Engineerings heraus, wird die auch als „Maritim 4.0“ bezeichnete Fortschreitung der vernetzten Automatisierung ebenfalls die Arbeitsweisen verändern.

Durchgängiges Engineering mit Effizienzgewinn

Liefern nach Erfahrung von Michael Plähn von Eplan Schiffsausrüster bis dato in sich abgeschlossene Werke in ein Schiff, ließen sich mit einer durchgängigen Projektplanung über alle Teilbereiche hinweg erhebliche Effizienzgewinne von der Konstruktion über den Bau bis hin zur Inbetriebnahme und dem späteren Service erreichen.

Mehr und mehr miteinander vernetzte Systeme machen es notwendig, dass im Schiffbau künftig verstärkt vernetzt gearbeitet wird. Branchentage bieten hier ein sehr gutes Forum, damit OEM, Werften und Reeder ins Gespräch kommen. „Maritim 4.0“ schafft vor allem für den deutschen Schiffbau enorme Entwicklungschancen. jl

Branchentreff für Experten

Auf dem 7. Branchentag „Schiff&See“ begrüßte Rittal mehr als 70 Fachleute von Werften, Maschinenbauern, Systemintegratoren und Reedereien. Für den Systemanbieter zählt die Maritim-Branche zu den wichtigen Zielmärkten. So kommen Lösungen rund um „Rittal – Das System.“ in zahlreichen Werften, Schiffen, Häfen, Offshore-Plattformen und an Binnenwasserstraßen zum Einsatz. Zu den Kunden gehören alle wichtigen Schiffsausrüster und Werften. Das Lösungsspektrum umfasst Gehäuse- und Schaltschranksysteme, Klimati-sierungslösungen, Stromverteilungssysteme sowie IT-Infrastrukturlösungen.