Serienproduktion von Elektromotoren, Bild: Bosch

Überlegungen zur Enerieeffizienz fließen im Maschinenbau schon in der Konstruktion ein, aber auch in der Produktion und Montage, hier in der Produktion von Elektromotoren. Bild: Bosch

Wenn es darum geht die Effizienz in Prozessen zu steigern, ist die Industrie in Deutschland ein gefragter Partner. Nun läuft seit mehr als zwei Jahren die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Um die Idee von Energieeffizienz-Netzwerken voranzutreiben hatte man dort von Anfang an die Verbände aus Wirtschaft und Industrie hinzugezogen, so auch den Bundesverband der Deutschen Industrie, den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau wie auch den Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie.

Initiative Energieeffizienz mit Staatssekretär Baake, Bild: BMWi
Das Instrument der Energieeffizienz-Netzwerke geht auf eine Schweizer Idee zurück, wo sich seit dem Jahr 1987 Unternehmen zu Netzwerken zusammenschließen. Bild: BMWi

Rainer Baake, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) äußerte sich anlässlich der ersten 50 Netzwerke, die bis April 2016 entstanden waren, optimistisch zur Entwicklung der Initiative: „Mit der Teilnahme an Energieeffizienz-Netzwerken leisten Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende in Deutschland“.

Neben der Versorgung mit Energie aus erneuerbaren Energien, an der der deutsche Maschinen-und Anlagenbau federführend beteiligt ist, weil zahlreiche Unternehmen hier technische Standards setzen, geht es auch um die Regulierung der Verbraucherseite. Und da liegt der Fokus auf zwei Faktoren. Zum einen gilt auch in der Energiewende, dass die Energie, die nicht verbraucht wird nicht erst hergestellt werden muss und damit gut für das Klima ist. Eine Frage des Know-hows ist es jedoch für bestehende und geplante Maschinen- und Anlagen Lösungen zu finden, durch die der Bedarf an Energie reduziert werden kann, ohne dabei die Produktion zu beeinträchtigen.

Dafür sind ausgeklügelte Lösungen gefragt. Um das zu schaffen, will man durch neue Netzwerke technische und organisatorische Möglichkeiten diskutieren und in Kooperation umsetzen. „Bis 2020 will die Initiative die Gründung von 500 Energieeffizienz-Netzwerken erreicht haben. Im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) hat die Bundesregierung den Netzwerken bis 2020 rund 75 Petajoule Energieeinsparung und 5 Millionen Tonnen Treibhausgas-Minderung zugerechnet. Damit gehört das Instrument zu den Großen", sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Unternehmen müssen bezahlbare Lösungen finden

Seit Dezember 2015 verpflichtet zudem das Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern zur Durchführung eines Energieaudits. Dieses wird nach DIN 16 247 durchgeführt. Auch der Gesetzgeber sorgt also allein schon durch Auflagen für mittlere und große Unternehmen dafür, dass diese das Thema Energieeffizienz ernst nehmen. Auch das ist Anreiz für die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau diese zu verbessern. Beim VDMA sieht man den vernünftigen und sparsamen Umgang mit Energie als wichtigen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Naemi Denz, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung betont: "Die Unternehmen müssen bei der Energieeffizienz vor allem bezahlbare Lösungen finden."

Dass das Thema Energieeffizienz auch zwei Jahre später aktuell ist, zeigt die gerade veröffentlichte Sonderausgabe des ZVEI-Heftes Ampere. Verbandspräsident Ziesemer diskutiert im Gespräch mit Professor Doktor Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimaforschung über das Zwei-Grad-Ziel, das im Pariser Klimaabkommen 2015 verabschiedet und ein Jahr später bereits ratifiziert worden ist. Einigkeit herrscht außerdem darin, dass der Emissionshandel in seiner derzeitigen Ausformung zwar als sinnvolles, aber wenig wirksames Instrument gelten muss. Denn seit einiger Zeit erleben die Zertifikate einen Preisverfall, der es den Betreibern von Kohlekraft ermöglicht weiterhin Energie so zu erzeugen, dass sie damit im Markt erfolgreich agieren können.

Emissionshandel allein reicht nicht

"Wenn wir den Kohleausstieg wollen – was auch aufgrund der lokalen Schadstoffemissionen sinnvoll wäre –, dann brauchen wir einen stetig steigenden Mindestpreis im europäischen Emissionshandel. Die deutsche Energiewende wird ihr Ziel sonst nicht erreichen" , sagt Edenhofer.

Darin stimmt auch der Bundesverband Erneuerbare Energie überein. In einer aktuellen Pressemitteilung (15.Februar 2017) kritisiert der Präsident des Verbandes, Fritz Brickwedde. Er argumentiert für eine nationale Lösung bei der Bepreisung von Kohlenstoßdioxid, sowohl für den Strom- wie auch für den Wärmemarkt. Derzeit liegt der Preis bei fünf Euro pro Tonne CO2. Damit könnten die tatsächlichen Kosten nicht korrekt abgebildet werden. "Die Beschlüsse des Europäischen Parlaments zementieren den Europäischen Emissionshandel auf absehbare Zeit als wirkungsloses Klimaschutzinstrument. Damit sind nationale Maßnahmen gefordert, damit das Pariser Klimaschutzabkommen noch erfolgreich umgesetzt werden kann" ,sagt Brickwedde.

Wer sich von Fortschritten und energieeffizenten Produkten der Ingenieure in Deutschland überzeugen will, kann das an einer Vielzahl von Praxisbeispielen deutlich sehen. Rund 400 Unternehmen engagieren sich seit 2011 für die Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence. Dort werden effiziente und ressourceneffiziente Produkte und Lösungen vorgestellt. Auf der Hannover Messe wird die Initiative außerdem für den Innovationspreis für Klima- und Umweltschutz trommeln. Wo genau? Auf der Leitmesse Energy, in deren Mittelpunkt dieses Jahr ebenfalls die Energieeffizienz steht. Man darf also gespannt bleiben, welche Ideen Ingenieure 2017 präsentieren, um die Energiewende voranzutreiben.