Träger des Deutschen Umweltpreises 2016 für Recyclingbeton_zu sehen Angelika Mettke und Walter Feeß, Bild: DBU/Weisflog/Auerbach

Die Träger des Deutschen Umweltpreises 2016: Prof. Dr.-Ing. Angelika Mettke und Walter Feeß. Bild: DBU/Weisflog/Auerbach

„Sie haben eingefahrene Strukturen in der Rohstoffwirtschaft durchbrochen und dem Grundsatz ‚Verwerten vor Deponieren‘ eine neue Qualität verliehen. Sie haben Beton, den Baustoff des 20. Jahrhunderts, auf bemerkenswerte Weise umweltverträglicher gemacht“ , davon ist Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), überzeugt.

Der Deutsche Umweltpreis 2016 geht dieses Jahr an den niederländischen Fairphone-Gründer Bas van Abel. Mit dem baden-württembergischen Bauunternehmer Walter Feeß und Frau Professor Angelika Mettke werden außerdem zwei mutige Vorkämpfer für einen nachhaltigen Ansatz im Baugewerbe ausgezeichnet. Die beiden Deutschen forschen beziehungsweise arbeiten seit über 20 Jahren an Recycling-Beton. Dabei handelt es sich um Beton in dem Abbruchmaterialien zur Weiterverwendung in neuem Beton aufgearbeitet werden.

Alles ist endlich. Auch die Rohstoffe.

Frau Professor Angelika Mettke arbeitet und forscht seit vielen Jahren in Cottbus an Lösungsansätzen im Bereich des Urban Mining. Darunter fällt unter anderem der Abbruch, Rückbau, Umbau und die Sanierung von Gebäuden und die Wieder- und Weiterverwendung von Bauteilen. Schon früh erkannte Frau Mettke die Notwendigkeit verbaute Materialien durch Recycling nach dem Abbruch wieder nutzbar zu machen. 2010 habilitierte sie deshalb dann auch folgerichtig zum Thema „Material- und Produktrecycling - am Beispiel von Plattenbauten“.

Mit der anschließenden Verleihung der „Venia Legendi“ wurde der Grundstein der Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Bauliches Recycling“ gelegt. Ihre Forschung hat, davon ist die deutsche Bundesstiftung Umwelt überzeugt, gezeigt, dass Häuser aus gebrauchten Betonplatten Neubauten in Qualität, Komfort oder Sicherheit in nichts nachstünden.

Dazu Dr. Bottermann: „Professorin Angelika Mettke verbindet modernes Bauen und nachhaltigen Umweltschutz in einer bemerkenswert engagierten Weise. Selbst zu einer Zeit, als Rohstoff-Engpässe noch keine nennenswerte Rolle spielten, vertrat sie ihr Anliegen hartnäckig und machte Umweltprobleme aus Abbruch- und Rückbauprozessen für eine breite Öffentlichkeit zugänglich.“

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Auch außerhalb der Universität setzt sich Mettke für den Einsatz von recyceltem Beton-Material ein. Während in der Schweiz schon seit längerem der sogenannte Recycling-Beton zum Einsatz kommt, gibt es in Berlin erst seit 2013 eine solche Vorgabe. Dies sei, so Bottmann in seiner Begründung für die Verleihung des Preises, nicht nur den Ergebnissen der Wissenschaftlerin, sondern auch deren Hartnäckigkeit für ihre Forschung einzutreten zu verdanken. Professorin Mettke: „Aus meiner Sicht ist ein Recycling-Bauteil oder auch ein Recycling-Beton nur dann wirtschaftlich wettbewerbsfähig, wenn er die gleichen Eigenschaften aufweist wie ein konventionell hergestellter Beton, und nicht teurer ist als dieser. Und wir haben an verschiedenen Standorten den Nachweis erbracht, dass das möglich ist."

Ladenhüter oder Verkaufsschlager?

Auch der gelernte Bautechniker Walter Feeß will von der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit überzeugen: „Wir müssen die Bauindustrie und die an der Bauindustrie Beteiligten von der sehr guten Qualität des Recycling-Betons überzeugen. Gute Qualität erhöht die Akzeptanz in der Gesellschaft und in der Wirtschaft. Dadurch wird der Absatz gesteigert und mehr Absatz bedeutet geringere Herstellkosten.“

Der heute 62-jährige arbeitete schon mit 15 Jahren im elterlichen Betrieb mit und übernahm die Firma 1994 als geschäftsführender Gesellschaftler. Mit der Entwicklung und Vermarktung des Recycling-Betons aus Altbeton und Bauschutt zeige er innovativen Unternehmergeist und leiste seit Jahren vorbildhafte Pionierarbeit, so die Begründung für die Preisvergabe an den Schwaben.

Dr. Bottmann: „Damit ist es ihm gelungen, eine umweltfreundlichere und marktfähige Alternative zu herkömmlichen Produkten zu schaffen. So kann Bau-Rohstoff gespart und wertvoller Boden geschont werden."

Doch ohne die Ausstattung des Unternehmens mit passender Maschinentechnik wäre die Aufbereitung der Recyclingstoffe so nicht möglich. Deshalb bietet Faaß auch einen ganzen Fuhrpark an Maschinen, um Bauschutt passend mit Schredder und Zerkleinerer bearbeiten zu können und dank Windsichter und Siebmaschinen im Seperationsverfahren zu trennen. So können güteüberwachte Recycling-Baustoffe angeboten werden. Die Maschinen können auch direkt am Abbruchsort eingesetzt werden.

Weniger Co2-Ausstoß, das liegt mir am Herzen

Walter Feeß mit Recycling-Gesteinskörnung, Bild: Auerbach/DBU
Die von Walter Feeß produzierte Recycling-Gesteinskörnung wird anteilig in den Frischbeton eingearbeitet, statt neu abgebauten Kies oder anderes mineralisches Material zu verwenden. Bild: Auerbach/DBU

Walter Faaß: „Da die neuen Häuser dort wieder gebaut werden, wo die alten abgebrochen wurden, werden jährlich viele Millionen LKW-Kilometer eingespart. Und weniger LKW bedeuten zwangsläufig weniger LKW-Lärm, weniger Abgase, weniger Feinstaub und, was mir am Herzen liegt, weniger CO2-Ausstoß.“

Die Firma bietet ein breites Portfolio an recycelten Baustoffen an, so Bottmann: „Durch den wiederverwendeten Bauschutt, der zu Recycling-Gesteinskörnung aufbereitet wird, hat Walter Feeß hochwertige Produkte entwickelt, die nicht nur für Recycling-Beton genutzt werden, sondern daneben für Straßenbaustoffe oder in Erden und Substraten als Torfersatz zur Humus-Herstellung, wodurch Moore geschützt werden können. Das ist angewandter Klimaschutz.“

Joachim Gauck wird den Deutschen Umweltpreis am 30. Oktober in Würzburg überreichen. Die Preisträger teilen sich das Preisgeld von 250.000 Euro.