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Licht und Schatten in der Landtechnik. Bild: tanja_riedel - Fotolia

Vor einigen Jahren galt Elektroantrieb in Landmaschinen als großes Zukunftsthema. Inzwischen hört man nicht mehr so viel davon. Wie ist Ihre aktuelle Einschätzung?

Meiner Einschätzung nach befinden wir uns im Tal des Gartner Hype-Zyklus. 2007 ging das los, da wuchs die Euphorie immer weiter. Den Peak hatten wir dann ungefähr 2011. Aber seitdem ist in vielen Projekten und Versuchen klar geworden, dass die Technik sehr teuer ist. Aktuell ist die Motivation deshalb im Keller. Ob es wieder zu einem Aufschwung kommt, weiß ich nicht. Momentan sieht es eher nicht danach aus. Man hat viel ausprobiert in den Firmen und an den Hochschulen. Die Technik ist sehr gut, aber noch zu teuer und zu schwer, so dass wir weiter intensiv an der Rentabilität arbeiten.

Mit welchen anderen Themen beschäftigen Sie beziehungsweise die Landtechnik-Industrie sich gerade?

Das Problem ist: Bis jetzt kennt die Landtechnik nur eine Richtung: Größere Maschinen bringen höhere Produktivität. Die Kosten für die technische Verbesserung gingen immer einher mit einem gleichermaßen ansteigenden Nutzen für den Bediener. Aber wir sind inzwischen an dem Punkt, an dem die Kosten für weitere Verbesserungen stärker steigen als der Nutzen für den Anwender. Das hängt auch damit zusammen, dass die Größe und Gewicht der Maschinen nicht mehr erhöht werden können, Gründe sind beispielsweise die Bodenverdichtung durch zu hohe Radlasten und die Bestimmungen der Straßenverkehrszulassungsordnung. Das sehen Sie auch auf der Agritechnica.

Dort war ein System ausgestellt, mit denen Traktoren das zweite Paar Räder für die Straßenfahrt nach hinten klappen können, damit sie die maximal zulässige Breite einhalten.

Genau, aber was hat der Anwender von einem solchen System? Das verschafft ihm erst mal nicht mehr Gewinn. Indirekt kommt es dann natürlich schon wieder dazu, weil diese System selbstverständlich Verbesserungen mit sich bringen, aber Sie sehen das Problem: Der Nutzen steigt nicht mehr proportional mit dem Technikaufwand.
Nun ist die Branche auf der Suche nach Zukunftsthemen, mit denen diese Kosten-Nutzen-Rechnung wieder funktioniert. Viele ernst zu nehmende Fachleute sehen eine Alternative in Verkleinerung und Verlangsamung, was im Wesentlichen durch Robotik und die autonomen Maschinen, also selbstfahrende Fahrzeuge, dargestellt werden kann, die dann in Schwärmen von einem Bediener überwacht agieren könnten.

Sehen die Unternehmen dieses Thema genauso?

Ja, die Thematik ist bekannt. Aber die Lösung ist noch nicht greifbar, das sind alles Ideen, deren Erfolg heute keiner absehen kann. Die großen Landtechnikhersteller, wie John Deere und Claas, können die Themen autonome Maschinen und Robotik nicht federführend vorantreiben, weil das Risiko in dieser Situation zu hoch für sie ist. Natürlich werden sie es aber auch keinesfalls ignorieren, um eventuelle neue Wettbewerber unter Kontrolle behalten zu können. In der inkrementellen Innovation sind diese Firmen weiter führend. Aber ich gehe davon aus, dass es kleinere Unternehmen sein werden, die, sobald der Bedarf deutlicher sichtbar ist, völlig neue Maschinen und Verfahrenskonzepte entwickeln werden. Und irgendeiner landet dann einen Glücksgriff und hat Erfolg. Viele von ihnen werden auch scheitern, das ist klar.