Afrika, Bild: Fotolia - Flixelpix

Afrika, Bild: Fotolia - Flixelpix

Menschen, die in Afrika Geschäfte machen, haben häufig ähnliche Wesenszüge: Sie besitzen eine große Gelassenheit sowie einen kreativen Geschäftssinn. Einer von diesen ist Mathias Boddenberg, der Leiter der deutschen Industrie und Handelskammer in Johannesburg. Boddenberg ist seit 2001 im Land und kennt die Aktivitäten der deutschen Unternehmen am Kap der guten Hoffnung wie kein zweiter.

Die intensive Auseinandersetzung mit dem afrikanischen Markt ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Laut einer Studie von McKinsey kommen von den zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften acht aus Afrika. Sicher starten dabei viele afrikanische Länder von einem äußerst niedrigen Niveau, jedoch gibt es in Afrika viele junge Menschen, die als besonders kaufkräftig gelten. In Angola zum Beispiel liegt das durchschnittliche Alter der Bevölkerung, auch wegen der Kriegsfolgen, bei 17 Jahren.

Im Gespräch kommt Boddenberg schnell auf den Punkt und berichtet von deutschen Unternehmen wie Bosch, Siemens, BMW und Volkswagen, die schon sehr lange in Südafrika tätig sind. Insgesamt sind es etwa 600, die sich im südafrikanischen Markt tummeln. Dabei unterteilt Boddenberg den Markt in drei Teile. Zunächst einmal ist da die Automobilindustrie und deren Zulieferer. Das Spektrum reicht von BMW über Volkswagen bis zu Mercedes. Die Zulieferketten werden von Unternehmen wie der Schaeffler-Gruppe, Continental und Benteler vertreten. Die weiteren großen Bereiche sind die Chemieindustrie und der Maschinenbau. Letzterer beliefert insbesondere die Zulieferer der Automobilindustrie. Etwa ein Drittel der 600 deutschen Unternehmen produzieren in Südafrika, die anderen zwei Drittel sind Handelsunternehmen und existieren nur mit Serviceprovidern.

Und die Strategie zum Markteintritt? Boddenberg: „Der Erste Schritt sind Kauf und Export einer Maschine zum Beispiel auf einer Messe in Deutschland. Im zweiten Schritt wird dann eine Servicegesellschaft sowie eine Verkaufsgesellschaft gegründet. Dann werden die Techniker geschult. Wenn der Markt genug hergibt, kann in Südafrika gefertig werden. Bis dahin ziehen meistens etwa sechs bis acht Jahre ins Land.“ Gute Chancen hätten Unternehmen im Bereich der Lebensmittelproduktion. In diesem Marktsegment haben deutsche Unternehmen einen Anteil von um die 60 Prozent.
„Wir müssen uns anpassen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Das bedeutet nicht nur unser Verhalten, sondern gerade auch die Maschinen und Anlagen.“ Es sei eben ein anderes Niveau, so der Afrikaspezialist weiter. Deutsche Produkte hält Boddenberg in diesem Zusammenhang häufig für overengineered.

Baustelle in Südafrika, Bild: Thomas Isenburg
Einiges ist in Bewegung in Südafrika. Hier werden Bürogebäude in Kapstadt errichtet. Bild: Thomas Isenburg

Wenn der Strom ausfällt

Die Energieversorgung ist ein Dauerthema in Südafrika, denn der Bau von zwei Kohlekraftwerken verzögert sich schon um Jahre. In der Vergangenheit kam es in Afrika immer zu heftigen Stromausfällen. Dies legte dann Fertigungen und den Bergbau lahm, was wiederum zu erheblichen Gewinneinbußen führte. Auch deswegen befindet sich der südafrikanische Mark für Energieeffizienztechnologien im Aufschwung. Die anhaltende Stromknappheit, die festgeschriebenen Strompreiserhöhungen bis 2017/18 und die geplante Einführungen einer „Carbon Tax“ erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihren Energieverbrauch zu optimieren. Gleichzeitig werden Investitionen in Energieeffizienz wirtschaftlicher, da die Amortisationszeiten attraktiver werden.

Zudem haben Unternehmen den Energieverbrauch als den Kostenfaktor identifiziert, der sich am sozialverträglichsten reduzieren lässt, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die verarbeitende Industrie und der Bergbau verbrauchen zusammen ungefähr 60 Prozent der Elektrizität des Landes. Deutsche Firmen nehmen bereits die führende Position als Lieferanten für Anlagentechnik und Maschinen ein. Der deutsche Wissensvorsprung im Bereich der Effizienztechnologien ist den südafrikanischen Unternehmen bewusst, und deutsche Technologie wird im Land aufgrund der Qualität geschätzt. Daher sei die Ausgangslage für deutsche Firmen sehr positiv, erfolgreich am wachsenden Markt für industrielle Energieeffizienztechnologie und -dienstleistungen zu partizipieren, sagt Boddenberg.

Neben Stromausfällen gehört es mittlerweile dort zum Alltag, zeitweise ohne Wasser auskommen zu müssen. So müssten umgerechnet rund 53,6 Milliarden US-Dollar in den kommenden zehn Jahren für Ausbau und Erneuerung der Infrastruktur in Südafrika ausgegeben werden.