Indien, Bild: Fotolia - J Boy

Indien, Bild: Fotolia - J Boy

Bis zum Jahr 2050 wird Indien das bevölkerungsreichste Land der Erde werden: 1,705 Milliarden Menschen sollen dann dort leben, in China hingegen nur 1,348 Milliarden. 1950 zählte die Bevölkerung in Indien noch 376 Millionen Menschen. Den durch das rasche Wachstum verursachten gewaltigen Problemen stehen jedoch auch riesige Entwicklungspotenziale gegenüber. Entwicklung der Infrastruktur, Ausbau der Energieversorgung und Modernisierung der Wirtschaft – dies sind die Rezepte für den Erfolg. Die Wirtschaft des Landes steht im Vergleich zu anderen Schwellenländern immer noch relativ gut da. Generell ist das Wirtschaftsklima positiv, jedoch investieren indische Firmen weiterhin nur wenig. „Vor einigen Jahren war Indien nach China der Shootingstar bei den expansiven Unternehmen, etwa aus der Automobilindustrie, der Elektroindustrie oder dem Maschinenbau. Dann wurde es merklich still um Indien,“ berichtet Dirk Meyer, Partner des Forum BRIC.

Doch Meyer sieht jetzt eine grundlegende Trendwende. „Nun stehen seit einigen Monaten die Zeichen wieder auf Wandel. Und die berechtigte Zuversicht ist mit einem Namen verbunden: Narendra Modi, seit Mai 2014 Premierminister Indiens. Er steht für eine effiziente, nicht-korrupte, wachstumsorientierte Regierungsführung. Er ist der Macher, auf den gerade die Mittelschicht gewartet hat. Zudem hat er eine Vision für ein modernes Indien. Und ausländische Unternehmen lädt er mit Nachdruck ein, ihren Beitrag für die Erfüllung zu leisten. ‚Make in India‘ ist das Credo des Premierministers verbunden mit dem Versprechen, den Weg in diesen vielversprechenden Markt zu ebnen. Denn nach wie vor gilt, dass Indiens Bürokratie selbst schwellenländererfahrene Manager zermürbt.“

Deutschland größter Handelspartner in der EU

Bosch in Indien, Bild: Bosch
Bosch geht davon aus, dass der Einsatz intelligenter und vernetzter Lösungen in der Fertigung in Indien eine zunehmende Rolle spielen wird. Bild: Bosch

Deutschland ist Indiens größter Handelspartner in der EU. Das Volumen des deutsch-indischen Handels hat sich der deutschen Außenhandelsstatistik zufolge in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. Jedoch war der bilaterale Außenhandelsumsatz in den letzten drei Jahren rückläufig. Die Verhandlungen über das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien sind ins Stocken geraten, ein Abschluss erscheint ungewiss. Deutsche Unternehmen sollen jedoch leichteren Zugang zum indischen Markt erhalten und schneller als bisher ihre Geschäfte aufnehmen können. Dafür soll ein Schnellverfahren eingeführt werden. Die lähmende Bürokratie kann bereits mit Onlineanmeldungen umgangen werden, mit der verbindlich innerhalb weniger Tage Formalitäten abgeschlossen werden können. Weiter soll eine neue Behörde Hindernisse bei der Firmengründung abbauen. Dies sei gerade für mittelständische Firmen sehr wichtig, erklärte Bundeskanzlerin Merkel bei den deutsch-indischen Regierungskonsultationen im Oktober 2015 in Neu-Delhi.

Doch wie bereits in China sind Geschäfte in Indien zunehmend kaum noch durch Exporte zu machen. Eine Produktion im Lande ist gefragt. Die Einstiegshürden bleiben hoch, doch gleichzeitig gibt es lukrative Geschäftschancen. „Wer schon einmal in Indien war, hat eine Ahnung davon, wie groß die Aufgabe sein muss, dieses sozial, religiös und wirtschaftlich so vielschichtige Land nachhaltig zu verändern. Gerade auch für mittelständische deutsche Unternehmen ist es durchaus der richtige Zeitpunkt, den Blick wieder nach Indien zu richten. Das Land bietet viele Potenziale: Sei es als Produktions-, Beschaffungs-, Outsourcing-Standort oder Absatzmarkt. Aber man sollte nicht den Fehler begehen zu glauben, dass, nur weil in Indien Englisch gesprochen wird, man sich auch wirklich versteht. Die Kultur ist uns Europäern so fremd wie jene der chinesischen“, erklärt Meyer.

China hat Europa überholt

Das mit Abstand wichtigste Lieferland für Indien ist aber die Volksrepublik (VR) China. Mehr als ein Zehntel der Gesamteinfuhren Indiens kommen auf das Reich der Mitte. Chinesische Waren gewinnen in den preissensitiven indischen Käuferschichten rasant an Bedeutung und holen auch qualitativ auf. Die zehn wichtigsten Lieferländer Indiens waren 2014 VR China, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), USA, Schweiz, Irak, Kuwait, Katar, Indonesien und Nigeria. Deutschland lag auf Rang 12 der Lieferländer, zählt jedoch seit Jahren zu den wichtigsten Lieferanten, wenn die Energie- und Goldimporte unberücksichtigt bleiben.

Auch japanische Technologie spielt bei der Wirtschaftsentwicklung eine Hauptrolle. Dies ist auf den Straßen Indiens augenfällig, auf denen überwiegend Pkw japanischer Marken oder japanischer Joint-Venture-Partner zu sehen sind. Japan möchte jetzt auch massiv in den Ausbau des indischen Eisenbahnnetzes einsteigen und unterstützt seine Industrie durch eine massive Industriepolitik und günstige Projektfinanzierungen. Japan wird in Indien eine neue Schnellzugverbindung bauen. Es ist das erste Mal, dass Japan und nicht China in der Region ein solches Prestige-Projekt übernimmt. Die geplante Bahn soll die Bombay (Mumbai) mit dem etwa 500 Kilometer entfernten Ahmedabad im Bundesstaat Gujarat verbinden.
Siemens konnte vor kurzem nicht den erhofften Zuschlag für den ausgeschriebenen Kauf von Lokomotiven gewinnen. Der Konzern ist jedoch in Indien gut aufgestellt und beschäftigt dort in 22 Produktionswerken etwa 16.000 Menschen. Zudem unterhält Siemens 22 Forschungs- und Entwicklungszentren in Indien.