Bild: jcfotografo - Fotolia.com

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Belastend für Mexikos Wirtschaft ist die schwächere Konjunktur in den USA sowie der geringe Ölpreis. Die Ansiedlung internationaler Industrieunternehmen sorgt dafür, dass Mexiko ein interessantes Export- und Investitionsziel für ausländische Unternehmen bleibt.

Etwa 20 Millionen Einwohner leben in Mexico City, ehemaliger Mittelpunkt des Aztekenreichs und ehemalige Hauptstadt der spanischen Kolonialherren in Lateinamerika. Die Metropole wächst nur noch wenig. Die neuen Industriezentren entstehen außerhalb des Ballungszentrums, bevorzugt auch an der Grenze zu den USA.

Das Land konnte in den vergangenen Jahren große Erfolge bei der Wirtschaftsbelebung, bei der Armutsbekämpfung und insbesondere der Ansiedelung ausländischer Unternehmen verzeichnen. Doch auch die Regierung des seit 2012 amtierenden Präsidenten Enrique Peña Nieto von der seit 1929 fast ununterbrochen regierenden Partei der institutionalisierten Revolution konnte die grassierende Korruption und Gewalt nicht in den Griff bekommen. In den 43 Monaten seiner Regierungszeit sind nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik und Geografie 78.109 Tötungsdelikte registriert worden. Etwa 200.000 Menschen sind in den letzten zehn Jahren im mexikanischen Drogenkrieg umgekommen.

Nach den USA ist Deutschland der wichtigste Investor und zugleich der bedeutendste EU-Handelspartner Mexikos. Im Jahr 2015 stiegen die deutschen Exporte nach Mexiko nach Daten von Germany Trade & Invest gtai um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 11,1 Milliarden Euro. Die mexikanischen Exporte nach Deutschland stiegen im selben Zeitraum um 21 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Doch wie auch in anderen Weltregionen sind viele Geschäfte nur noch zu machen, wenn auch eine Präsenz oder Produktion vor Ort vorhanden ist. In Mexiko sind laut Daten der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer 1900 deutschstämmige Unternehmen ansässig. Seit dem Jahr 2000 stieg ihre Zahl um 800. Wichtigste Branchen der deutschen Niederlassungen sind Automobilbau, Pharmazie, Chemie, Elektrik, Elektronik und Logistik. Gute Geschäftschancen gibt es bei den erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz, im Erdölsektor und bei zivilen Sicherheitstechnologien.

Infrastrukturprojekte in Mexiko

Der Bedarf an moderner Umwelttechnik wäre zwar gewaltig, doch Wasser- und Abfallentsorgung leiden besonders unter den gekürzten Staatsausgaben. Der gesamte Umweltbereich musste im Februar 2016 Budgeteinschnitte von 7,4 Prozent hinnehmen. Impulse kommen vorrangig aus der Privatwirtschaft, bei der Wasseraufbereitung beispielsweise aus der Getränke- und Nahrungsmittelindustrie sowie der Textilwirtschaft. Die energetische Nutzung von Haushaltsabfällen ist schon seit Längerem Thema in Mexiko. Bislang erfolgt dies überwiegend über Deponiegasanlagen.

Der Bedarf an neuen Kraftwerkskapazitäten ist groß. Da der Stromverbrauch laut Prognosen um rund 3,5 Prozent pro Jahr steigen wird und gleichzeitig alte Anlagen vom Netz gehen, müssen bis 2029 insgesamt knapp 60 Gigawatt an Erzeugungskapazität zugebaut werden. Hier dominieren Photovoltaik- mit einem Anteil von 54 Prozent vor Windkraftprojekten mit 43 Prozent. Der Rest entfällt auf Wasserkraftwerke und Geothermieanlagen. Wenn die Ölpreise wieder ansteigen, könnte die Öffnung der mexikanischen Energiewirtschaft in den kommenden Jahren zahlreiche Projekte anstoßen.

Durch die boomende Industrie werden besonders stark die Routen in Richtung USA frequentiert. Zwar ist die Infrastruktur Mexikos noch vergleichsweise gut, die Regierung muss aber mehr investieren. Der Ausbau von Straßen oder Eisenbahnlinien stockt, da durch zurückgehende Einnahmen aus dem Erdölgeschäft die Mittel dafür fehlen.

Die Aussichten für die Investoren sind gut, und steigende Löhne, eine zunehmende Mittelschicht sowie verbesserte Bildung könnten auch dazu beitragen, die schwelenden Konflikte des Landes zu lösen. Auch die Geschäftsperspektiven deutscher Unternehmen in Mexiko sind grundsätzlich positiv, so die Ergebnisse einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). 48 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie in den kommenden zwölf Monaten mit einer besseren geschäftlichen Entwicklung rechnen. 51 Prozent der Befragten gehen von einer gleichbleibenden Lage aus. Über die Hälfte der Unternehmen beabsichtigt, in den kommenden zwölf Monaten mehr zu investieren. Der Wechselkurs stellt der Umfrage zufolge daher das größte Risiko für die deutschen Unternehmen dar. Nachdem der mexikanische Peso gegenüber dem US-Dollar schon 2015 abgewertet hatte, wird er 2016 Prognosen zufolge aufgrund des niedrigen Ölpreises erneut um gut ein Zehntel nachgeben.

Mexiko wird hauptsächlich als Exportbasis in die USA genutzt. Über 80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in das nördliche Nachbarland, rund 50 Prozent der Importe stammen aus den USA. „Es ist nicht leicht, wenn ein Land wirtschaftlich so sehr mit einem einzigen anderen Land verbunden ist. Daher sind wir sehr gespannt, wie sich die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA entwickeln,“ so Bodo Liesenfeld, Vorstandsvorsitzender des Lateinamerika-Vereins auf dem Wirtschaftstag Mexiko in Hamburg. Trotz aller rhetorischen Abschottungsdrohungen, die von manchen US-Politikern kommen, waren sich die Experten des Mexikotags einig, dass der Freihandel auch zukünftig läuft, auch wenn es zeitweilige Rückschläge geben kann. Die Modernisierung der mexikanischen Industrie setzt sich trotz der politischen Unwägbarkeiten fort. Daher hat die Deutsche Messe Mexiko für das Jahr 2018 als Partnerland der Hannover Messe auserkoren.