Silhouette der Freiheitsstatue sinnbildlich für die deutsch-amerikanischen Beziehungen 2017, Bild: Pixabay

Ins Ungewisse blickt die deutsche Industrie, wenn es um die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen unter dem neuen Präsidenten Trump geht. Bild: Pixabay

Auf der Hannover Messe 2016 sah die Welt noch ganz anders aus. Die deutsche Kanzlerin und der amerikanische Präsident spazierten von Stand und zu Stand und zeigten sich interessiert und hocherfreut über die industriellen Innovationen der beiden Länder. In diesem Jahr waren die Vereinigten Staaten von Amerika Partnerland der größten Industriemesse der Welt.

Mit großem Enthusiasmus wurde die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen deutschen Qualitätsprodukten aus dem Maschinen- und Anlagenbau und den innovativen amerikanischen Softwareunternehmen gefeiert. Die Industrie 4.0 oder auch das Industrial Internet of Things war in aller Munde und der amerikanische Präsident Barack Obama zeigte sich überzeugt von den Vorteilen der Kooperation.

Der transatlantische Schulterschluss in Politik und Industrie wurde einzig durch Aktivisten gestört, die vor den Toren der Messe gegen das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP demonstrierten. Mehr als 100.000 Menschen taten es ihnen wenige Tage später in Berlin gleich. So viele waren bis dahin in Deutschland noch nie zeitgleich bei einer Kundgebung gewesen. Doch Merkel und Obama waren sich einig und auch der BDI warb auf der Messe offensiv für den freien Handel zwischen Amerika und Europa.

Knapp ein Jahr später soll Angela Merkel wieder mit dem amerikanischen Präsidenten zusammentreffen. Doch der heißt nun Donald Trump, von TTIP Freihandel und freundschaftlichem Austausch zwischen den Regierungen ist spätestens seit der Inauguration im Januar nicht mehr die Rede. Der Wahlkampfslogan "America First" hängt wie ein Damoklesschwert über den Beziehungen der beiden Kontinente. Doch zugleich bleibt der amerikanische Präsident einen genaueren Plan für die Wirtschaftspolitik der nächsten Jahre schuldig.

Global handeln, statt amerikanisch kaufen

Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft und der starken Industrie richten sich die Blicke und Erwartungen auf die Gespräche in Amerika. Bisher waren die Nachrichten aus Übersee wenig positiv. Schlagzeilen macht die Autoindustrie, denn General Motors, Ford und Toyota kündigten nach vorheriger Kritik Trumps an, in US-Standorte zu investieren statt im benachbarten Mexiko. Auch dem deutschen Autobauer BMW drohte der US-Präsident Strafzölle an.

Das hat Auswirkungen auf den deutschen Maschinen- und Anlagenbau, ist man doch eng mit den Autobauern verbandelt. Doch der deutsche Maschenbau ist selbst ebenso stark in den Vereinigten Staaten involviert. BDI-Präsident Dieter Kempf äußerte sich nach der vielbeachteten Rede des US-Präsidenten vor dem Kongress, so zu den aktuellen Beziehungen:

"Trumps Absicht, Zölle einzuführen sowie der hinter dem Motto ‚America first‘ stehende Protektionismus würde weltweit Wertschöpfungsketten gefährden, Innovation ausbremsen und Produktion verteuern. Das kostet Wohlstand und Chancen und würde auch zu Lasten der US-Wirtschaft gehen. Deutsche Unternehmen leisten schon heute einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von Industrie und Arbeitsplätzen in den USA.“

Auch für das aktuell im Zusammenhang mit der Industrie 4.0 so stark diskutierte Thema der Cybersecurity sieht der BDI nur dann Chancen, wenn die Europäer und Amerikaner zusammenarbeiten.