Cebit, Bild: Deutsche Messe

Vom 20. bis 24. März 2017 ist es wieder soweit: Die Cebit findet in hannover statt. Bild: Deutsche Messe

Die Cebit gilt als weltweit größte Fachmesse des digitalen Wandels und hat in den vergangenen Jahren viele grundlegende Veränderungen durchgemacht. „Noch vor wenigen Jahren waren Laptops oder Smartphones auf den Bildern zur Ankündigung der Messe zu sehen. Jetzt sieht man nur noch selbstfahrende Autos, Datenbrillen, Fluggeräte oder Roboter“, betont Dr. Bernd Rohleder, Hauptgeschäftsführer Bitkom. Die Vernetzung erfasse jetzt als Industrie 4.0 zunehmend die Wirtschaft.

Von der klassischen zur agilen IT

Die Automobilindustrie steht vor dem umfassendsten Wandel ihrer Geschichte. Die Hersteller und Zulieferer müssen den Prozess der digitalen Transformation immer wieder neu definieren und gestalten. So steht der automotive IT-Kongress unter dem Motto „Automotive Business – von der klassischen zur agilen IT“. Hier zeigen führende Automobilhersteller und Zulieferer sowie große IT-Konzerne, wie sie mit dem digitalen Wandel umgehen, wie sie die neuen Herausforderungen meistern wollen.

Erstmals wird die Leitmesse des öffentlichen Sektors, der Public Sector Parc, durch eine Reihe von Satellitenkonferenzen im Convention Center (CC) begleitet. Unter dem Motto Smart Urbanism stehen dabei Konzepte und Technologien für sichere, saubere und effizientere Städte im Mittelpunkt. Die neue Roadshow „Intelligente Stadt“ der Deutschen Energie-Agentur (dena) macht am 22. März auf der Cebit Station. Ergänzt wird die Messe durch das große Konferenzprogramm der Cebit-Global-Conferences unter dem Motto „Explore the Digital World!“. Themen der Keynotes von mehr als 200 Rednern sind unter anderem künstliche Intelligenz, Cyborgs & Biohacking, Roboter, virtuelle Welten oder das Darknet und Cyberkriminalität. Auch wie man den Mars besiedeln kann, wird diskutiert.

Treffpunkt für Start-ups

Der schnelle digitale Wandel führt zu vielen Unternehmens-Neugründungen, deren Technologien besonders auch für etablierte Unternehmen äußerst spannend sind. Bei Scale 11 präsentieren sich mehr als 400 Start-ups. Auf der Messe zeigt sich nicht nur die Zukunft mit künstlicher Intelligenz, Virtual Reality, Smart City oder Industrie 4.0. So entstand mit „job and career“ eine Plattform, in der vom Studenten bis hin zum Senior Professional Fachkräfte neue Herausforderungen suchen. Mit „Y: Masterhora“ bietet ein Wissens- und Businessportal für Fachkräfte 50+ für Senior-Experten spezielle Beratungen und Coachings an.

Robotik. Überall.

Die Digitalisierung verwischt die vorhandenen Brancheneinteilungen immer mehr. Computer und Unterhaltungsindustrie, Digitalisierung und Industrie wachsen zusammen. „Für die Digitalisierung eines Unternehmens gibt es keine Standardlösung. Wir müssen zuerst die Daten erfassen und begreifen, um kundenspezifische Lösungen anzubieten. Dann können wir mit verschiedenen Modulen, die wir auf der Cebit vorstellen, konkrete Produkte zum Anschauen und Anfassen für die verschiedenen Industrie­branchen anbieten“, so Jörg Karpinski, Sales Director bei Huawei Enterprise Technology Germany.

Das Messe-Partnerland Japan, weltweit führend in der Robotik, wird vor allem den Einsatz von Robotern in Medizin und Landwirtschaft zeigen, kündigt Hitoshi Masuda von der japanischen Außenhandelsorganisation Jetro an. „Japan wird mit rund 120 Unternehmen allein im größten Länderpavillon der Cebit-Geschichte vertreten sein und seine Kompetenzen im Bereich KI, Robotik und autonomes Fahren ausstellen“, so Japans Botschafter Takeshi Yagi. Die japanische Gesellschaft habe sich mittlerweile ganz dem Fortschritt durch Roboter, künstliche Intelligenz und Big Data verschrieben. „Durch diese Entwicklung sind viele Probleme lösbar, die bisher unüberwindlich waren“, erklärt Masuda.

Neben der Robotertechnik setzen die japanischen Aussteller auch auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. So will Epson in Hannover erstmals seine Papier-Recycling- und Produktionsmaschine mit dem Namen PaperLab vorstellen. Das Gerät von der Größe mehrerer Getränkeautomaten soll künftig in Büros eingesetzt werden, um Papier zu entsorgen und direkt in neues Papier umzuwandeln. Der Recycling-Prozess funktioniert ohne Zugabe von Wasser. Das Altpapier wird nicht geschreddert, sondern in seine Fasern zerlegt und neu zusammengesetzt. Tinte oder Toner sollen dabei vom Papier separiert werden. fa

3 Fragen an Hartwig von Saß, Deutsche Messe

Hartwig von Saß. Bild: Deutsche Messe

Was sind aus Ihrer Sicht die spannendsten Themen der Cebit 2017?

Künstliche Intelligenz, humanoide Roboter, Drohnen, das Internet der Dinge, autonomes Fahren und viele neue, auch disruptive Geschäftsmodelle der mehr als 400 Start-ups. Die digitale Transformation aller Wirtschaftsbereiche ist in vollem Gange, die Cebit 2017 zeigt nicht weniger als die Zukunft von Wirtschaft und Arbeit.

IT und Industrie verschmelzen. Wie wirkt sich das auf Cebit und Hannover Messe aus?

Die Cebit und die Hannover Messe sind so etwas wie Geschwister der Digitalisierung. Während die Hannover Messe einen klaren Fokus auf die industrielle Produktion hat, bildet die Cebit alles ab, was außerhalb der Produktionshalle passiert.

Gibt es schon Anwendungsbeispiele für Industrie 4.0 zu sehen?

Die Cebit wird viele sehr beeindruckende Beispiele für das Internet der Dinge zeigen in der Halle 12, etwa von der Initiative acatech, die ein Dutzend Beispiele präsentieren wird, etwa zwei Produktionsroboter, die einen dritten bauen.

Und dann unsere Sonderschau Digitalisierung live. Dort wird am Beispiel der automobilen Wertschöpfungskette gezeigt, welche Potenziale durch eine konsequente Digitalisierung gehoben werden können. Das geht über Industrie 4.0 hinaus, weil es nicht nur die Produktion betrifft, sondern eben auch alle Wertschöpfungspunkte nach der Fertigstellung des Produktes.

Die Fragen stellte Dr. Thomas Kiefer, freier Autor für ke NEXT