Polen ist Partnerland der Hannover Messe 2017, Bild: Deutsche Messe

Polen ist Partnerland der Hannover Messe 2017. Im Bild: Paweł Chorąży, Staatssekretär im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung der Republik Polen und Dr. Jochen Köckler, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe. Bild: Deutsche Messe

Von den Ländern, die zu Beginn des aktuellen Jahrhunderts der EU beigetreten sind, steht Polen mit seinen Zuwachsraten an der Spitze. So vergab die Unternehmensberatung McKinsey & Company 2015 einer umfassenden Studie über das diesjährige Hannover-Messe-Partnerland den Titel: „Polen 2025: Europas neue Wachstumsmaschine“. Die Unternehmensberater erwarten gerade im industriellen Bereich ein erhebliches quantitatives und qualitatives Wachstum. Prognosen von EU-Kommission, Weltbank und der Polnischen Nationalbank sehen das Wirtschaftswachstum Polens bis 2018 bei 3,5 bis 4 Prozent. Einen großen Anteil daran hat die polnische Industrie, Statistiken beziffern den Anstieg der Wirtschaftsleistungen im Jahr 2015 auf 5,4 Prozent.

Laut Germany Trade & Invest gtai führen Bruttoanlageinvestitionen und Mittel der EU zu besonders positiven Geschäftszahlen im Maschinen- und Anlagenbau. Der Import von Maschinen nach Polen ist 2015 allein um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Der Verkauf von Maschinen zur Metallverarbeitung wuchs zuletzt zweistellig. Enorm stark ist die Nachfrage in der Energiewirtschaft. Hier erreichte die Importquote aufgrund anhaltender Investitionen in Stromerzeugung und Stromverteilung ein Plus von 16 Prozent. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 475 Milliarden Dollar in 2015 rangierte Polen unter den größten Wirtschaftsnationen der Welt auf Platz 25.

Deutschland ist seit Jahren der wichtigste Maschinenlieferant Polens. Im Jahr 2015 kamen 34,5 Prozent der importieren Maschinen aus der Bundesrepublik, dahinter lagen mit weitem Abstand Italien (10,3 Prozent), China (7,4 Prozent) und die USA (4,7 Prozent). Damit war Deutschland größter Partner sowohl im Import als auch im Export. Deutsche Unternehmen lieferten 2015 Waren im Wert von 40 Milliarden Euro nach Polen. Das entspricht mit 23 Prozent einem knappen Viertel aller Importe. Im Gegenzug ist Polen aber auch ein wichtiger Exportpartner für Deutschland: 27 Prozent der gesamten polnischen Ausfuhren fanden 2015 deutsche Abnehmer.

Ein starker Handelspartner ist das europäische Nachbarland auch für den deutschen Maschinenbau, wie die Länderstatistik beweist: In der Exportrangliste konnte Polen im vergangenen Jahr Platz 8 behaupten. Insgesamt wurden 2016 Maschinen und Anlagen aus Deutschland im Wert von 5,7 Milliarden Euro in das Nachbarland im Osten geliefert. „Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausfuhren damit um 0,9 Prozent“, sagt Yvonne Heidler, Osteuropa-Expertin der VDMA Außenwirtschaft. Die Maschinen stammten vor allem aus den Fachzweigen Allgemeine Lufttechnik (11,5 Prozent), Antriebstechnik (8,1 Prozent), Werkzeugmaschinen (7,2 Prozent) und Fördertechnik (6,6 Prozent). „Neben der Qualität überzeugen deutsche Lieferanten vor allem durch sehr guten Service vor Ort“, erläuterte die VDMA-Expertin.

Das Tempo der Maschinenexporte nach Polen hat sich 2016 zwar deutlich gegenüber dem Vorjahr verlangsamt, als die Ausfuhren noch um 14 Prozent gestiegen waren. Der VDMA sieht darin aber keinen anhaltenden Trend. Ursachen waren vielmehr die schleppende EU-Mittelverteilung sowie die Verunsicherung der Unternehmer nach der Wahl der rechtskonservativen Regierung. „Für 2017 stehen die Zeichen wieder auf Wachstum“, sagte Heidler. Grund hierfür ist vorrangig der EU-Fördertopf, aus dem für Polen 82 Milliarden Euro bis 2020 vorgesehen sind.

Gefördert werden vor allem der Infrastrukturausbau des Landes sowie Innovationen. Dies eröffnet Geschäftschancen in zahlreichen Absatzbranchen des Maschinenbaus. Die neue, auf Innovationen abzielende Regierungsstrategie dürfte die Nachfrage nach modernsten Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen zusätzlich ankurbeln.

Partnerland Polen

Investoren finden

Die polnische Regierung hat ihre wirtschaftspolitischen Ziele klar definiert. Dargelegt sind sie im sogenannten Morawiecki-Plan, der unter anderem auf Reindustrialisierung setzt, die Förderung innovativer Unternehmen, eine weitere Digitalisierung des Landes sowie die vermehrte Erschließung ausländischer Märkte umfasst. Dazu gehört, dass Polen weiterhin attraktiv sein will für ausländische Investoren, gleichzeitig aber auch private Investitionen aus dem Inland fördert. Konkrete Projekte in Polen sind aktuell umweltfreundliche ÖPNV-Verkehrsmittel, IT-Sicherheit, unbemannte Flugzeuge sowie Schiffe und Bergbaumaschinen. „Bei der Standortanalyse für eine geplante Investition ist Polen eine interessante Wahl für den deutschen Maschinenbau“, erklärt Yvonne Heidler, Osteuropa-Expertin der VDMA Außenwirtschaft.

In Hannover breitet Polen seine gesamte technologische Palette aus – mit Schwerpunkten auf den Themen IT und Energie. Als internationale Industriemesse biete Hannover polnischen Unternehmen die Gelegenheit, ihre Produkte zu präsentieren sowie Kontakte zu knüpfen, betont die Messe.

Industrie 4.0 eröffnet Chancen

Polen wichtiger Abnehmer der deutschen Elektroindustrie

„Polens ambitionierte Wirtschaftspläne eröffnen der deutschen Elektroindustrie ein weites Betätigungsfeld“, ist sich Rada Rodriguez, ZVEI-Vorstandsmitglied und Geschäftsführerin bei Schneider Electric, sicher. „Das Land hat hohe Bedarfe an innovativen Technologien, insbesondere in den Bereichen Automation und Energie.“ Schon heute ist das Nachbarland ein wichtiger Markt, der mehr als ein Viertel der deutschen Elektroexporte nach Osteuropa aufnimmt (2016: 8,7 Milliarden Euro). Eine große Rolle bei der Weiterentwicklung der Wirtschaft soll laut polnischer Regierung Industrie 4.0 spielen. Polen will durch die Digitalisierung wirtschaftlich in die europäische Spitzengruppe aufrücken.