Turbine Windrad Detail, Bild: Thomas Isenburg

Das neue EEG mit seinem veränderten Ausschreibungsmodell kann auch ein Innovations- treiber sein, wie es einige Experten erwarten. Bild: Thomas Isenburg

Vom 27. bis zum 29. September öffnet die Messe WindEnergy 2016 in Hamburg ihre Pforten. Erwartet werden 1200 Aussteller auf 65.000 Quadratmetern. Gezeigt werden Innovationen zum Thema Off- und Onshore-Windenergie mitsamt der Vorstellung von Geschäftsmodellen sowie den Finanzierungsmöglichkeiten. Und das werden wohl einige sein, denn in der Vergangenheit hatte die Branche in Deutschland und international günstige und stabile Rahmenbedingungen.

Der Klimawandel und die endlichen fossilen Ressourcen bei steigendem Energiebedarf der Weltbevölkerung fordern verbindlich den Ausbau der erneuerbaren Energien. Durch das Pariser Abkommen zum Klimaschutz sollen alle Länder in die Pflicht genommen werden. Damit bekennt sich die Weltgemeinschaft völkerrechtlich verbindlich zum Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. In Deutschland fordert die Energiewende den Ausbau der erneuerbaren Energien zur Substitution von Kohlekraft- und Kernkraftwerken. Gesteuert wird dieses durch das gerade novellierte EEG. Auch gibt es übergeordnet in der EU Korridore zum Ausbau erneuerbarer Energien. Weltweit entstehen in den Schwellen- und Industrieländern große Windparks mit Leistungen von über 1000 Megawatt. Diese werden teilweise durch unterschiedliche gesetzliche Regelungen gefördert. So das Spielfeld als Konsequenz des steigenden weltweiten Energiehungers bei dem drohenden Klimawandel sowie den langsam versiegenden fossilen Ressourcen.

Mit dem ersten Halbjahr des Jahres 2016 sind die Windkraftanlagenhersteller sehr zufrieden. Hierzu äußerte sich der Bundesverband Windenergie und der Anlagenhersteller im VDMA. An Land wurden in den ersten sechs Monaten 726 Anlagen errichtet. Unterm Strich kam damit eine Leistung von 1892 Megawatt in Deutschland hinzu. Das ist in etwa die Leistung eines Kernkraftwerkes.

Offshore in Nord- und Ostsee

Männer bei Pressekonferenz, Bild: Thomas Isenburg
Auf der Vorpressekonferenz zur Messe WindEnergy in Hamburg sprachen Experten der Branche über Herausforderungen und Trends. Bild: Thomas Isenburg

Wesentlich bescheidener erfolgte der Ausbau im Offshore-Bereich. In den ersten sechs Monaten des Jahres gingen lediglich 43 Anlagen mit einer Leistung von 252 Megawatt ans Netz. Das entspricht etwa der Hälfte eines Offshore-Windparks. Betriebsbereit sind weitere 52 Anlagen mit einer Leistung von 312 Megawatt. Diese warten nur noch auf den Netzanschluss. In der Nord- und Ostsee sollen in diesem Jahr etwa noch Windkraftanlagen mit einer Leistung von 700 Megawatt errichtet werden. Nach dem guten Vorjahr wäre das ein Rückgang von fast 70 Prozent. Sollten 6000 Anlagen bei einer Leistung von 30.000 Megawatt einmal für 15 Prozent der deutschen Stromversorgung verantwortlich sein, ist der Trend eher schleppend.

Anders in England – hier wird der Ausbau konsequent umgesetzt. Bislang drehen sich etwa die Hälfte aller europäischen Offshore-Anlagen an den britischen Küsten. Hierzu erklärte Giles Dickson, CEO WindEurope, auf der Vorpressekonferenz zur Windenergiemesse: „Einige große Ausschreibungen bei der Offshore-Windenergie werden in Europa in der zweiten Jahreshälfte entschieden. Sie werden eine deutliche Preissenkung hervorbringen.“ Siemens Wind Power CEO Dr. Markus Tecke sieht die Offshore-Technik noch am Anfang, denn die ersten Anlagen gingen erst vor etwa 20 Jahren ins Wasser.

Networking auf der WindEnergy

Menschen auf Messe, Bild: Thomas Isenburg
Das Interesse an der Windenergie ist ungebrochen. Dieses wurde auch bei der Vorpressekonferenz zur WindEnergy in Hamburg deutlich. Bild: Thomas Isenburg

Auf der WindEnergy in Hamburg werden sich teilweise noch junge Hersteller von Windkraftanlagen mit bereits etablierten deutschen Technologieunternehmen austauschen. Auf Seiten der Windkraftanlagenhersteller werden internationale Key Player wie Enercon, Gamesa, GE, Nordex, Senvion, Siemens Windpower und Vestas vertreten sein.

Eine der Top-Nachrichten aus dem ersten Halbjahr war in der Windbranche wohl die Fusion der Windkraftsparte des deutschen Technologieschwergewichtes Siemens mit dem spanischen Unternehmen Gamesa. Sie wurde im Juni dieses Jahres beschlossen. Die Unternehmen entschieden die Zusammenlegung ihres Windenergieanlagengeschäftes inklusive Services mit dem Ziel, der weltweit führende Anbieter von Windkraftanlagen zu werden. Siemens hatte bereits in den letzten Monaten erstmals den Bau von Fabriken für Rotorblätter in Ägypten und Marokko angekündigt. Das sind Märkte, in denen Gamesa mit seiner Anlagentechnik stark vertreten ist. Der neue Sitz des Unternehmens soll in Spanien sein.
Vom Wettbewerber Nordex vermeldeten die Analysten jüngst sinkende Aktienkurse. Ein Umstand, der dem zurzeit niedrigen Ölpreis geschuldet sei, meinten die Experten. Dabei verbuchte das Unternehmen bereits im Juni Aufträge in größerem Umfang in England.

Noch müssen in Norddeutschland Windkraftanlagen häufiger abgeregelt werden, weil der Netzausbau nur stockend voran geht. Ein Thema, das seit der Energiewende immer wieder auch gerade von der Politik heftig diskutiert wird. Hierdurch müssen konventionelle Kraftwerke ihre Erzeugung anpassen. Es entstehen zusätzliche Kosten für den Stromkunden von über einer Milliarde Euro. Im Jahr 2022 könnten die Kosten hierfür auf bis zu vier Milliarden Euro steigen.