Trumpf PE Blech, Bild: Trumpf

Trumpf hat seine Produktionseinheit Blech auf digitalisierte Prozessabläufe umgestellt und eine Pilotfabrik für Industrie 4.0 realisiert. Bild: Trumpf

Anlässlich zur Hausmesse Intech zeigte der Industriekonzern Trumpf, wie Industrie 4.0 praktisch umgesetzt werden kann. Die vernetzte Pilotfabrik Produktionseinheit (PE) Blech wurde komplett auf digitalisierte Prozessabläufe umgestellt. Hier verwendet das Unternehmen eigens entwickelte Lösungen wie Truconnect und die digitale Geschäftsplattform Axoom. Ein MES-System erfasst alle Maschinenzustände und wertet diese aus. Mit der PE Blech will Trumpf das Thema Industrie 4.0 „kundennah angehen, die vielen Fragen beantworten und auch Orientierung bieten“, erklärt Matthias Kammüller, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen bei Trumpf.

Intelligente Plattform

Geschäftsplattform Axxom, Bild: Trumpf
In der Pilofabrik werden eigene Baustein-Lösungen wie Truconnect und Axoom genutzt. Bild: Trumpf

Damit in der Industrie-4.0-Fabrik alles rund läuft, hat Trumpf den Plattform-Anbieter Axoom gegründet. Er entwickelt eine gleichnamige digitale Geschäftsplattform, mit deren Hilfe sich alle Schritte in der Wertschöpfungskette eines Fertigungsunternehmens einfach und schnell vernetzen lassen. Alle gesammelten Daten werden zentral gespeichert. Alle umgebenden Prozesse wie Bestellung, Produktionsplanung, Konstruktion, Wartung und Auslieferung systematisiert, vereinfacht und miteinander verbunden.

Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Pilotprojekt PE Blech sollen innerhalb von fünf Jahren auf alle Geschäftsbereiche des Unternehmens ausgeweitet werden, sodass am Ende alle Produktionen im Industrie-4.0-Modus laufen. „Mit derartigen Anwendungsfällen können wir es schaffen, die Produktivität in den nächsten Jahren um bis zu 30 Prozent zu steigern“, sagt Kammüller.

Handheld, Bild: Trumpf
Die Industrie 4.0 bei Trumpf ist papierlos. Aktuelle Produktionsmeldungen werden auf ein mobiles Handheld geschickt. Bild: Trumpf

Ausbildung 4.0

Gerhard Rübling, Arbeitsdirektor bei Trumpf, Bild: ke NEXT
Gerhard Rübling, Arbeitsdirektor bei Trumpf, weiß, dass sich die Arbeitswelt der Zukunft rapide verändern wird. Bild: ke NEXT

Daneben werden auch erste Ausbildungskonzepte an die Digitalisierung und die Anforderungen in der Industrie 4.0 angepasst. „Industrie 4.0 führt zu veränderten Arbeitsaufgaben, die andere Kompetenzen unserer Mitarbeiter bedienen“, sagt Gerhard Rübling, Arbeitsdirektor bei Trumpf. So müsse man nun in Netzwerken anstatt in Linien arbeiten. Diese neuen Kompetenzen und Kommunikationswege müssten mit modernen Lernformen vermittelt werden. Dazu hat Trumpf eine Lernfabrik 4.0 in Bietigheim-Bissingen aufgebaut. Die Schüler bauen auf 220 Quadratmetern eine komplett vernetzte Fertigungslinie. Hier tauschen sie sich intensiv mit ihren Lehrern und Mitarbeitern aus. Erkenntnisse aus dem Projekt sollen dann direkt ins Unternehmen und der Ausbildung bei Trumpf übernommen werden.

Außerdem zeichnet sich für den Konzern ab, dass in der Arbeitswelt der Zukunft die Mobilität wichtig sein wird. Deswegen plant Trumpf, dass 20 Prozent mobil gearbeitet wird. Die Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter soll steigen, in dem sie ihre Arbeit eines Jahres an die Auslastungen anpassen und eigenständig planen.

Industrie 4.0 braucht Kooperationen

Peter Leibinger, Trumpf, Bild: ke NEXT
Peter Leibinger von Trumpf setzt bei Industrie 4.0 auf Kooperationen mit anderen Unternehmen und Forschungsinstituten. Bild: ke NEXT

Doch all diese Entwicklungen seien nur möglich, wenn Industrie 4.0 in Kooperationen mit anderen Unternehmen und Forschungsinstituten entwickelt wird. Dieser Überzeugung ist Peter Leibinger, stellvertretender Vorsitzender der Unternehmensgruppe und Vorsitzender des Geschäftsbereichs Lasertechnik: „Die Vernetzung von Daten und Dingen kann nur im Zusammenspiel vieler Player gelingen. Die institutionelle Forschung in Projekten mit mehreren Partnern spielt für uns eine zentrale Rolle.“

Deswegen engagiert sich das Unternehmen auch als Partner der Innovationsplattform Code_n, die im September in Karlsruhe ein großes Startup-Festival veranstalten wird. „Wir wollen uns dort mit anderen Unternehmen und Startups aus dem Bereich Photonics 4.0 austauschen und gemeinsam neue Impulse für die Zukunft der Photonik setzen“, erklärt Leibinger. Photonics 4.0 beschreibt, wie Industrie 4.0 mit Hilfe von optischen Technologien weiter voranschreiten kann.