Mensch-Roboter-Kooperation bei ABB, Bild: ABB

Die Industrie der Zukunft ist für ABB mehr, als nur die Kooperation zwischen Mensch und Maschine. Bild: ABB

Digitalisierung, Internet der Dinge und smarte Fabriken sind aktuell die Antworten auf die Frage, wohin sich die Industrie bewegt. Auch das Schlagwort Industrie 4.0 wird derzeit überstrapaziert, wenn es darum geht die Zukunft zu beschreiben. Mit viel Erfolg wird das durch Marketingabteilungen in Europa und der Welt propagiert. Doch was bedeutet das konkret? Um herauszufinden, wie man sich die Industrie der Zukunft beim Automatisierungsspezialisten ABB vorstellt, war ke NEXT auf der ABB-Pressekonferenz im Vorfeld der Hannover Messe 2017. Dort fragten wir nach beim Vizepräsidenten der Abteilung Forschung und Entwicklung, Christopher Ganz.

Im Rahmen des Kongresses „Internet of Things 2016“ in Dubai hatte sich Ganz gegenüber der Business Insight Group schon zum Thema geäußert. Die Digitalisierung sei eine große Chance, von der noch niemand wisse, wohin sie führen wird. ABB sehe die Digitalisierung dabei nicht als digitale Revolution, sondern als eine Entwicklung, an der der Konzern partizipieren möchte. Und das um gemeinsam mit den Kunden zu lernen.

Den evolutionären Charakter unterstrich er damals mit dem Argument, dass die Kunden die Maschinen, in die sie vor zehn oder 15 Jahren investiert haben, wohl kaum nach so kurzer Zeit durch neuere ersetzen wollten, sondern nach Lösungen suchten, um diese Investitionen zukunftsfähig zu machen.

Rennen um beherrschende Plattform ist vorbei

Als Ganz im Rahmen der Pressekonferenz dann über das Internet der Dinge spricht, ist das vor allem ein industrielles Internet der Dinge. Denn immerhin 55 Prozent des Umsatzes von ABB erwirtschaftet der Schweizer Konzern in diesem Bereich. 26 Milliarden Geräten sollen in der Industrie bis 2020 verbunden sein. Mit 18 Prozent Wachstum im Jahr im M2M-Bereich will ABB die Digitalisierung der Industrie deshalb aktiv mitgestalten.

Christopher Ganz, Vize R&D ABB, Bild: ke NEXT/ssc
Christopher Ganz: "Mit ABB Ability bezeichnen wir die Zusammenfassung unseres digitalen Angebots und erweitert um eine Cloudanbindung." Bild: ke NEXT/ssc

Das Rennen um die eine marktbeherrschende Cloud-Plattform ist laut Christopher Ganz dabei allerdings vorbei. Vielmehr gehe der Wildwuchs in der Kommunikation weiter, trotz verschiedener Bemühungen diese zu standardisieren. Um seinen Kunden attraktive Angebote machen zu können, versucht der Maschinenbauer viele Standards abzudecken. Damit das auch für neue Anforderungen, wie Predictive Maintenance und Condition Monitoring funktioniert, bündelt der Konzern nun seine digitalen Dienstleistungen und Vernetzungslösungen im ABB-Ability-Konzept.

"Mit ABB Ability bezeichnen wir die Zusammenfassung unseres digitalen Angebots," sagt Christopher Ganz. "Wenn Sie sich im Detail ansehen, was ABB heute schon macht, dann sind wir in der Digitalisierung schon sehr weit. Automatisierungssysteme, intelligente Geräte, die sind heute schon im Einsatz bei unseren Kunden, um die Anlagen zu digitalisieruen." Kern der Strategie ist es, durch die Vernetzung mit kommunikativen Bauteile und Softwarelösungen aus dem eigenen Haus die Daten, die Ganz als Leitwarte bezeichnet, zu beherrschen, um "digitale Lösungen anbieten zu können".

Neben den eigenen Produkten will ABB im Rahmen der Strategie digitale Lösungen anbieten für die man auf eine Cloudlösung setzt, für die das Unternehmen Microsoft als Partner gewinnen konnte. Offensichtlich zahlen sich die Bemühungen des amerikanischen Softwareunternehmens aus, das 2016 mit einer Roadshow offensiv das eigene Cloud-Angebot namens Microsoft Azure als Cloudlösung für die Industrie bewarb.

Das meint der Redakteur

ABB bündelt mit ABB Ability letztlich vorhandene Produktlösungen und Dienstleistungen und will diese als zukunftsfähiges und ambitioniertes Lösungskonzept anbieten. Das ist sicher kein Quantensprung, passt aber zu der Auffassung Industrie 4.0 als evolutionären Prozess zu begreifen. Dazu zeigt sich auch in der Begründung von Ganz, dass das Unternehmen seine Digitalisierungsbemühungen nicht in eine eigene Division „outsourct“, sondern diese in allen Geschäftsbereichen verortet.

Das ist nichts anderes als das, was derzeit auf jedem Industrietreffen zu hören ist. Intelligente Komponenten sammeln Daten und senden diese an eine zentrale Einheit, um so Dienstleistungen für die Steuerung, den Betrieb und die Wartung der dann smarten Fabriken und Anlagen anbieten zu können. Überraschend ist einzig, wenn Ganz den ABB als Hidden Champion der Digitalisierung bezeichnet, um zugleich von umfangreichen und globalen Ambitionen bei Software und im Digitalen zu berichten, beträgt doch der Anteil am Gesamtumsatz des Unternehmens heute schon 55 Prozent des Gesamtumsatzes.