Auf eigenen Beinen 1

Die SSB-Antriebstechnik hat sich im Herbst vergangenen Jahres entschlossen, den Geschäftsbereich Antriebstechnik auf eigene Beine zu stellen. Stiftete diese Transaktion anfänglich etwas Verwirrung, ist heute die Ausrichtung der so entstandenen SSB Duradrive transparent. Geschäftsführer Marcello Pantke stellt im Interview die Firma vor.

Die SSB-Antriebstechnik GmbH & Co. KG hat sich entschlossen, ihren Geschäftsbereich Antriebstechnik als eigenständiges Unternehmen zu positionieren. Welche Motive stecken dahinter?
Die SSB-Antriebstechnik hat in den vergangenen 40 Jahren einen außergewöhnlich breiten Erfahrungsschatz im Bereich industrieller Antriebssysteme aufgebaut. Das betrifft nicht nur die Konstruktion und Fertigung von Elektromotoren in allen Varianten, sondern vor allem auch komplette Antriebssysteme inklusive Getriebe, Umrichtertechnik und Steuerungstechnologien. Seit 1992 setzten wir dieses Know-how zusätzlich für den Markt der Windenergie ein, in den das Unternehmen sehr erfolgreich hoch spezialisierte Pitchsysteme liefert. Bei den Systemen, die wir im Geschäftsfeld Windtechnologie entwickeln, handelt es sich um klassische Serienproduktionen, während wir uns im Bereich der industriellen Antriebssysteme auf sehr individuelle Lösungen und Kleinserien fokussiert haben. Dieser Kontrast zwischen den beiden Geschäftsfeldern erfordert in Konsequenz unterschiedliche Organisationen, Produktionsabläufe, Vertriebsstrukturen und eine fachliche Spezialisierung. Das hat uns veranlasst, beide Geschäftsbereiche auf eigene Beine zu stellen.

Welche Auswirkungen hat diese Maßnahme auf die organisatorische Struktur der SSB Duradrive?
Die neu gegründete SSB Duradrive GmbH ist heute mit einem marktspezifisch sehr erfahrenen Management aufgestellt und einer ebenso spezialisierten Vertriebsstruktur, die wir sehr eng an unsere Zielbranchen geknüpft haben. Erst durch unsere neue Eigenständigkeit haben wir die Möglichkeit, umfangreiche Strukturmaßnahmen vorzunehmen, wie die Optimierung unserer Produktionsprozesse, die konsequente Vereinfachung unseres Angebotswesens und nicht zuletzt auch die Neuordnung unseres Leistungsportfolios. Ein weiterer Vorteil ist die klare betriebswirtschaftliche Trennung: Während vorher entschieden werden musste, welches Geschäftsfeld bei Investitions-, Struktur- und Personalfragen zunächst bevorzugt wird, treffen wir heute solche Entscheidungen deutlich schneller und unabhängig voneinander. Das sichert uns mehr Flexibilität und Zielsicherheit in der Unternehmensent-wicklung.

Wie haben die Kunden diese Weichenstellung aufgenommen?
Wir bekommen ein sehr gutes Feedback von unseren Kunden. Durch die neue Eigenständigkeit des Unternehmens wird das Geschäftsmodell und damit auch die Spezialisierung deutlicher sichtbar. Das schafft mehr Transparenz und Vertrauen. Die Vertriebsstruktur spielt dabei natürlich eine große Rolle. Unsere, für die SSB Duradrive neu formierte, Vertriebsmannschaft besteht aus Mitarbeitern, die umfangreiche Erfahrungen und fundiertes Know-how für die Branchen unserer Kunden mitbringen. Dadurch ist sichergestellt, dass unsere Kunden und Mitarbeiter schlichtweg eine Sprache sprechen. Ein Fakt, der für mehr Zielsicherheit in den Projekten sorgt und der die Beratungs- und die Ergebnisqualität erhöht. Zudem haben wir an Schnelligkeit im Handeln und Entscheiden zugelegt, was sich schon jetzt für uns und unsere Kunden auszahlt.

Mit dieser Veränderung hat sich auch eine neue Umsatzsituation eingestellt. Wie stellt sich aktuell das Geschäftsvolumen des Unternehmens dar?
SSB Duradrive wird im ersten eigenständigen Geschäftsjahr, trotz Restrukturierung und der international schwierigen wirtschaftlichen Situation, unsere angestrebte Umsatzgröße von 20 Millionen Euro genau erfüllen. Eine Tatsache, die uns natürlich sehr freut und uns in unseren weiteren Planungen bestärkt. Unser Team umfasst 127 Mitarbeiter, 16 davon allein in der Konstruktion und Entwicklung.

Wie ist die neue SSB Duradrive bezüglich des Produkt-Portfolios nun aufgestellt?
Wir entwickeln und fertigen branchenübergreifend industrielle Motoren und Antriebssysteme und haben uns dabei auf individuelle Antriebslösungen und Kleinserien bis zu 1000 Einheiten spezialisiert. Der Leistungsbereich liegt zwischen 0,1 und 2500 kW. Motoren, Generatoren, Getriebe, Umrichtertechnologien, Systemsteuerungen und andere Komponenten werden bei uns unter einem Dach ausgelegt und gefertigt. Neu im Portfolio sind Generatoren für Windenergieanlagen mit einer Leistung von bis zu 2,5 MW. Durch unsere langjährigen Erfahrungen in der Windenergie und in der Magnet- und Isoliertechnologie sind Generatoren für uns und unsere Kunden eine ideale Ergänzung zu den bestehenden Windtechnik-Produkten wie Pitch- und Azimutantrieben und Antrieben für Rotorbrems- und Rotorlock-Systeme.

Wird SSB Duradrive zukünftig auch neue Märkte angehen?
Damit haben wir schon begonnen. Mit unseren Generatoren und Antrieben für Bremssysteme in der Windenergie haben wir neue Produktlinien eröffnet, in die wir unsere umfassenden Erfahrungen aus der Windbranche voll einbringen. Weitere Linien werden hier und in anderen Branchenbereichen in Zukunft folgen. Geografisch konzentrieren wir uns zunächst auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Für diese Kernmärkte ist unsere neue Vertriebsstruktur bereits bestens aufgestellt.

Derzeit steht in der Antriebstechnik das Thema Energieeffizienz im Rampenlicht. Bezogen auf Ihr Produktprogramm: Wo setzen Sie den Hebel an?
Da wir individuelle Antriebslösungen entwickeln und fertigen, hat jedes unserer Projekte in puncto Energieeffizienz seine eigenen Herausforderungen. Unsere Ingenieure setzten den Hebel hier auf einer breiten Basis an. Magnetkreisoptimierung, höhere Füllfaktoren in den Statornuten, reibungsarme Rotorlagerung, hochwertige Rotor- und Statormaterialien zur Reduzierung der Ummagnetisierungsverluste sind nur einige Maßnahmen, die wir anwenden. Unsere Antriebe erfüllen damit die drei Effizienzklassen der neuen DIN-Norm und übertreffen sie auch dort, wo es notwendig oder gefordert ist. Wobei die Anforderungen sehr unterschiedlich sind. Bei hochdynamischen Antrieben hat das Thema Energieeffizienz in der Regel weniger Gewicht als bei Langläufern.

Wie tiefgreifend sind die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise?
Auch wir haben natürlich die Auswirkungen gespürt. Zumal ein großer Teil unserer Kunden in der Maschinenbauindustrie tätig ist, in der bekanntlich vor allem das Exportgeschäft deutlich gesunken ist. Allerdings hat unser hohes Engagement in der Windindustrie einen Großteil des rückläufigen Geschäftes im klassischen Maschinenbau kompensiert. So konnten wir in 2007 und 2008 die Umsatzentwicklung nahezu konstant halten und in 2009 haben wir unser gesetztes Soll erfüllt. Sehr positiv hat sich hier auch die Tatsache ausgewirkt, dass wir unabhängig vom großen Seriengeschäft agieren. Unsere Kunden kennen und schätzen uns als Spezialist für individuelle, sehr spezifische Antriebslösungen, die häufig zur Erhöhung von Anlagenverfügbarkeiten benötigt werden. So erarbeiten wir mit unseren Antriebssystemen für unsere Kunden Alleinstellungsmerkmale und Wettbewerbsvorteile – und die sind selbst in Krisenzeiten sehr gefragt.