Auf Höchstleistung getrimmt 1

Elektromechanische Antriebskonzepte gibt es viele. Doch der Umbra EMA-Direct Drive ist anders. So bekannte Anwender wie Trumpf setzen bereits auf die Leistungsfähigkeit dieser Antriebslösung. Doch urteilen Sie selbst.

Um die Gegenwart besser zu verstehen, muss man die Vergangenheit kennen. Und die Firmenchronik der italienischen Umbra-Gruppe ist in der Tat wechselvoll. Aber der Reihe nach. Angefangen hat alles im Jahr 1972. Die Schweinfurter FAG Kugelfischer und die italienische GEPI gründen die Umbra Cuscinetti, um hochpräzise Kugellager herzustellen. Sechs Jahre später beginnt die Firma mit der Fertigung von Kugelgewindespindeln für den Einsatz in der Luftfahrtindustrie. 1983 wird FAG einziger Besitzer. Wiederum zehn Jahre später erwerben zwei Manager der Umbra Cuscinetti zusammen mit zwei lokalen Investoren 100 Prozent der Umbra-Aktien im Rahmen eines Management-Buy-out. Von da an ging es sehr zielgerichtet weiter.

Prämisse der weiteren Geschäftsaktivitäten war die Absichtserklärung, dort präsent sein zu wollen, wo die großen Kunden sitzen. Vor diesem Hintergrund kaufte Umbra im Jahr 1996 die schwäbische Kuhn GmbH. Drei Jahre später erweiterten die Italiener mit dem Zukauf der North-west Gear ihre Firmengruppe in den USA. Dass diese Expansion richtig und wichtig war, zeigt sich daran, dass heute der deutsche und amerikanische Markt zusammen knapp 90 Prozent des Umbra-Gruppenumsatzes ausmachen.

Um die bewegte Firmengeschichte abzuschließen: Im Jahr 2003 weiht Umbra Cuscinetti das neue italienische Werk in der Nähe von Foligno ein. „Dieser Neubau war ein wichtiger Schritt für die Unternehmensgeschichte“, betont Dr.-Ing. Nello Salemmi, Vertriebsleiter der Umbra-Gruppe für Deutschland und zugleich Betriebsleiter der in Freiberg am Neckar ansässigen Kuhn Präzisionsspindeln und Gewindetechnik GmbH.
Die Geschäfte der Umbra-Gruppe basieren auf insgesamt drei Bereichen: Da wäre der mit rund 40 Prozent am Gesamtumsatz beteiligte Luftfahrtbereich, etwa den gleichen Anteil machen Industrieprodukte aus und der Rest fällt auf Biomedical. Dr. Salemmi erklärt: „Die Strategie von Umbra war und bleibt, das im Luftfahrtbereich vorhandene Know-how auf andere Industriezweige zu transferieren. Dieser Weg war bislang sehr erfolgreich und deshalb halten wir auch zukünftig daran fest.“

So gesehen bereitet dem Unternehmen die ursprünglich speziell für die Luftfahrtindustrie konzipierte Produktionslinie der Schwerlastspindel derzeit sehr viel Freude. Warum das so ist, ist primär einer technischen Besonderheit zuzuschreiben. „Unsere Wettbewerber haben lediglich durch größere Bauweisen der Einzelkomponenten aus der Standardkugelrollspindel eine Schwerlastausführung gemacht. Das reicht nicht aus und geht auch nicht gut“, resümiert Dr. Salemmi. „Umbra ist hier einen anderen und zugleich mutigen Schritt gegangen. Wir haben auf das sensibelste Teil der Kugelrollspindel, nämlich das Umlenksystem, verzichtet. Da es kein Umlenksystem gibt, kann auch keines ausfallen. Wir haben damit die konstruktive Schwachstelle beseitigt.“
Dass das Geschäft mit der Schwerlast-Kugelrollspindel so gut läuft, hat aber auch noch andere Gründe. Dem Kuhn-Betriebsleiter zufolge gebe es viele Anwendungsbereiche, die man ursächlich nicht direkt mit einer Kugelrollspindel in Verbindung bringe.

Insbesondere bei großen Kräften habe man lange Zeit vorzugsweise hydraulische Lösungen oder Planetenrollantriebe favorisiert. Dr. Salemmi bringt es so auf den Punkt: „Heute geht man sukzessive weg von der Hydraulik und hin zu elektromechanischen Antrieben.“

Dass Umbra sich nicht auf den Lorbeeren ausruht, sondern stetig nach vorne blickt, beweist die Entwicklung von Umbra EMA-Direct Drive. Dr. Salemmi erklärt: „Das Kürzel EMA steht für elektro-mechanischer Aktuator. Das Ganze besteht aus einer Kugelrollspindel mit integriertem Torquemotor sowie Lagerung und Sensoreinheit. Und das alles koaxial zusammengebaut in einem kompakten Antriebspaket. Wir können damit in der Ausführung als Einzelantrieb Schwerlastanwendungen bis 1000 kN abdecken. Sind hohe Geschwindigkeiten gefragt, stehen Antriebe zur Verfügung, die bis in den 50-Hz-Frequenzbereich reichen.“

Worauf der Kuhn-Mann besonders stolz ist, ist die Tatsache, dass mittlerweile auf der Kundenliste so klangvolle Namen wie Trumpf stehen. Die TruBend-Serie-7000 bezeichnen die Ditzinger als die schnellste Biegemaschine der Welt. Und der getriebelose, elektromechanische Umbra-Direktantrieb trägt seinen Teil dazu bei.

Umbra EMA-Direct Drive beweist laut Dr. Salemmi bereits in Pressen, im Flugzeugbau, Laser-Schweißmaschinen und Spritzgießmaschinen seine Praxistauglichkeit. Aber auch für die Verstellung der Flügel in Windkraftanlagen sei der Antrieb sehr vorteilhaft. Schließlich würden sich damit auch effiziente Pumpenantriebe fürs Wasserstrahlschneiden realisieren lassen. Dr.-Ing. Nello Salemmi fasst zusammen: „Überall dort, wo es um hohe Kräfte und hohe Geschwindigkeiten geht, ist unser Revier.“ So gesehen gibt es für den Umbra-Antrieb noch ein riesiges zu eroberndes Applikationsfeld.