Textil-Waschanlage, Bild: Lenze SE

Damit sich die neue Lösung flexibel einsetzen lässt, besteht die Textil-Waschanlage aus einzelnen Modulen. Bild: Lenze SE

Stoffe werden während ihrer Verarbeitung vom einzelnen Faden bis zum fertig gefärbten oder bedruckten Stoff immer wieder in Waschanlagen gereinigt. Sind für den Massenmarkt große Mengen gefragt, dann nutzt die Textilindustrie entsprechend dimensionierte Lösungen, die ordentlich Meter machen. Mit dem Modell Compactflow hat der Anlagenbauer Menzel jetzt eine Anlage für Kleinmetragen entwickelt. Damit folgen die Bielefelder dem Trend zu kleineren Losgrößen, die sich mit Großanlagen weder ökologisch noch wirtschaftlich vernünftig realisieren lassen. Das Engineering der Antriebs- und Steuerungstechnik für die Anlage entstand in enger Zusammenarbeit mit am Antriebstechnikhersteller Lenze.

Über ein Einlauf-Imprägnierwerk wird die zu reinigende Ware über perforierte Trommeln geführt. Von dort geht es dann weiter zu einem Quetschwerk, danach in einen zweiten Waschbereich. „Um die Waschintensität auf kleinstem Raum zu vergrößern, sind in beiden Waschzonen elektrisch angetriebene Schaufelräder, sogenannte Splashroller, eingebaut, die über Turbulenzen einen hohen Flottenaustausch in der Ware erzeugen“, erklärt Geschäftsführer Constantin Menzel. Mit diesem von Lenze-Servotechnik angetriebenen Verbund erreicht das Modell die gleiche spezifische Waschleistung wie eine Großanlage.

Ein typischer Vertreter dieser Reihe besteht üblicherweise aus zwei Modulen, damit also vier Wäschern. Sie sorgen dafür, dass der Ölanteil im Gewebe von anfangs circa drei Prozent schrittweise auf 0,3 Prozent sinkt. Das Öl wird vor dem Weben auf synthetische Fasern gebracht, um den Webprozess zu verbessern und Reibungen zu mindern.

Bei Naturfasern wird diese Funktion durch eine Schlichte übernommen: Sie fixiert die abstehenden Härchen auf den Faden und erhöht damit für das Weben die Gleitfähigkeit. Ob Öl bei Synthetikfasern oder Schlichte bei nativen Produkten – beides muss von den Stoffbahnen entfernt werden vor dem Bleichen, Färben oder dem digitalen Bedrucken. Und hier greifen jetzt die Mechanismen des sogenannten Sinnerschen Kreises.

Vier Faktoren für wirksame Reinigung

Textil-Waschmaschine mit Getriebemotoren von Lenze, Bild: Lenze SE
Getriebemotoren von Lenze treiben die Siebtrommeln und die Splashroller an. Bild: Lenze SE

Der Wirkungsmechanismus des Sinnerschen Kreises, der in vielen Reinigungsprozessen abläuft, in der industriellen Waschanlage wie in der häuslichen Wasch- und Geschirrspülmaschine, ist bestimmt von vier Faktoren: Chemie, Mechanik, Temperatur und Zeit. Alle vier Faktoren sind voneinander abhängig und in ihrer jeweiligen Größe veränderlich. Folglich lässt sich das Weniger in einem Bereich durch ein Mehr in einem anderen kompensieren, um das gleiche Waschergebnis zu erhalten. Geschirrspülmaschinen gleichen etwa im Eco-Mode die niedrigere Spültemperatur durch längeren Betrieb aus. Der Sinnersche Kreis, benannt nach dem ehemaligen Leiter der Anwendungstechnik bei Henkel und Tensidchemiker Herbert Sinner, greift auch bei der neuen Anlage von Menzel.

Damit der Verbrauch von Wasser, Wärmeenergie und Reinigungschemikalien reduziert wird, muss der Eintrag von mechanischer Energie entsprechend groß sein, um eine gute Reinigungswirkung bei wenig Zeitbedarf zu erreichen. Die Warenlaufgeschwindigkeit reicht bei der Kompaktmaschine nicht aus, um waschintensive Turbulenzen zu erzeugen, weil die Anlage im Bereich von fünf bis zehn Meter pro Minute arbeitet. Deshalb erzeugen Propellerwalzen, die Splashroller, gleichmäßig über die Warenbreite Turbulenzen in der Anlage. So können Wasser und Chemie die Warenbahn bis an die Einzelfaser wirksam durchdringen. Die Antriebstechnik der Splashroller, die in ihrer Wirkung über Drehzahlsteuerung einstellbar sind, hat Menzel mit Lenze-Antrieben realisiert. Zum Vergleich: Waschanlagen für die textile Massenproduktion von Geweben laufen mit Geschwindigkeiten von 50 bis 100 Metern in der Minute, „während wir bei der Compactflow von fünf bis zehn Metern sprechen“, erklärt Wolfgang Fechner, technischer Vertriebsleiter bei Menzel.