Bogenrolltreppen, Bild: Kone

Die Bogenrolltreppen in der Elbphilharmonie sind mit 80,2 Metern Länge die längsten Anlagen Deutschlands und Westeuropas. Bild: Kone

Die Plaza in 37 Metern Höhe ist der zentrale Platz der Elbphilharmonie: Sie ist Aussichtsplattform und zugleich Verteilerebene, von der aus man die Konzertsäle, das Hotel und die Wohnungen, aber auch das Konferenzzentrum, den Wellnessbereich, die Restaurants, Cafés und Bars erreicht. Seit Anfang November 2016 erreicht man diese Aussichtsplattform über Deutschlands längste Bogenrolltreppen, über die man den ersten Wegabschnitt zurücklegt. Sie führen vom Haupteingang durch eine mehr als 80 Meter lange Röhre, die „Tube“, zur Zwischenebene auf 30 Metern Höhe mit Blick auf die Landungsbrücken.

Der Krümmungsradius der Bogenrolltreppen liegt bei 210 Metern, während ihre Neigung von 26,5 Grad zu Beginn auf acht Grad am Ende hin abnimmt. So können die Besucher während der zweieinhalbminütigen Fahrt (bei einem Tempo von 0,5 Metern pro Sekunde) nicht von einem zum anderen Ende sehen – ganz gleich, ob sie nach vorne oder zurückschauen. Heller Putz, 7.900 irisierende Glaspailletten und die Lichteinfälle von den Enden her setzen Tube in Szene.

Kone-Projektleiter Heiner Zeiger, Bild: Christian Augustin
Kone-Projektleiter Heiner Zeiger erläutert im Mai 2015 die Bogenrolltreppen. Bild: Christian Augustin

Von der Zwischenebene geht es weiter: Ein Rolltreppenpaar (Länge 21,10 Meter, Förderhöhe 4,32 Meter) führt die Besucher durch eine zweite Röhre, die „kleine Tube“, bis fast zur Plaza. Statt mit den üblichen 30 Grad sind die „Plazarolltreppen“ vom Typ ECO3000 nur mit 17,25 Grad geneigt. Das macht auch sie zur Sonderkonstruktion: Führungen, Balustraden und Sockel mussten speziell angefertigt werden. Anschließend steigen die Besucher über eine Treppenanlage mit 15 weiten Stufen zur Plaza hinauf. Das Ziel ist erreicht!

Rekord

Die Bogenrolltreppen sind mit 80,2 Metern Länge die längsten Anlagen Deutschlands und Westeuropas. Sie lösen den bisherigen deutschen Spitzenreiter ab: die Rolltreppe zum Ruhrmuseum in der Zeche Zollverein mit 58 Metern Länge bei 24 Metern Förderhöhe. Dabei überwinden die Anlagen in der Elbphilharmonie 21,43 Meter. Wären sie mit 30 Grad so stark geneigt wie Standardrolltreppen, läge die Förderhöhe sogar bei knapp 40 Metern.

Die Anlagentechnik

Länge und Förderhöhe der Anlagen in Kombination mit ihrer Bogenform erforderten einen außerordentlichen Konstruktionsaufwand. So zog sich ein Wettbewerber vom Projekt zurück, und der Auftrag ging 2007 an Kone. Hier entwarf ein erfahrenes Team unter Leitung von Heiner Zeiger innerhalb eines knappen Jahres die Anlagen, die weltweit ohne Vorbild sind und von Kurven- beziehungsweise Wendelrolltreppen unterschieden werden müssen.

Mit Ausnahme der Gerüste, die auf die Lage vor Ort zugeschnitten werden mussten, stammen die meisten Komponenten aus der Serienproduktion: die Aluminiumstufen, die Stufen- beziehungsweise Kettenführungen, das Handlaufsystem und vieles mehr. Sonderanfertigungen sind die Sektionalantriebe - mit speziellen Antriebsrädern und Sensorik -, die Stufenketten, die Sockel und die Controller-Einheit, mit der die Umrichter der einzelnen Antriebe per Bus-System verbunden sind.

Das Modell

Vor Installation der Bogenanlagen erstellte man 2008 am früheren Standort Hattingen ein 1:1-Modell, um Konstruktionsdetails auf ihre Praxistauglichkeit hin zu klären, darunter die Stufenkette und das Zusammenspiel von Sektionalantrieben und Controller-Einheit.

Da die Anlage für den Testbetrieb so realistisch wie möglich ausgelegt wurde, konnten viele Komponenten später wiederverwendet werden, darunter drei der fünf Handlauf- und Stufenantriebe, vier Gerüstelemente und die Spannstation fürs Stufenband. So sind die Anlagen wahrlich globale Produkte: Gerüst-, Antriebsteile und andere Komponenten wurden aus China geliefert. Langjährige deutsche Lieferanten steuerten Antriebskomponenten, Stufenbandketten, Steuerungen und Umrichter bei.

Modell der Anlagen, Bild: Kone
Das Modell der Anlagen im Maßstab 1:87 zeigt die Größenverhältnisse zwischen den Bogen- und typischen Kaufhausrolltreppen. Bild: Kone