Epos4 50/5, Bild: Maxon Motor

Die Controller von Maxon Motor gibt es auf Wunsch fertig im Gehäuse, hier die neue Epos4 50/5. Unter der Klappe haben Steckmodule Platz, ab Jahresende auch für Ethercat. Bild: Maxon Motor

Herr Wagenbach, wie hat sich die Erwartungshaltung Ihrer Kunden in den vergangenen Jahren entwickelt?

Der Kunde erwartet eine einfach nutzbare Funktionalität, die für die Lösung seiner konkreten Anwendung benötigt wird. Nicht mehr und nicht weniger, also für den konkreten Einzelfall klar abzugrenzen. Die Funktionalität sollte zudem intuitiv verständlich und mit anderen Systemen kompatibel sein, um eine einfache Systemintegration zu ermöglichen. Je nach Einsatzbereich ergeben sich hier spezifische Erwartungen: In der Medizintechnik ist neben der Baugröße und der Geräuschentwicklung des Motors häufig auch die Energieeffizienz wichtig, weil viele Geräte batteriebetrieben sind. Der Aerospace- und der Automotive-Bereich sind sehr stark von spezifischen Normen geprägt. Und im Industriebereich ist die Konnektivität, die Verbindung zu SPS-Systemen über Bus-Schnittstellen wie Canopen und Ethercat entscheidend.

steckbare Module, Bild: Maxon Motor
Von Escon und Epos4 gibt es unter anderem steckbare Module zur Integration in eigene Elektronik. Die Module lassen sich zudem mit einem Connector-Board zu einer anschlussfertigen Kompaktlösung kombinieren. Bild: Maxon Motor

Sehen Sie auch übergeordnete, globale Trends?

Der Trend geht heute ganz klar zu bürstenlosen Antrieben, einfach aufgrund der Lebensdauer. Unsere bürstenbehafteten Motoren besitzen eine sehr hohe Qualität und Einsatzdauer, aber man muss ehrlich sein: Die Bürste ist das lebensdauerbestimmende Element. Ansonsten: Industrie 4.0 ist sicher relevant, wobei wir feststellen mussten, dass das Thema nicht mehr nur ein Schlagwort ist, sondern konkreter wird. Die Anforderung möglichst viele Geräte zu vernetzen und den Datenaustausch sicherzustellen ist hochaktuell. Wenn ich zum Beispiel eine Schraube anziehe, möchte ich im Rahmen der Qualitätssicherung wissen, wie viel Moment denn jetzt wirklich auf der Schraube war, als ich sie angezogen habe – ich möchte also nicht nur den Vorgabewert, sondern auch die Ist-Information. Auch vorausschauende Wartung ist ein großes Thema: Ist der Motor schon dicht an seinem Lebensende, ist ein Austausch des Motors erforderlich? Außerdem ist Safety ein Trend, der vor einigen Jahren gerade bei größeren Antrieben sehr stark forciert wurde und der auch für uns relevant ist.

Jürgen Wagenbach, Bild: ke NEXT
Jürgen Wagenbach ist Head of Customer Support im Corporate Center Motion Control bei Maxon Motor. Bild: ke NEXT

Safety bei kleinen Antrieben von wenigen Watt?

Absolut. Denken Sie an erweiterte Sicherheitsfunktionen wie Safe Torque Off (STO). Bei kleineren Antrieben war das vor Jahren noch kein Thema, heute sehr wohl. Werfen Sie zum Beispiel einen Blick auf unsere Epos4-Baureihe, die einheitlich STO bietet. Die Maschinenbauer wissen heute, was hinter diesen Funktionen steckt und erwarten die gleichen Sicherheitsfeatures sowohl bei großen, als auch bei kleinen Antrieben. Zudem ist Energieeffizienz ein Trend, dem wir sehr positiv gegenüberstehen, da wir mit unseren Motoren und Controllern Wirkungsgrade von über 90 Prozent bieten, die auch für Batterieanwendungen gut geeignet sind.

Glauben Sie, dass es strengere gesetzliche Energierichtlinien in Zukunft auch für Kleinmotoren geben wird?

Da haben wir bisher keine Bestrebungen festgestellt. Das ist eher ein Thema bei größeren Antrieben, wo offensichtlich sehr viel Energie eingespart werden kann. Bei kleineren Antrieben ist die Frage der Ersparnis eher von der Applikation getrieben – bei Batterieanwendungen zum Beispiel, wo Kunden sehr konkret fragen: Wie läuft die Stromaufnahme des Controllers, kann ich ihn in den Sleep-Modus versetzen und so weiter. Da wollen Kunden schon von sich aus in Effizienzbereiche hinein, die deutlich unter denen liegen, über die man in Normungsgremien redet.

In welchen Einsatzbereichen werden Motorcontroller denn vorwiegend eingesetzt? Einen Motor kann man im Grunde ja auch einfach einschalten und er läuft...

Für bürstenbehaftete Motoren stimmt das prinzipiell, aber schon bei bürstenlosen Motoren dreht sich ohne Controller nichts, der Controller sorgt erst dafür, dass die Motorwicklungen entsprechend bestromt werden. Außerdem sollen Motoren in Maschinen oft auch unter Last konstant drehen. Mit einer reinen Spannungsversorgung ist das nicht zu gewährleisten. Daneben muss ich mich als Anwender fragen, ob ich nur eine Drehzahl regeln oder konstant halten möchte, oder ob ich auch eine Stromregelung oder Positionierfähigkeit benötige. Die Positionsregelung etwa ist im Robotik-Bereich sehr wichtig, die Drehzahlregelung besonders in der Medizintechnik. Regler müssen heute immer schneller arbeiten, Informationen koordiniert zusammenbringen und sich mit übergeordneten Systemen austauschen. Denn sie haben in der Regel nicht nur einen Motor in Betrieb, sondern mehrere, und es können Abhängigkeiten in der Bewegung dieser Antriebe bestehen. Gerade in der anspruchsvolleren Antriebstechnik wird es meiner Meinung nach keine Motoren ohne Controller mehr geben.

Escon Module 24/2, Bild: Maxon Motor
Modul für die Integration in eigene Elektronik: das Escon Module 24/2, ein Strom- und Drehzahlregler mit 24V / 6A Spitze auf 36 x 27 mm Baugröße. Bild: Maxon Motor