Stromzähler, Bild: Fotolia - beermedia

Vorschriften, die in der Antriebstechnik dabei helfen sollen, Strom zu sparen, gibt es international. Bild: Fotolia - beermedia

Sind wir wirklich die Vorreiter? Als Deutsche rühmen wir uns ja häufig damit, in diversen Technologiebereichen, die Besten zu sein und das alles energieeffizient und mit gutem grünen Gewissen – einfach weil wir es können. Auch in der EU fährt man die Energieeffizienzschiene. So auch in der Antriebstechnik. Mit bindenden Vorschriften zu Energiesparmotoren der Premium-Efficiency-Klasse im Bereich der Drehstrom-Asynchronmotoren wird Flagge gezeigt: die Industrie soll effizienter am Laufen gehalten werden.

Immerhin macht ein Großteil der in der Industrie eingesetzten Motoren, Asynchronmotoren aus. Sich dieser Motorenklasse anzunehmen scheint also durchaus lohnenswert. Eine Berechnung des ZVEI aus dem Jahr 2010 hat ergeben, dass so EU-weit jährlich 17 TWh Strom gespart werden können – die Jahresbruttostromerzeugung eines großen Kernreaktors beträgt gerade einmal etwas mehr als zehn Terrawattstunden. Aber sind es wirklich nur die Europäer, die sich zu solchen Maßnahmen verpflichten? Und sind wir damit solche Vorreiter, wie wir uns das häufig vorstellen?

Blickt man sich in der Welt um, erscheinen unsere Energiespartaten gar nicht mehr so heldenhaft – sondern vielmehr nach Industrienationen-Standard. Stammt zwar die sogenannte Ökodesign-Richtlinie der EU, auf der die Vorschriften zu Energiesparmotoren im industriellen Umfeld basieren, bereits aus dem Jahr 2009, wurden Motoren der Wirkungsgradklasse IE2 erst Mitte 2011 Pflicht in der EU. Da war diese Wirkungsgradklasse in den USA, Kanada und Brasilien schon lange eingeführt, beziehungsweise Ende 2010 ist man in den USA bereits zur IE3-Plicht für Motoren von 0,75 bis 150 kW übergegangen, Kanada folgte 2012. Eine Zeit lang sah es sogar so aus, als würde die EU, was das Energiesparen angeht, mit China in einer Liga spielen – einem Land, das nicht gerade bekannt ist für sein Bekenntnis zu mehr Klimafreundlichkeit. Immerhin führte die Volksrepublik 2012 die IE2-Plicht ein – und damit kurz nach der EU, „hängt“ jedoch auf diesem Status etwas länger fest.

Während die EU die IE3-Pflicht in zwei Stufen eingeführt hat – die erste Anfang 2015 für Motoren im Leistungsbereich zwischen 7,5 und 375 kW und die zweite Anfang 2017 mit einer Ausweitung auf Motoren ab 0,75 kW Leistung, war Japan der EU 2015 bereits einen Schritt voraus und führte die IE3-Pflicht direkt für den gesamte Leistungsbereich von 0,75 und 375 kW ein. Womit wir beim Status quo angelangt wären und da steht die EU dann gar nicht schlecht da. Denn hier gilt die IE3-Pflicht für ein sehr großes Spektrum: für 2-, 4- und 6-polige Motoren mit Leistungen von 0,75 bis 375 kW. International gelten die Vorschriften häufig für geringere Leistungsbereiche, sowie nicht für alle Polzahlen.

Und vielleicht werden wir ja doch noch Vorreiter: Immerhin bieten hierzulande viele Hersteller – abseits des Voranschreitens der Gesetzesvorschriften – bereits IE4-Motoren an und neuere Motorarten, wie Synchron-Reluktanzmotoren werden vermehrt eingesetzt.