Export von elektrischer Antriebstechnik, Bild: ZVEI

Die Grafik zeigt die Seitwärtsbewegung des Exports elektrischer Antriebstechnik im Vergleich zum Vorjahrszeitraum. Standards und Normen kommen hier eine besondere Bedeutung zu, um neue Impulse zu setzen. Bild: ZVEI

Zur Eröffnung der SPS IPC Drives 2016 stellte der neue Vorsitzende des ZVEI-Fachbereichs Elektrische Antriebe, Karl-Peter Simon ein ebenso wichtiges, wie auch langbekanntes Thema in den Mittelpunkt seines Statements. Simon, Geschäftsführer von Bauer Gear Motor, sieht gute Gründe für dieses wichtige Thema: "Wenn wir beispielsweise an die Zukunft unser Kinder und Enkelkinder denken, ist es, um es mit einem in der Politik gerne verwendeten Begriff zu umschreiben, alternativlos."

Wichtiger Schritt Norm EN 50598

Und so habe man sich in der Industrie dieser Herausforderung gestellt und schaffe mit neuen Produktstandards die Grundlage, auf der der Gesetzgeber mit Richtlinien und Verordnungen eingreifen kann. Nur so können die Klimaschutzziele erfüllt werden.

Simon hob dazu die Norm EN 50598 hervor, mit der es möglich werde das gesamte Antriebssystem energetisch zu bewerten. Und das hat weitreichende Folgen, denn, so Simon: "Damit verlassen wir auch in der Normung die enge, strikt produktbezogene Sicht und öffnen uns dem System."

Der Zentralverband weist schon seit längerem auf diese Sichtweise und deren Vorteile hin. Dort sieht man gerade in der Norm EN 50598 enorme Vorteile durch die Ökodesignanforderungen für elektrische Antriebssysteme, die ihrerseits dazu führten, dass das Hineindenken ins gesamte Antriebssystem ermöglicht werde. Das hat den Effekt, dass sich er Fokus weiter verschiebt. Weg von der einzelnen Komponente hin zur Betrachtung der Effizienz des Gesamtsystems.

ZVEI Zahlen elektrische Antrieb 1. und 2.Quartal 2016, Bild: ZVEI
Um weiterhin am Markt erfolgreich zu sein, muss die Antriebstechnik im ZVEI die neuen Trends treiben und gestalten, forderte Karl-Peter Simon. Bild: ZVEI

Karl-Peter Simon weiter: "Vor allem die Bestimmung der Systemverluste in der Teillast, also wenn der Antrieb nicht mit maximaler Auslastung läuft, wird durch die Norm möglich. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, da Antriebe im Normalfall in Teillast und nicht Volllast betrieben werden. So kann der Energieverbrauch von Antrieben viel genauer als zuvor optimiert werden."

Der Vorsitzende des Fachverbands ist von der Bedeutung des beschriebenen Systemansatzes überzeugt. Als Beleg fasst er die Übername der Norm EN 50598 auf internationaler Ebene als IEC 61800-9 auf.

Darüber hinaus sprach sich Simon in seiner Rede dafür aus, sich für die Vermittlung der Norm einzusetzen. Diese sei, da Normen komplex seien, "kein Selbstläufer". Jedoch, und hierauf wies Simon mit Nachdruck hin hänge die Etablierung wesentlich vom Verständnis und der Akzeptanz beim Anwender ab, weshalb der ZVEI eine Web-Applikation entwickelt habe, um die Inhalte und das Wissen zur Norm zu den Anwendern in der Praxis nahezubringen. Auf diese Weise will man beim Zentralverband die Einführung der Norm für Anwender erleichtern.

Die ZVEI-Webapplikation zur EN 50598

  • Ist ein neutrales, herstellerunabhangiges Berechnungstool zur einfachen, interaktiven Umsetzung der Norm.
  • Mit dem Ziel, die Anwendung der Norm fur die Hersteller elektrischer Antriebstechnik zu erleichtern und die Vorteile für  Komponentenhersteller aufzuzeigen.
  • Die ZVEI-Webapplikation ist online verfügbar, kostenlos nutzbar und ermoglicht die Berechnungen mit realen Herstellerdaten.
  • Mit der Webapplikation kann der Anwender verschiedene Kombinationen von Motoren und Umrichtern zusammenstellen und sich die Verluste beziehungsweise die Energieeffizienzklasse für das System berechnen lassen.