Generationswechsel 1

Ein bereits guter Keilriemen wurde noch einmal verbessert. Von Quad-Power III ist die Rede, der gegenüber dem Vorgängermodell Quad-Power II eine höhere Leistungsübertragung bietet. Das eröffnet dem Entwickler ungeahnte konstruktive Freiräume. Bernd Neubauer, Produktmanager Kraftschlüssige Antriebe der Walther-Flender-Gruppe, skizziert sie.

Sie haben seit kurzem den KeilriemenQuad-Power III im Programm. Wie ist das Geschäft denn angelaufen?
Sehr gut. Wir haben den weiterentwickelten Riemen bereits einer Vielzahl unserer bestehenden Keilriemenkunden vorgestellt und sind hier auf durchweg positive Resonanzen gestoßen. Darüber hinaus konnten wir auch viele neue Kunden beispielsweise aus der Glasbearbeitungsindustrie hinzugewinnen, deren Interesse besonders durch die hohe Temperaturbeständigkeit des Riemens geweckt wurde.

Der Temperaturbereich von -40 bis 110 °C ist für die Keilriementechnik rekordverdächtig. Wie konnten diese Traumwerte erreicht werden?
Hinter den genannten Werten steckt keine Hexerei. Der neue Quad-Power III wird aus EPDM-Gummi (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) hergestellt. EPDM wird bislang vorwiegend in der Kfz-Industrie (Kfz-Erstausrüstung) eingesetzt. Zur Walther-Flender-Gruppe gehört ja auch das Unternehmen Flennor Automotive, das eine breite Produktpalette an Automobilersatzteilen in OEM-Qualität anbietet. Flennor setzt bereits seit längerem auf Keilriemen und Keilrippenriemen in EPDM-Qualität und hat hier sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Werte beziehungsweise die Eigenschaften sind uns also durchaus bekannt, wurden aus Kostengründen bislang jedoch nicht bei Industriekeilriemen verwendet. Es ist mit dem Quad-Power III jetzt erstmals gelungen, die Riemen, trotz EPDM, zu den gleichen Preisen wie Quad-Power II zu offerieren.

Welche besonderen Merkmale – neben der hohen Temperaturbeständigkeit – weist der Riemen gegenüber dem Vorgänger-Modell Quad-Power II auf?
Neben der hohen Temperaturbeständigkeit durch EPDM-Qualität überzeugt der Keilriemen auch durch bis zu 15% höhere Leistungswerte als das Vorgänger-Modell Quad-Power II, was zum Beispiel eine enorme Raumeinsparung bewirkt. Auch die Geräuschentwicklung konnte noch einmal deutlich verringert werden. Der Quad-Power III-Keilriemen ist statisch leitfähig (ISO 1813) und kann demnach unter den in der Atex-Richtlinie 94/9/EC beschriebenen Bedingungen eingesetzt werden. Zudem ist er REACH und RoHS konform. Weitere Vorteile sind die hohe Maßgenauigkeit, die große Laufruhe, die lange Lebensdauer, die verbesserte Beständigkeit gegenüber statischer Alterung und der minimale Riemenspannungsverlust. Insgesamt bietet der neue Quad-Power III-Keilriemen eine Antriebslösung, die die Instandhaltungskosten senkt und gleichzeitig deutlich die Betriebszeit und Produktivität steigert.

Werden Sie den Quad-Power II mittel- bis langfristig betrachtet auslaufen lassen?
Ja. Die Generation Quad-Power II wird auslaufen und durch den Quad-Power III komplett abgelöst. Dies ist zum größten Teil bereits erfolgt, denn immer wenn eine Riementype neu produziert werden musste, wurde diese bereits in der Quad-Power III-Version hergestellt und die alten Bestände des Quad-Power II sind bereits zu einem Großteil abgebaut worden.

Welche Abnehmermärkte sprechen Sie primär mit der neuen Keilriemen-Generation an?
Es werden sich sicherlich mit dem Quad-Power III neue Märkte auftun, schon im Hinblick auf die weitreichende Temperaturbeständigkeit. Allerdings handelt es sich ja beim Quad-Power III nicht um eine komplette Neuentwicklung eines Riemens, sondern ein bereits sehr guter Keilriemen wurde noch einmal verbessert und bietet hierdurch gegenüber dem Vorgängermodell und auch den Wettbewerbsriemen erhebliche Vorteile. Somit können wir nicht nur neuen Märkten, sondern auch den für uns bereits bestehenden Märkten wie beispielsweise dem allgemeinen Maschinenbau den weiterentwickelten Riemen anbieten.

Schildern Sie kurz einen aktuellen konkreten Einsatzfall, bei dem der Anwender auf den neuen flankenoffenen Riemen gesetzt hat.
Wir haben erst kürzlich einen Antrieb für eine sehr große Schleifanlage mit stattlichen 165 kW Leistung konzipiert. In der Version Quad-Power II wären rein rechnerisch 6,5 Riemen notwendig gewesen, um die Leistung zu übertragen. Um die Anforderung an den Mindestsicherheitsfaktor zu erfüllen, hätte jetzt die Anzahl der Riemen auf sieben Stück aufgerundet werden müssen. Der Kunde wollte diesen Antrieb schließlich aus Kostengründen mit Standard-TL-Keilriemenscheiben realisieren, die es jedoch 7-rillig nicht gibt. In diesem Fall hätte man jetzt sogar auf 8-rillige Standardscheiben ausweichen müssen. Durch die höhere Leistungsübertragung des Quad-Power III zu seinem Vorgängermodell Quad-Power II, konnte der Antrieb jetzt sogar mit nur fünf Riemen im Profil XPC realisiert werden.

Welchen Warenkorb an Riemenantrieben bietet aktuell die Walther Flender Gruppe den Konstrukteuren und Entwicklern?
Mit Stolz können wir heute feststellen, dass die Walther-Flender-Gruppe über eines der umfangreichsten Zahnriemenlager in Europa verfügt. Zu unserer Produktpalette gehören auf der einen Seite bewährte Neoprene-, Polyurethan-, Poly-Chain-Zahnriemen sowie Keilrippen- und Keilriemen. Auf der anderen Seite bieten wir unseren Kunden auch immer wieder weiter- und neuentwickelte Riemen – wie beispielsweise den Quad-Power-III-Keilriemen oder den PolyChain-GT-Carbon-Zahnriemen – an. Zudem haben wir für unsere Kunden auch eine Vielzahl von speziellen Riemen im Angebot, die auf konkrete Anwendungen zugeschnitten sind. Zum Beispiel wurde der Trans-Motion-Neoprene- Zahnriemen ganz speziell für den Einsatz in Förderanlagen und der LiftPower-Flachriemen speziell für den Einsatz in Hubanwendungen  entwickelt. Auch unsere Transport- und Förderriemen gibt es mit den unterschiedlichsten Standard- und Sonderbeschichtungen sowie aufmontierten Nocken in verschiedenen Formen. Die Kunststoffriemen runden unser breites Angebot an Riemenantrieben ab. Auch die passenden Zahnscheiben werden ergänzend von uns angefertigt. Neben dem geschilderten umfassenden Standardprogramm bieten wir Produkte an, die vollständig auf die kundenspezifischen Anforderungen abgestimmt sind.

Maschinen- und Anlagenbauer wünschen sich heute vielfach Systemlösungen. Wie sind Sie heute in der Antriebstechnik-Sparte produktspezifisch aufgestellt und inwieweit werden Sie zukünftig noch Erweiterungen vornehmen?
Der Trend geht eindeutig weg vom Standardteil hin zur kompletten Systemlösung. Noch vor 15 Jahren lieferte WF zu 85 % Standardware ab Lager an die Kunden. Mittlerweile hat sich die Zahl umgekehrt und es sind etwa 85 % Sonderlösungen und nur noch 15 % der Lieferungen Standardartikel. Der heutigen Marktbedingung stellen wir uns durch das bereits oben erwähnte Angebot von speziell auf die Anwendung zugeschnittenen Riemenarten und beschäftigen uns selbstverständlich – wie auch der gesamte Maschinen- und Anlagenbau – mit dem Thema Systems Engineering. Dieser Bereich wird bei uns zum Beispiel in Form von Antriebsbaugruppen seit dem Jahr 2000 intensiv ausgebaut. Fertigte man anfänglich noch 40 Antriebbaugruppen, hat sich diese Anzahl bis heute verdreifacht und die Anfrage steigt weiter.  Zudem haben wir vor rund drei Jahren die Produktpalette der mechanischen Antriebstechnik um elektronische Komponenten und Steuerungssysteme erweitert.

Mittlerweile bieten wir mehrere Frequenz-umrichterserien an, die insgesamt Motorleistungen von 0,4 kW bis hin zu 2000 kW abgedecken. Hierzu haben wir zusätzlich zum bestehenden Testlabor für mechanische Antriebskomponenten und Baugruppen ein weiteres Testlabor auf rund 50 m2 eingerichtet. Hierdurch sind wir in der Lage, das Zusammenspiel von Getrieben, Motoren und Frequenzumrichtern zu simulieren und somit den späteren Antriebsstrang zu optimieren. Um unseren Kunden noch mehr Produkte aus einer Hand anzubieten, haben wir im vergangenen Jahr die Unternehmensbereiche Antriebs-, Förder-, Spann- und Lagertechnik zusammengeschlossen, sodass der Kunde nun nur noch einen Ansprechpartner für den gesamten Bereich „Antreiben – Fördern – Bewegen“ hat und so Systemlösungen noch leichter realisiert werden können. Dies werden wir intensiv weiterführen.