Interview mit Dr. Günther Vogt, AMK: "Kabel und Stecker sparen!" 1

Ob Servomotoren, intelligente Servoumrichter, Steuerungen, Kompressoren, Lenkhilfeantriebe oder Getriebemotoren – das Portfolio von AMK ist groß. Die Redaktion von ke NEXT war vor Ort in Kirchheim unter Teck, um nach Neuheiten zu fragen.

Herr Dr. Vogt, zunächst vielleicht ein paar Worte zu Ihrer Person. Woher kommen Sie und wie sind Sie zu AMK gekommen?
Ich bin im Schwarzwald geboren und habe dann nach einer Lehre in Stuttgart das Abitur nachgeholt. Dort habe ich dann an der Uni – damals hieß sie noch Technische Hochschule – Elektrotechnik studiert. Und anschließend am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen promoviert. Nach einem kurzen Umweg bin ich mit Herrn Müller zusammengekommen und habe 1983 bei AMK begonnen. Dort war ich zunächst technischer Leiter und bin seit 2000 Geschäftsführer.

Womit beschäftigt sich das Unternehmen AMK vorwiegend?
Die AMK-Gruppe hat heute vier Standbeine, wobei sich grob gesagt drei davon in der Automatisierungstechnik bewegen und ein Zweig ist der Automotivebereich. Den gibt es seit 1998 und da geht es um Kompressoren und Lenkhilfemotoren für Fahrzeuge. Das ist eine Volumenproduktion im Hunderttausenderbereich. In der Automatisierungstechnik haben wir die elektrische Antriebs- und Steuerungstechnik, das ursprüngliche Kerngeschäft von AMK, für das ich mit verantwortlich bin. Dann gibt es den Bereich Handling und Automation sowie den Bereich Getriebemotoren. Den haben wir seit der Übernahme der Firma Tornado Antriebstechnik in Berlin 1996. Wir sind nach wie vor ein Familienunternehmen mit einer Holding, deren Anteile in der Familie liegen. Der Gründer Arnold Müller ist heute nicht mehr operativ tätig. Sein Sohn Eberhard Müller führt heute als Geschäftsführer die Gruppe.

Wie sind die Pläne? Wollen Sie weiter wachsen?
Unser Umsatz liegt zu etwa 60 Prozent in der Automatisierung und zu 40 Prozent bei Automotive. Und wir wollen das auch so halten. Wir liegen bei knapp 800 Mitarbeitern heute, etwa 54 Prozent sind in der Produktion und etwa 16 Prozent in Forschung und Entwicklung. Wir haben eine kontinuierlich steigende Umsatzentwicklung. Natürlich hatten wir 2009 auch einen Einbruch. Aber das war im Branchenvergleich eher glimpflich. In der Antriebs- und Steuerungstechnik hatten wir gerade mal 12 Prozent Minus. In der Gesamtgruppe allerdings war es etwas schlechter, weil der Automotivebereich stark eingebrochen ist. Aber das haben wir mittlerweile alles schon mehr als wettgemacht.

Was sind heute die großen Stärken von AMK? Was können Sie besser als andere?
Zum Beispiel die Baugröße. Unsere Wechselrichter sind bei gleicher Leistung teilweise ein Drittel so groß wie die des Wettbewerbs. Oder unsere Engineeringtools. Wir sind der Meinung, dass wir in Bezug auf die Konfiguration von Anlagen eines der besten Tools haben, die es weltweit gibt.

„Unsere Wechselrichter sind bei gleicher Leistung teilweise ein Drittel so groß wie die des Wettbewerbs.“ Dr. Günther Vogt, AMK, promovierte in Stuttgart am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen. Seit 1983 ist er bei AMK, zunächst als technischer Leiter, seit 2000 als Geschäftsführer.

Wir haben viele Interessenten, die kennen ein Wettbewerbsprodukt und sind erst mal der Meinung: das ist gut. Aber wenn sie dann unseres gesehen haben, wenn sie sehen, wie einfach das bei uns geht, eine Anlage mit zehn Motoren ans Laufen zu bekommen, dann sind sie überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Toll ist auch unsere Visualisierung mittels „Qt“. Da gibt es enorm viele vorgefertigte Bibliotheken. Man kann es auch mit Windows benutzen, aber es ist konzipiert worden für Linux. Es ist lizenzfrei, es bringt eine super Oberfläche mit, es ist einfach und gut zu programmieren. Die Möglichkeit, eine Visualisierung zu erstellen, bei der mit iPhone und iPad zusammengearbeitet werden kann – die bekommen Sie hier quasi gratis.

Vielleicht ein Blick in die Zukunft: Wo geht es hin, wie geht es technologisch weiter?
Auf der mechanischen Seite wird die Integration der Antriebe in das Maschinendesign weiter voranschreiten. Mechanische Übertragungselemente wie Getriebe, Riemen oder Kupplungen werden durch Direktantriebe ersetzt. Dadurch erhöht sich die Genauigkeit und Dynamik, Maschinen werden zuverlässiger und geräuschärmer. Auf der elektrischen hängt vieles von der generellen technischen Entwicklung ab. Die Ideen für viele der Lösungen, die heute neu auf den Markt kommen, gab es ja schon lange. Allein, es hat noch nicht die Randbedingungen und Möglichkeiten dafür gegeben. Wenn ich zurückdenke an unsere Anfangszeit in der Umrichtertechnik – das war alles extrem bestimmt durch die Fortentwicklung in der Halbleitertechnologie. Ein Umrichter mit 100 kW hat früher einen Schaltschrank gebraucht und heute ist das ein kleines Kästchen. Die Miniaturisierung der Leistungselektronik ist schon toll.

Allerdings wird an der Stelle jetzt nicht mehr so viel kommen. Deshalb werden in Zukunft andere Themen im Zentrum der Entwicklung stehen, zum Beispiel die Kos ten von Verkabelungen und Steckverbindungen. Das ist in den Köpfen heute schon ein stückweit drin. Man wird versuchen mit weniger Kabel, mit weniger Steckverbindern auszukommen. Das bedeutet auch weniger Schaltschrank, vielleicht sogar gar kein Schaltschrank. All das wird begünstigt durch dezentrale Technologien. Dazu gehört auch, dass man die Kommunikation nicht mehr über ein separates Kabel fährt, das wird kommen, da bin ich ganz sicher. Momentan ist es immer ein Spagat zwischen Kosten und Nutzen. Dadurch, dass sich auf der Ebene Kommunikationstechnik aber sehr viel tut, wird man hier schon Wege finden, die bestehenden Probleme zu lösen.

Welche Neuheiten dürfen wir von Ihnen auf der Hannover Messe erwarten?
Unsere kompakte dezentrale Produktreihe Amkasmart wird um die dezentralen Servoumrichter iC erweitert. Das System besteht aus Servoregler mit Einspeisung. Der Amkasmart iC ist ein kompaktes Gerät zur Regelung von Servomotoren bis 10 kW Spitzenleistung. Das Gerät beinhaltet bereits die Einspeisung mit 3 x 400 VAC, Netzfilter, Bremschopper und das 24-VDC-Netzteil. Je nach Leistungsanforderung kommen unterschiedliche Kühlkonzepte zum Einsatz, Konvektionskühlung, integrierter Lüfter oder Coldplatemontage. Damit stehen dem Maschinenbauer genau die richtigen Produkte zur Verfügung, um modulare Maschinenkonzepte zu realisieren. Wir sind in Hannover übrigens in Halle 15, Stand D08.

Firmengeschichte AMK: Innovation aus Tradition
Im Jahre 1963 begann Arnold Müller mit der eigenen Entwicklung und Produktion von Einbau- und Sondermotoren. Von Anfang an galt sein Interesse spezifischen Problemlösungen, die man auf dem Markt bis dahin noch nicht kannte. „Geht nicht“, gab es für den Pionier aus Kirchheim nicht, denn er teilte die Ansicht des berühmten Albert Einstein: „Alles Denkbare ist machbar“. 1967 baute AMK den weltweit ersten elektronisch stufenlos regelbaren Drehstrom-Kurzschlussläufermotor. Wurden bis dato feste Drehzahlen über Keilriemen und mechanische Getriebe geregelt, ermöglichte diese Innovation erstmals ein universelles, flexibles Arbeiten mit der für verschiedene Werkstoffe und Werkzeuge passenden Drehzahl. 1983 brachte AMK als erste Firma die digitale Drehstrom-Antriebstechnik zur Serienreife, eine Technik, die mittlerweile zum Weltstandard geworden ist. Und heute gilt: Ob Luftkompressoren, Lenkhilfeantrieb, Getriebemotoren, AC-Servo- und Hauptantriebe oder intelligente Motion Control Systeme: In jedem Produkt steckt auch ein Stück Pioniergeist von Arnold Müller.

Autor Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur