Interview mit Erich Sendelbach, Primacon 1

Interview mit Erich Sendelbach, Primacon : Mikro bis Midi

Autor : Franz Graf, Chefredakteur

Zur Geschäftsphilosophie der Firma Primacon Maschinenbau gehört die Erkenntnis:
„Ein Geschäft ist nur dann gut, wenn alle Beteiligten damit zufrieden sein können.“
Wie Geschäftsführer Erich Sendelbach diese Devise mit Leben füllt, skizziert das Portrait.

antriebspraxis: Stellen Sie bitte das Unternehmen Primacon Maschinenbau kurz vor.
Unsere Firma wurde 1995 gegründet. Da waren wir 14 Mitarbeiter, die die Firma gemeinsam gegründet haben – jeder zu gleichen Teilen. Zu jener Zeit war es modern, dass neugegründete Firmen nur aus drei Buchstaben bestanden. Wir haben uns für einen gut auszusprechenden Namen entschieden und so ist Primacon entstanden. Nebenbei bemerkt: der Name steht für Präzision, Innovative Maschinen und Conzepte. Im Grunde genommen haben wir als Dienstleister für Rapid Prototyping begonnen und sind durch Zufall zu einem Auftrag gekommen, der auch den Bau der entsprechenden Maschine beinhaltete. Ich kann nur betonen: wir haben wirklich klein angefangen und waren alle blutjung. Das Durchschnittsalter lag bei 28, da war mein Vater als Geschäftsführer mit Abstand der Älteste. Wir haben im Prinzip alle als Aufwandsentschädigung einen Lohn bekommen, aber gearbeitet hat jeder bis zum Umfallen. Im Laufe der Jahre konnten wir uns schließlich Stück für Stück weiter entwickeln.

post_image_44201_1.jpg “Unser Hauptaugenmerk gilt nicht der Konkurrenz, sondern den Kunden.”


Erich Sendelbach, Primacon

Richtig durchgestartet sind wir dann eigentlich erst etwa zehn Jahre nach der Firmengründung. Grundsätzlich ist es so, dass unser Schwerpunkt im Engineering liegt. Also alles, was wir bauen, wird auch bei uns entwickelt, um die Kundennähe beizubehalten. Unser Leitfaden ist: hohe Qualität mit hoher Präzision in die Maschinen zu bringen. Das ist eigentlich unsere Nische. Zu unserer Geschäftsphilosophie gehört: Ein Geschäft ist nur dann gut, wenn alle Beteiligten damit zufrieden sein können. Unsere Gründungsidee war und die gilt im Grunde genommen auch noch heute: Mikro bis Midi. Also Teile, die man in die Hand nehmen kann – nicht größer. Das fängt an bei Teilen, die man nur mit der Lupe richtig anschauen kann und reicht eben bis handgroße Komponenten.

Um´s so zusammenzufassen: Die Primacon Maschinenbau GmbH mit Sitz in Peißenberg ist heute ein renommiertes Unternehmen, das sowohl national als auch international zur Elite im Präzisions-Werkzeugmaschinenbau gehört. Wir haben uns durch kontinuierliche Innovationen und Konzepte in die Oberklasse der Mikropräzisions-Bearbeitungszentren gespielt. Das Geschäftsziel sind die Entwicklung, Produktion und Vertrieb hochpräziser CNC-gesteuerter Mikropräzisions-Fräsmaschinen und kompakter Bearbeitungszentren für Kleinteile mit Genauigkeitsanforderungen von 0,001 mm. Für weitreichende Anwendungsfelder aus dem Werkzeug- und Formenbau, der Uhren- und Schmuckindustrie sowie der Medizin- und Dentaltechnik entwickeln wir Lösungen, die höchste Genauigkeitsanforderungen erfüllen. Dahinter stehen heute rund 40 Beschäftigte.

antriebspraxis: Womit hat sich Erich Sendelbach vor der Firmengründung beschäftigt?
Ich habe in München Maschinenbau studiert. Dadurch, dass mein Vater früher ein Ingenieurbüro betrieben hatte, war ich allerdings schon im Alter von etwa 14, 15 Jahren mit dem Thema Mikrotechnik konfrontiert worden. Dementsprechend habe ich dann auch mein Studium darauf abgestimmt. So gesehen habe ich im Prinzip aus dem Studium heraus die Firma mit gegründet.

antriebspraxis: In dem Zeitraum von der Firmengründung bis heute gab es sicherlich Höhen und Tiefen. Welche sind davon in Erinnerung geblieben?
post_image_44201_2.jpgEin tolles Jahr war 2009. In dem Jahr haben wir uns von angemieteten Räumen verabschiedet und unser neues, eigenes Gebäude bezogen. Mit dem Einzug in das neue Gebäude hat mein Vater seinen Altersruhestand angetreten und ich bin damit zum alleinigen Geschäftsführer berufen worden. Unmittelbar darauf habe ich mein erstes richtiges Negativerlebnis gehabt: 2009 als alleiniger Chef diesen heftigen Einbruch erleben zu müssen. Losgelöst davon: positive Themen gibt es viele. Mit einem unserer Kunden konnten wir innerhalb von drei Jahren jeweils eine Umsatzverdoppelung realisieren. Das war natürlich für uns eine unglaubliche Bereicherung. Da haben wir auch viel organisatorisch optimieren können. Was mir auch richtig viel Spaß macht, sind neue Projekte. Ich komme nun mal aus der Entwicklungswelt. Ich bin Entwickler mit Leib und Seele. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir ein stark technologisch getriebenes Unternehmen sind – und auch als solches wahrgenommen werden. Ich darf daran erinnern: Technologen und Kaufmänner sind bekanntermaßen meistens Feinde. Und die zwei Erzfeinde muss ich in mir vereinen.

antriebspraxis: Hier kurz eingeflochten: Wie waren Sie als Aussteller mit der letzten EMO zufrieden?
Wenn wir gerade über positive Dinge sprechen, passt die EMO 2011 ganz gut hierher. Die Messe war mit einem positiven Impuls verbunden, der uns unglaublich gefreut hat. Wir waren bis dato noch nie mit dem Thema Neukontakt und Verkauf auf einer Messe konfrontiert worden. In Hannover war es erstmalig so, und zwei Tage später war der Vertragsabschluss mit einem stattlichen Volumen unter Dach und Fach.

antriebspraxis: Wenn Sie die letzten Jahre Revue passieren lassen – worauf sind Sie als Geschäftsführer besonders stolz?
Besonders stolz bin ich eigentlich darauf, dass wir über all die Jahre hinweg ein gesundes Wachstum verdauen durften. Wir haben jedes Jahr – bis auf die Krisenjahre 2003 und 2009 – ein kontinuierliches Wachstum hingelegt. Und auch die Entwicklung der Firma selbst – ob nun in organisatorischer oder struktureller Hinsicht – ist immer positiv gewesen.

antriebspraxis: Mikropräzision ist ihr Markenzeichen. Was muss der Kunde für Qualität und Präzision ausgeben?
Da muss man unterscheiden: Wir haben Maschinen – wenn wir als OEM-Dienstleister auftreten – die beginnen bei rund 60.000 Euro. Und wenn wir als Primacon auftreten, können die sehr hochwertigen Anlagen schon rund 120.000 Euro kosten. In Verbindung mit einer Automatisierungsanlage und Roboterstraße kann das Ganze auch schon mal die Millionengrenze überschreiten.


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“Wir spielen in der Oberklasse der Mikropräzisions-Bearbeitungszentren. So gesehen ist Mikropräzision unser Markenzeichen.”


Erich Sendelbach,
Primacon

antriebspraxis: An welchen aktuellen Projekten arbeitet Ihr Team derzeit?
Grundsätzlich stehen bei uns Sonderentwicklungen im Mittelpunkt, darüber hinaus individualisieren wir aber auch kundenspezifisch unsere Standardmaschinen mit entsprechenden Automatisierungslösungen. Aktuell arbeiten wir an einem ganz interessanten Projekt, bei dem es um das Thema mobile GFK- oder CFK-Reparatur geht. Da geht es im Prinzip darum, Beschädigungen an Carbonteilen, wie sie beispielsweise im Flugzeugbau oder im Automobilbereich vorkommen, zu beseitigen. Sie können mir glauben, das ist ein anspruchsvolles Aufgabenprofil. Die Idee ist, vereinfacht ausgedrückt, dass man eine Maschine an das Bauteil anbringt, die Oberflächen einscannt, Daten auswählt, entsprechende Konturen in das GFK-Material einfräst und schließlich Reparaturpatches an der entsprechenden Stelle aufbringt. Das ist ein unglaublich interessantes Projekt. Und ein Fallbeispiel für unsere Nischenaktivitäten. Da steht auch ein konkreter Auftraggeber dahinter.

antriebspraxis: Gibt es charakteristische Merkmale bei Primacon-Maschinen, die sich von Wettbewerbsprodukten unterscheiden?
Das ist eine schwierige Frage, denn speziell im Werkzeugmaschinenbau gibt es eigentlich nichts, was es nicht schon gibt. Was charakteristisch für uns ist, dass wir mit sehr hochwertigen Werkstoffen arbeiten und die Integrationsdichte der Maschine extrem hoch ist – denn schließlich wollen wir kleine Anlagen bauen. Ich möchte der Frage aber nicht ausweichen und so beantworten: Unser Hauptaugenmerk gilt nicht der Konkurrenz, sondern den Kunden. Ich bin nicht so erpicht darauf zu wissen, wie ein anderer Maschinenbauer bestimmte Aufgabenstellungen löst. Mich interessiert wesentlich mehr, was der Kunde tatsächlich braucht. Elementar ist mir dabei, dass wir die Maschinen möglichst in einen hohen Zuverlässigkeitsgrad bringen. Der Anwender kauft sich eine Maschine um Geld zu verdienen, und nicht um uns glücklich zu machen.

antriebspraxis: Was bereitet Ihnen als Geschäftsführer einer Maschinenbaufirma derzeit am meisten Kopfzerbrechen?
Die Veränderung der Wirtschaftszyklen. Die Zeiten scheinen sich dramatisch zu verändern. Und das macht das Ganze schon sehr spannend. Dieses stakkatoartige Bremsen und wieder Starten ist ein schwieriger Drahtseilakt. Das ist schon etwas, was mir wirklich ernsthaft Sorgen bereitet. Denn wenn ich zurück denke an die Situation bei uns an Weihnachten 2008. Das war wie eine Hirnwäsche. Da tröstet man sich dann auch nicht damit, dass es anderen Unternehmen zu diesem Zeitpunkt auch schlecht ging.

post_image_44201_4.jpgantriebspraxis: Wenn Sie bezüglich Ihrer Abnehmer einen Wunsch frei hätten – welchen hätten Sie?
Dass unsere Abnehmer mit unseren Maschinen zufrieden sind und damit gut arbeiten können.

antriebspraxis: Welchen Stellenwert nehmen Patente ein?
Das Thema nimmt bei uns einen ganz niedrigen Stellenwert ein. Fakt ist: Patente sind eine sehr kostenintensive Angelegenheit. Und im Maschinenbau vollkommen neue Sachen zu erfinden, anzumelden und auch durchzusetzen – das ist eher etwas für große Unternehmen. Da richten wir uns eher nach der Devise: der Schnelle frisst den Langsamen und halten uns dementsprechend mit der Veröffentlichung von interessanten konstruktiven Details zurück.

antriebspraxis: Zurück zu Ihrer eingangs erwähnten Firmenphilosophie: Ein Geschäft ist nur dann gut, wenn alle Beteiligten damit zufrieden sein können. Haben Sie dafür ein aktuelles Fallbeispiel parat?
Der Spruch rekrutiert sich aus der Absichtserklärung, dass wir mit ehrlichen und fairen Preisen arbeiten und damit dem Kunden einen bestmöglichen Nutzen geben. Und wenn der Kunde mit der Maschine zufrieden ist, dann kommt er auch wieder. Es gibt nichts Schlimmeres als unzufriedene Kunden. Ich möchte einem Kunden mit Ehrlichkeit begegnen, so dass schließlich auch für beide Seiten eine Win-Win-Funktion entsteht. Es liegt uns nichts ferner als einen Kunden über den Tisch zu ziehen. Ich möchte es an der Stelle besonders betonen: Wir legen keinen Wert auf ein einmaliges Geschäft.

antriebspraxis: Was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung des Unternehmens in den nächsten Jahren?
Wachstum ist eigentlich fast selbstverständlich. Was ich mir für die Weiterentwicklung wünsche ist, dass wir auch zukünftig technologisch in der Entwicklung ganz vorne mit dabei sind. Und nicht zu vergessen: Für mich ist die Qualifikation der Mitarbeiter ein ganz wichtiges Thema der nächsten Jahre.


Persönliches gefragt :


Was wollten Sie werden als Sie noch Kind waren?
Das gleiche wie der Papa: ein begeisterter Entwickler!

Welches Auto fahren Sie und warum?
Momentan fahre ich einen VW-Bus, weil ich eine Familie habe und die Hobbys wie Fahrradfahren oder Ausflüge machen Platz brauchen.

Wovor haben Sie Angst?
Angst vor Krankheit. Das kann man sich als gesunder Mensch meist nur schwer vorstellen. Und die Sorge, dass es der Familie einmal nicht gutgehen könnte.

Ihre größte Aufgabe in den nächsten zwölf Monaten?
Die Visionen und Ziele des Unternehmens neu auszutarieren.

Sie werden unvorstellbar reich – was tun Sie?
Einen Geschäftsführer einstellen und wieder selbst entwickeln.

Was nervt Sie an Ihrem Job am meisten?
Dass man als Geschäftsführer mit vielen Problemen konfrontiert wird – ob man will oder nicht. Am meisten an meinem Job freut mich aber, dass man viel bewegen kann.

Welches Talent hätten Sie gerne?
Techniker sind in der Regel wortkarge Menschen. Denen fehlt manchmal das Einfühlungsvermögen, Leute miteinander zu verbinden und zu motivieren. Das möchte ich gerne besser können.

Was bewundern Sie an der Konkurrenz?
Mich fasziniert grundsätzlich: Ideen, die wahnsinnig einfach und effektiv sind.

Was darf man Ihnen auf gar keinen Fall zum Geburtstag schenken?
Ich freue mich über jedes Geschenk.