Kipper, Bagger und Raupen für Tagebau und andere Großbaustellen 1

Es ist der Tagebau, der die größten mobilen Maschinen der Menschheit hervorbringt. Sie faszinieren uns. Vielleicht, weil sie uns an unsere Kindheit erinnern. An eine Zeit, in der das Rad eines Baggers viel größer war als wir selbst. Ein Streifzug.

Der Scheitel eines Erwachsenen reicht nicht bis an die Radnabe, das ganze Gefährt ist größer als ein Einfamilienhaus. Wenn auf einer Fachmesse wie der Bauma ein T 282 auf dem Freigelände steht, dann kann man sehen, wie ausgewachsene Männer wieder zu Kindern werden – nicht nur optisch. Denn neben der Tatsache, dass sie sich winzig ausnehmen neben dem größten Muldenkipper der Welt, nein, in ihren Augen steht auch jener Glanz, der einige Jahrzehnte vorher das ungläubige Staunen der Entdeckung der Welt begleitet hat.

Schon in den vergangenen Jahren hatte die Firma Liebherr den weltweit größten und nach Herstellerangaben auch effizientesten Muldenkipper produziert – den T 282 B. Dieser Kipper vereinte hohe Produktivität mit geringem Kraftstoffverbrauch, was bei Liebherr für zunehmenden Auftragseingang sorgte und dem Unternehmen einen guten Ruf für geringe Förderkosten bescherte.

Noch ein Großgerät aus dem Hause Liebherr: Mit 3000 Tonnen maximaler Traglast bei zwölf Meter Ausladung erschließt der LR 13000 eine neue Größendimension für Raupenkrane konventioneller Bauart. Der wichtigste Einsatzbereich für den neuen LR 13000 werden Kraftwerksbau und Raffinerien sein.

 

Doch in diesem Zeitraum wurden auch viele Erfahrungen gesammelt und daraus Konstruktionsverbesserungen realisiert. Die zuletzt durchgeführten Maßnahmen waren dabei so eingreifend, dass der Muldenkipper im vorigen Jahr von T 282 B in T 282 C umbenannt wurde. Wichtige Neuerungen waren der Gussrahmen, das Achsgehäuse und die Fahrerkabine sowie ein von Liebherr komplett selbst entwickeltes und produziertes Antriebssystem. Bei einem Leergewicht von 237 Tonnen kann der T 282 C eine Nutzlast von bis zu 363 Tonnen bewegen. Der T 282 C kann mit den Motoren MTU DD 20V4000 (20 Zylinder / 2800 kW / 3755 PS) oder Cummins QSK 78 (18 Zylinder / 2610 kW / 3500 PS) ausgestattet werden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 64 km/h.

Noch mehr als in anderen Branchen zählt im Mining die absolute Produktionskapazität. Das Prinzip „größer ist mehr“ führt im Tagebau zu immer größeren und dadurch auch effizienteren Förder- und Ladegeräten. Der Hersteller ist überzeugt: Der neue Rahmen des T 282 C, sein Achsgehäuse, die komfortable Fahrerkabine, das IGBT-Wechselstrom-Antriebssystem und die „Load-Management“-Philosophie steigern die Leistung und bieten zudem eine höhere konstruktionsgestützte Verfügbarkeit.

Erhöhte Fertigungstiefe

Das beim T 282 C nochmals verstärkte Konzept einer hohen Fertigungstiefe umfasst eigene Kipperkomponenten, die speziell für die Anforderungen der Miningindustrie entwickelt wurden. Da sämtliche Komponenten des Antriebssystems aus liebherr-eigener Entwicklung und Fertigung stammen, wurden konstruktive Lösungen geschaffen, die den bestmöglichen Betrieb des Großgerätes auch in extremen Höhenlagen unter hohen Umgebungstemperaturen und anderen erschwerten Bedingungen der Mining-Industrie sicherstellen. Damit gehören die Liebherr-Geräte zu den schnellsten und produktivsten Fahrzeugen ihrer Art auf dem Markt.

Das größte und zugleich eines der wichtigsten Konstrukti-onselemente jedes Muldenkippers ist der Fahrzeugrahmen. Darauf sind die Mulde, der Aufbau und das Antriebsaggregat des Kippers montiert. Beim neuartigen Rahmen des T 282 C kommen Guss­teile nur in stark belasteten Bereichen zur Anwendung. Im Gegensatz zu Wettbewerbsgeräten, deren Rahmen hauptsächlich aus Gussstahl gefertigt sind, weist der Rahmen des T 282 C Guss lediglich dort auf, wo dieser Werkstoff funktional unerlässlich ist. Damit wird das Fahrzeugleergewicht möglichst gering gehalten, um die Nutzlast und schließlich das Produktionspotenzial zu maximieren. Dieses Konstruktionsprinzip entspricht der Philosophie von Liebherr, mit dem geringstmöglichen Fahrzeugleergewicht die Nutzlast zu optimieren und die Förderkosten zu minimieren. Durch die Beseitigung sämtlicher Spannungskonzentrationen, das geringere Gewicht des Fahrgestells und der Vermeidung von Kompromissen für die Lebensdauer der Werksstoffe soll die Konstruktion des T 282 C zu einer besonders hohen Verfügbarkeit führen.

Zusätzlich zum neuen Rahmen erhielt der neue Muldenkipper auch ein völlig umgestaltetes Achsgehäuse. Das neue Achsgehäuse verfügt über zwei Wartungsklappen, eine verbesserte Kabelführung, vertikale Kopplungen und bietet einen stärkeren Luftstrom im Bereich der elektrischen Antriebsmotoren und Betriebsbremsen. Mit der besseren Zugänglichkeit für Wartungsvorgänge und dem stärkeren Luftstrom wurde das Achsgehäuse des T 282 C insbesondere für den Einsatz des Fahrzeugs in Höhenlagen und unter hohen Umgebungstemperaturen angepasst.

Größenvergleich: Das Vorgängermodell T 282 B auf der Bauma 2004 in München.

Hybridantrieb im Großlaster

In einem Muldenkipper der Ultraklasse kommt dem Arbeits-bereich des Fahrers eine besondere Bedeutung zu. Täglich bis zu zwölf Stunden ist die Kabine der Arbeitsplatz des Fahrers. Eine ergonomisch optimierte und klimatisch stabile Umgebung tragen zum Stressabbau und höherer Konzentrationsfähigkeit bei, wodurch Sicherheit und Arbeitsleistung verbessert werden. Deshalb wurde die Kabine des T 282 C noch fahrerfreundlicher gestaltet. Zu den Neuerungen in der Kabine zählt das neue Display am Armaturenbrett sowie ein integrierter 12-Zoll-Farbtouchscreen für sämtliche Alarmsignale, Fehlermeldungen, Warnungen, Kameras und sonstige Kontrollfunktionen. Als weitere Komfortmerkmale bietet die Kabine nun zusätzliche Düsen für die Luftzirkulation, einen breiteren Innenraum, Dreipunktsicherheitsgurte und einen größeren Doppel-Getränkehalter.

Technischen Fortschritt bietet auch das neue Liebherr-Antriebssystem mit IGBT-Frequenzumrichtern, das als wesentliches Element der angestrebten hohen Fertigungstiefe vollständig im eigenen Haus entwickelt und gefertigt wird. Die flüssigkeitsgekühlten IGBT-Leistungsmodule führen zusammen mit der Liebherr-Regelung zu einer sinnvollen Ansteuerung der Fahrmotoren. Die Frequenzumrichter für die Nebenantriebe werden bei entsprechenden Fahrsituationen aus der Bremsenergie gespeist. Das neue System umfasst auch die selbst entwickelten Radmotoren und Planetengetriebe. Insgesamt ist gewährleistet, dass der Dieselmotor von der Fahrgeschwindigkeit unabhängig und somit verbrauchsoptimiert betrieben wird. Maßgeblich ist ausschließlich die aktuell benötigte Leistung.

800 Tonnen Gewicht, 4000 PS und 75 Tonnen Gestein mit einem Hub: Der R 9800 gilt als größter Tieflöffel-Mining-Bagger der Welt.

Der große Bagger für den großen Kipper

Natürlich braucht es für so einen großen Muldenkipper einen ganz besonders großen Bagger. Und auch den bietet Liebherr an, mit seiner Baureihe R 9800. Die Maschine gilt als der weltgrößte Tieflöffel-Mining-Bagger. Dessen erstes Seriengerät kam beim Peabody’s Burton Coal Project in Zentral-Queensland, Australien, zum Einsatz. Die jahrelange Erfahrung von Liebherr im Entwurf, Bau und in der Betreuung von Großhydraulikbaggern für den Miningbereich kam mit dieser Neuentwicklung in der ultraschweren 800-t-Klasse zur Geltung. Bei der Entwicklung arbeitete Liebherr eng mit den Praxisexperten von Theiss in Australien zusammen. Die hohe Leistung des R 9800 beruht auf der Anwendung neuester Technologien und der langjährigen Erfahrung von Liebherr im Bereich des Antriebsstrangs und der Hydraulik- und Steuerungssysteme, aber auch auf dem Einsatz neuer Techniken in den Hauptbereichen der Stahlkonstruktion. Dadurch kann der R 9800 mit einer Nennkapazität von 42 m³ als Tieflöffelgerät und 42,7 m³ mit Ladeschaufel betrieben werden. Praktische Prüfungen bei Theiss an der Burton Mine ergaben Taktzeiten unter 29 Sekunden und Schaufelinhalte bis zu 75 Tonnen pro Ladebewegung.

Der R 9800 wird mit einem 45-m³-Hochleistungstieflöffel betrieben, der den spezifischen Bodenverhältnissen bei Burton gerecht wird. Mit dieser Ausstattung ist der Großbagger in der Lage, Muldenkipper wie den T 282 C in fünf Arbeitszyklen zu beladen. Der an der Burton Mine eingesetzte R 9800 wird von zwei Cummins QSK 60-Dieselmotoren mit je 1492 kW / 2000 PS Leistung angetrieben. Diese Motoren entsprechen dem Tier-2-Emissionsstandard. Weitere Maßnahmen zur Optimierung der Kraftstoffzufuhr sind geplant. Zukünftig wird Liebherr auch Ausführungen mit MTU-Motor sowie mit Elektroantrieb anbieten.

Die Reiß- und Ausbrechkraftwerte wurden für das bestmögliche Eindringverhalten optimiert. Seine spezifischen Eindringkräfte sind die höchsten, die derzeit in der Ultragroßbagger-Kategorie erreichbar sind. In Zusammenhang mit der hohen Leistung des Hydrauliksystems ist dies die Grundlage für einen optimalen Löffelfüllfaktor mit kurzen Taktzeiten.

Während der Entwicklung des Großbaggers wurde dem Ge-samtwirkungsgrad große Aufmerksamkeit geschenkt. Reduzierter Energieverbrauch in den Nebenarbeitskreisen, größere Durchmesser der Hydraulikleitungen und -schläuche sowie der höchste Arbeitsdruck in dieser Gerätekategorie machen aus dem R 9800 auch einen der effizientesten Hydraulik-Miningbagger.

Ergonomie und Wartung

Bedienungs- und Wartungspersonal werden mit dem R 9800 ausgezeichnete Arbeitsbedingungen vorfinden. In der Konstruktion des Baggers sind die neuesten Ergonomie- und Sicherheitsgrundsätze berücksichtigt worden. Die Kabine, großzügig in den Abmessungen und geräuscharm, gewährt den bestmöglichen Überblick auf den Arbeitsbereich. Die Konzeption des R 9800 zielt auf kürzere Stillstandszeiten durch ergonomisch effektive, sichere Wartungsmaßnahmen und schnellen, bequemen Zugang zu den Inspektionsstellen. Hinter der Wartungsklappe lassen sich alle Betriebsmittel leicht und ohne Zeitverlust einfüllen oder austauschen. Mit verlängerten Wartungsintervallen von bis zu 1000 SMU-Einheiten schafft der R 9800 von Liebherr eine ausgezeichnete Ausgangsposition für eine hohe Arbeitsleistung.

Und unabhängig von allen technischen oder ergonomischen Daten: Die größten Baumaschinen der Welt haben eine besondere Ausstrahlung. Es ist die Faszination, dass Menschen überhaupt derart große fahrbare Geräte bauen und beherrschen können.

Autor: Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur

 

Baggerfahren

Jede Menge Spaß hat man beim Erlebnis, einen echten Bagger fahren zu dürfen. Dabei ist es gar nicht so schwer, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Auch schon für kleines Geld kann man einen dieser Stahlkolosse mieten und selbst baggern. Angebote gibt es für Groß und Klein.

Buchen lässt sich der Spaß bei zahlreichen Event-Agenturen wie Mydays, Meventi, Yamando, Jochen Schweizer, Jollydays, Spassbaron und etlichen anderen. Einen guten Überblick findet man zum Beispiel auf der Seite Fahr-Abenteuer.

Info: www.fahrabenteuer.de/blog/bagger-fahren/

 

Der Hersteller – Liebherr

Das Familienunternehmen Liebherr wurde im Jahr 1949 von Hans Liebherr gegründet. Der große Erfolg des ersten mobilen, leicht montierbaren und preisgünstigen Turmdrehkrans bildete das Fundament des Unternehmens. Heute zählt Liebherr nicht nur zu den größten Baumaschinenherstellern der Welt, sondern ist auch auf vielen anderen Gebieten als Anbieter technisch anspruchsvoller, nutzenorientierter Produkte und Dienstleistungen anerkannt. Inzwischen ist das Unternehmen zu einer Firmengruppe mit 32.979 Beschäftigten (Ende 2010) in über 120 Gesellschaften auf allen Kontinenten angewachsen.

Der Jahresumsatz lag 2010 bei etwa 7,5 Milliarden Euro. Die dezentral organisierte Firmengruppe ist in überschaubare, selbständig operierende Unternehmenseinheiten gegliedert. Die Fertigungs- und Vertriebsgesellschaften einzelner Produktsegmente sind jeweils der operativen Führung von Spartenobergesellschaften zugeordnet. Dachgesellschaft der Firmengruppe ist die Liebherr-International AG in Bulle/Schweiz deren Inhaber ausschließlich Mitglieder der Familie Liebherr sind. Das Familienunternehmen wird in der zweiten Generation von den Geschwistern Isolde Liebherr und Willi Liebherr gemeinsam geleitet.

Kontakt: www.liebherr.com