Berg- und Talbahn der Adlerschanze, Bild: Wiegand

Die Berg- und Talbahn der Adlerschanze in Hinterzarten ist eine moderne Zugseil-Lösung, bei der ein Zug aus vier gekoppelten Wagen bis zu 24 Passagiere mit einem Tempo von bis zu 2,4 Metern pro Sekunde eine Höhendifferenz von 80 Metern erklimmen lässt. Bild: Wiegand

Dabei machte es das Bremsensteuerungs- und Überwachungssystem BCS 600 zum Dreh- und Angelpunkt des Sicherheitskonzepts seiner schienengeführten Wagenzug-Anlage. Die besondere Herausforderung: In Seilbahnen und Sesselliften dürfen nur personensichere Bremssysteme zum Einsatz kommen, die der Seilbahnrichtlinie der EU entsprechen.

Mit Sicherheitsfragen im Seilbahnbau kennt sich Stefan Eberhardt aus. Denn als Entwicklungsingenieur des Unternehmens Josef Wiegand hat er viele Seilbahn-, Skilift- und Cable-Car-Projekte federführend begleitet. Auch als die Schwarzwald-Gemeinde Hinterzarten eine neue Berg- und Talbahn für den Personentransport an ihrer traditionsreichen Adlerschanze suchte, landete die Anfrage auf seinem Tisch. Neben grundlegenden Anforderungen an die Ökologie standen bei diesem Projekt die möglichst einfache Bedienung, ein hoher Automationsgrad sowie ein sehr hoher Sicherheitsstandard im Pflichtenheft. Als Wachablösung für die veraltete Sesselbahn der Adlerschanze erwies sich schließlich das Produkt Wie-Li aus dem Programm von Wiegand. „Unser Pendelwieli ist eine moderne Zugseil-Lösung, bei der ein Wagenzug über Schienen bergauf und bergab fährt. In Hinterzarten besteht dieser Zug aus vier gekoppelten Wagen, der bis zu 24 Passagiere mit einem Tempo von bis zu 2,4 Metern pro Sekunde eine Höhendifferenz von 80 Metern erklimmen lässt“, erklärt Stefan Eberhardt.

Große Winden, mächtige Scheiben

Zu den wichtigen Systemkomponenten der neuen und inzwischen in Betrieb genommenen Pendelzug-Anlage gehören neben den offenen Wagen mit jeweils sechs Sitzplätzen und der 200 Meter langen Schienenstrecke eine Berg- und eine Talstation (Bahnhöfe) sowie ein technischer Kommandostand. Das Herzstück des fahrdynamischen Geschehens bildet die bergseitige Windenantriebsstation mit ihren zwei großen, von einem 55-kW-Motor angetriebenen Seilwinden und ihrem Bremssystem. Von hier aus wird der 14 Meter lange und bei Vollbesetzung fast fünf Tonnen schwere Wagenzug gefahren und gesteuert. Das bedeutet, er wird von den beiden Trommelwinden über zwei redundante Stahlseile bergauf gezogen und von einem personensicheren Bremssystem bergab verzögert und gestoppt. Da der Zug bei seiner Fahrt maximale Steigungen von bis zu 62 Prozent bewältigt, fällt dem Bremssystem eine große Bedeutung zu. Stefan Eberhardt erläutert dazu: „Wir müssen als Hersteller eine Bremsanlage einsetzen, die die Sicherheitsbestimmungen der EU-Richtlinie 2000/9/EG erfüllt. Dabei erfolgt die Auswahl der Komponenten am besten so, dass der entsprechende Zertifizierungsprozess möglichst einfach zu realisieren ist. Die EU-Konformität der Anlage wird durch die Zertifizierung einer benannten Stelle nachgewiesen.“

moderne Zugseil-Lösung, Bild: Wiegand
Die Berg- und Talbahn der Adlerschanze, Bild: Wiegand