Stützrolle in Teleskopgabel, Bild: Findling Wälzlager

In seinen Teleskopgabeln verbaut Römer Fördertechnik eine beachtliche Anzahl von Stützrollen: Ganze 32 sind es pro Teleskopgabel. Bild: Findling Wälzlager

"Die Fördertechnik muss günstig sein. Sie ist oft verbunden mit sehr großen Stückzahlen. Sie muss sicher sein, weil die Fördertechnik den Logistikprozess  in den Unternehmen am Leben hält. Ausfälle darf es eigentlich gar nicht geben, und es können nur geplante Wartungen vorgenommen werden, die die Betriebsbereitschaft der Produkte sicherstellt.“ Es ist eine lange Anforderungsliste, die Klaus Findling, Geschäftsführer bei Findling Wälzlager, aufzählt, wenn man ihn nach den Besonderheiten dieser Branche befragt.

Die Herausforderung: Aus den Anforderungen heraus ergibt sich eine Kombination sich zum Teil widersprechender Ziele. „Daher ist es nicht gerade einfach, das optimale Zusammenspiel dieser einzelnen Parameter in einem Produkt zu organisieren“, resümiert Klaus Findling. „Und das, obwohl sich die Fördertechnik eigentlich als ein technologisch wenig komplexes Thema darstellt. In der operativen Umsetzung ist sie jedoch eine große Herausforderung.“

Teleskopgabel Römer Fördertechnik, Bild: Findling Wälzlager
Römer Fördertechnik bezieht für seine Teleskopgabeln Stützrollen und Kurvenrollen von Findling Wälzlager. Die Gabeln des Unternehmens eignen sich zur einfachtiefen Lagerung von Europaletten oder Gitterboxen mit einem Gewicht von bis zu 1500 Kilogramm. Bild: Findling Wälzlager

Die Belastungsfähigkeit ist spielentscheidend

Römer Fördertechnik (RFT) bezieht für seine Teleskopgabeln Stützrollen und Kugellager von Findling Wälzlager. Dr. Jürgen Baier, zuständig für den technischen Vertrieb und Kundendienst bei RFT, weiß um die Relevanz der geeigneten Komponenten für den Einsatz in der Fördertechnik: „Für ein Regalbediengerät ist eine voll funktionstüchtige Teleskopgabel genauso wichtig wie der Strom, mit dem das System betrieben wird. Fällt eine Komponente aus, steht das System still. Lieferschwierigkeiten und Ausfallkosten sind die Folge.“

Lagerkomponenten spielen in Teleskopgabeln eine große Rolle: Eine Teleskopgabel verfügt über insgesamt 32 Lagerstellen. Diese beeindruckende Zahl ergibt sich durch den Aufbau der Geräte: Eine Teleskopgabel besteht aus drei Elementen – dem Grundkörper, dem eigentlichen Teleskop und dem ausfahrbaren Gabelblatt. In Letzterem kommen 24 kleinere Stützrollen der Baureihe NUTR zum Einsatz, während im Teleskop vier große Stützrollen dieser Serie verbaut sind, die jede für sich eine statische Tragzahl von über 65.000 Newton aufweist. Bei 45.000 Newton, was rund 4,5 Tonnen Last bedeutet, kann noch immer eine Laufleistung von einer Million Umdrehungen erreicht werden. In der Seitenführung des Telekops sorgen zudem vier vollnadelige Stützrollen der Baureihe NATV für die nötige Stabilität.

Hohe Laufgenauigkeit

Stützrollen von Findling, Bild: Findling Wälzlager
Um für seine Kunden das geeignete Produkt – etwa die richtigen Stützrollen – zu finden, wendet Findling Wälzlager seine Abeg-Methode an. Bild: Findling Wälzlager

Bei den Stützrollen der Baureihe NUTR handelt es sich um zweireihige, vollrollige Wälzlager mit Axialführung. Sie verfügen über beidseitige Labyrinthdichtungen und sind fettgeschmiert. Die profilierten Mantelflächen der Außenringe ermöglichen die Aufnahme sowohl von hohen radialen Kräften als auch von Axialkräften aus Schiefstellungen. Die Axialführung der Stützrollen sorgt zusätzlich für eine hohe Laufgenauigkeit.

Für Tieftemperaturanwendungen bis minus 28 Grad lassen sich die Stützrollen mit einem speziellen, kälteresistenten Wälzlagerfett ausstatten. Wenn die Teleskopgabeln in der Lebensmitteltechnik eingesetzt werden, gelten noch einmal andere Vorschriften: Hier dürfen nur Wälzlagerfette zum Einsatz kommen, die von der NSF (National Sanitary Foundation) zugelassen sind.

Die Lagerumgebungen, in denen die Teleskopgabeln eingesetzt werden, sind von Kunde zu Kunde also sehr unterschiedlich: „Das ganz große Problem ist, dass unser Kunde nie weiß, was der Endkunde mit dem Produkt macht – ob er das Produkt nicht irgendwann einmal missbraucht“, so Klaus Findling. Sprich: werden die Produkte überbelastet? Werden sie wirklich nur im Zweischicht-Betrieb eingesetzt oder kommen sie irgendwann mal in den Dreischicht-Betrieb? Das ist eine Herausforderung, die Findling bei seinen Kunden aus dem Bereich der Fördertechnik identifiziert hat. Der Schlüssel liegt für das Unternehmen daher in der ausführlichen Beratung. „Auch beratend dahingehend: wie weit kann denn ein Kunde mit meinem Produkt dann am Ende gehen? Wie viel Sicherheit bietet mir mein Produkt? Sodass sich der Vertrieb weniger Sorgen machen muss über das, was der Kunde mit meinem Produkt macht“, erklärt Klaus Findling.

Mit Abeg zur geeigneten Lösung

Die von Findling Wälzlager entwickelte Abeg-Methode erleichtert die gezielte Beratung und ermöglicht die korrekte Auslegung der Lager, sodass technische Überdimensionierungen vermieden werden können.

Um eine umfassende und herstellerunabhängige Darstellung des weltweiten Angebots der Wälz- und Gleitlagertechnik zu ermöglichen, auditiert und kategorisiert das Vertriebsunternehmen nationale und internationale Hersteller von Gleit- und Wälzlagern sowie deren Produkte und Fertigungsverfahren. Abeg unterteilt in vier unterschiedliche Leistungsklassen – von High-End-Lagern für besonders hohe Anforderungen bis hin zu Produkten, die für den Einsatz bei geringeren Beanspruchungen im kostensensiblen Bereich bestimmt sind. Die Methodik bietet somit eine nachvollziehbare und transparente Entscheidungsgrundlage, um technisch wie wirtschaftlich geeignete Wälzlager auszuwählen.

Findling Portfolio, Bild: Findling Wälzlager
Findling bietet insgesamt eine große Auswahl an Nadellagern aus unterschiedlichen Stahlarten sowohl mit und ohne Korrosionsschutz, mit verschiedenen Käfigausführungen und Sonderanfertigungen. Das Unternehmen garantiert eine hohe Lebensdauer und ein großes Sortiment an weiteren Wälzlagern in vier Leistungsklassen. Bild: Findling Wälzlager

Die Entscheidung, in welche Richtung optimiert werden soll, ist sehr anwendungsspezifisch zu treffen. „Aber die Sicherheit, die dadurch entsteht oder die Möglichkeit der Mehrbelastung, die ein Produkt aushalten kann, ist jeweils exponentiell“, so Klaus Findling. „Wenn ein Kunde bisher eine käfiggeführte Stützrolle einsetzt, und dieses Produkt an der Leistungsgrenze ist, dann kann man mit einem vollrolligen Produkt einer niedrigeren Leistungsklasse sogar eine höhere Lebensdauer erreichen bei einem günstigeren Preis“, nennt Klaus Findling ein Beispiel. „Da spielt unser Abeg-Ansatz seine Karten komplett aus.“

Kunden profitieren von der Philosophie, dass auch bei einem Upsizing, sprich einem leistungsfähigeren Produkt, gleichzeitig Kosten eingespart werden können. „Zunächst denkt man, eine gewisse Optimierung sei nicht möglich, aber nach Abeg funktioniert es eben. Das ist das Spannende daran“, erklärt Klaus Findling.

Im Gespräch mit Klaus Findling, Findling Wälzlager

Klaus Findling, Bild: Findling Wälzlager
Bereits 2003 führte Klaus Findling die Abeg-Methode bei Findling Wälzlager ein. Seither hat das Unternehmen ein starkes Wachstum zu verzeichnen. Bild: Findling Wälzlager

„Die Krux unseres Geschäftsmodells“

Herr Findling, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Was gab es Neues bei Findling Wälzlager?
Ganz neu haben wir für unsere Kunden, die sich mit dem Thema Wälzlager intensiv auseinandersetzen müssen, eine weitere Dienstleistung entwickelt. Das Kernelement ist eine Teambuilding-Maßnahme, die wir für ein besseres Zusammenspiel von Technik, Einkauf und Qualitätsmanagement durchführen. Dadurch soll eine Einkaufsentscheidung für ein Produkt im Team getroffen werden können. Die Kunden lernen so den Umgang mit den Anforderungen und den Zielkonflikten zwischen den Abteilungen – und das konkret in Bezug auf das Thema Wälzlagertechnik. Damit entwickeln wir uns immer mehr zu einem Dienstleistungsunternehmen.

Woher kommt diese Entscheidung?
Dienstleistung hat den Vorteil, dass man insgesamt eine höhere Kundenbindung erreichen kann. Die Zufriedenheit und die Identifizierung mit dem Unternehmen ist deutlich höher. Und vor allem ist die Anfälligkeit gegenüber konjunkturellen Schwankungen deutlich geringer.

Gibt es denn etwas, das Sie sich für 2016 vorgenommen haben – neue Projekte oder Produkte?
Ja, die nächste Dienstleistung, an der wir momentan arbeiten, ist die Übernahme einer globalen Procurement-Verantwortung – also einer globalen Einkaufsverantwortung auf Konzernebene. Kunden können uns für gewisse Warengruppen die Verantwortung von der Produktauswahl über die Auditierung, die Lieferanten-Zertifizierung und Qualitätsüberwachung als Dienstleistung übertragen. Für diese Unternehmen werden wir dann sehr individuell unsere Leistungen und Produkte definieren und spezifizieren. Sodass der Kunde genau das bekommt, was er sich eigentlich wünscht.

Ihre Produkte beziehen Sie weltweit. Gibt es einen Markt, der derzeit besonders hervorsticht?
Der chinesische Markt. Das Verständnis in Unternehmen ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass sie erkannt haben, dass man in China eben alles bekommen kann – man muss es nur finden. Das ist eine Erkenntnis, die auf der Management-Ebene schon seit vielen Jahren vorhanden ist. Jetzt kommt sie langsam in der operativen Ebene an. Deswegen kommt immer häufiger die Anforderung: Ich brauche etwas – aber bitte – das muss es doch auch in China geben.

Wie ist denn das Geschäftsjahr für Findling gelaufen?
Insgesamt kann man sagen, ist das Geschäftsjahr – trotz leichter Rückgänge – sehr erfolgreich, weil wir die Stückzahlen deutlich erhöhen konnten. Die Kunden erkennen, dass immer mehr Premiumprodukte durch niedrigere Leistungsklassen substituiert werden können. Und das ist die Krux unseres Geschäftsmodells: wir müssen hohen Umsatz durch niedrigeren Umsatz substituieren. Für den Kunden entstehen Wettbewerbsvorteile. Aber für uns bedeutet es, dass wir in Stückzahlen viel schneller wachsen müssen als ein Unternehmen, das Produkte auf den Markt bringt, die immer umfangreicher und damit vielleicht auch teurer werden und somit automatisch einer technologischen Inflation unterliegen. Unser Modell ist dahingehend kannibalisierend. Weil Kunden, die bisher Premiumprodukte eingekauft haben, durch unsere Beratung eben auch feststellen, dass ein Teil der Premiumprodukte durch Supraprodukte ersetzt werden kann. Das führt automatisch zu sinkendem Umsatz. Die Ertragslage entspricht dafür voll unseren Erwartungen und ermöglicht uns weitere Investitionen in die Zukunft.