Was die Firmen Eisenberg und WHB im Wälzlagergeschäft verbindet 1

Sie veredeln deshalb gemeinsam mit der Firma WHB als verlängerte Werkbank die überwiegend aus China angelieferte Ware – zu einem erstaunlichen Preis-Leistungs-Verhältnis. Auf der Visitenkarte von Dr. Axel J. Zens steht Managing Director der E. Eisenberg & Co. GmbH. Das ist der Korrektheit geschuldet. Doch blickt man tiefer, wird schnell klar: Eisenberg ist zwar die Keimzelle, aber letztlich doch nur ein Teil der internationalen ZEN Group, deren Produkte konsequenterweise unter diesem Markennamen verkauft werden. Was im Slogan noch einmal Bestätigung findet: „Zen – Bearings for your future“.  

Eisenberg als Repräsentant der ZEN-Gruppe in Deutschland mit einem der größten Logistikzentren befindet sich in Düsseldorf. Unser Gespräch aber findet bei der Firma WHB im baden-württembergischen Renningen statt. Doch der Reihe nach.

Den Lagern ein Gesicht gegeben

Dr. Zens erklärt die Sache mit den unterschiedlichen Namen so: „Im Jahr 1965 hat mein Vater die Firma Eisenberg übernommen und sich damit auf den Handel von Kugellagern spezialisiert. Im Laufe der Jahre sind über Kooperationen Partnerunternehmen entstanden. Beispielsweise in Spanien, England, Frankreich und eben auch China.

Wurden die Lager anfangs noch aus verschiedenen Ländern Europas importiert, so gewann schließlich der Import aus Asien immer größere Bedeutung. Zunächst Japan, dann wegen des wachsenden Kostendrucks China. Wo wir mittlerweile bestens aufgestellt sind. Vor etwa acht Jahren haben wir uns für einen marketingorientierten Weg entschieden.

Wir wollten unseren Lagern ein Gesicht geben, sie zur Marke machen. Statt no-name ein klar identifizierbares Qualitätsprodukt aus gutem Hause. Deshalb vertreiben wir unsere Kugellager heute unter dem Markennamen ‚Zen‘. So betrachtet ist die Firma Eisenberg Keimzelle und zugleich eines der Mitglieder der Zen-Gruppe.“

Spricht man mit Dr. Axel Zens über das heutige Produktportfolio, wird deutlich, was sich in den letzten Jahren alles verändert hat. Anfänglich hat sich Eisenberg ganz auf Miniatur-Kugellager spezialisiert. Anfangs aus Japan, dann wegen des steigenden Kostendrucks aus China. Doch vor 15 Jahren war mit China-Produkten noch ein anderes Image verbunden als das heute der Fall ist.

Es gab seinerzeit nur geringe Kundenakzeptanz für chinesische Produkte. Dr. Zens: „Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass die chinesischen Lager eine volatile Qualität hatten. Die Konstanz ließ zu wünschen übrig.“ Zwar stimmte der Preis, was dem Unternehmen sogar die europäische Marktführerschaft in Miniaturkugellagern einbrachte, doch man wollte mehr.

Zumal sich die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern als zunehmend fruchtbar und zukunftsträchtig erwies. Hatte man doch recht früh Vertrauen aufgebaut und das dort vorhandene Leistungsvermögen erkannt.  

Doch Wirtschaftlichkeit ist das eine, dauerhaft gesicherte Qualität ein anderes. Vor dem Hintergrund, dass Eisenberg nach Aussage von Dr. Zens immer schon für hohes Qualitätsniveau bekannt war, entschloss man sich, die Qualität direkt vor Ort in China zu überprüfen.

Das war vor acht Jahren. Alleine in der Qualitätskontrolle sind mittlerweile vier Ingenieure und 35 weitere Mitarbeiter beschäftigt. „Die nichts anderes tun, als die Qualität der Lager zu überprüfen und zu sichern“, wie Managing Director Dr. Zens betont.

Ein Vorsprung, der sich heute auszahlt. Und nachdem sich herum gesprochen hat, dass Eisenberg für chinesische Produkte die Qualität dauerhaft sichern kann und obendrein mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis aufwartet, war es nur mehr eine Frage der Zeit, das Programm sukzessive zu erweitern. So finden sich heute im Warenkorb immer noch Miniaturlager, aber beispielsweise auch Dünnringlager, Nirolager, Kegelrollenlager, Großlager und Sonderausführungen.

Dennoch hat sich Eisenberg von japanischen Lieferungen nicht ganz losgesagt. Noch ungefähr fünf bis zehn Prozent bezieht man von dort. Dr. Zens: „Ganz spezielle Ausführungen an Miniaturlagern bekommt man in der von uns gewünschten Qualität nach wie vor nicht aus China. Die fallen durch unser Raster. Also pflegen wir unseren Draht nach Japan. Das sind wir unserem guten Ruf als Qualitätslieferant schuldig.“

WHB veredelt Eisenberg-Produkte

Auf die Frage, ob man Konstrukteure und Entwickler auch beispielsweise bei anspruchsvollen Keramiklagern zufriedenstellen könne, antwortet Dr. Axel Zens: „Aber sicher. Keramiklager kommen allerdings nur für ganz spezielle Anwendungen infrage. In solchen Fällen und auch bei anderen Themen bringt sich unser Konstruktionsbüro in China ein.

Dort werden Lager berechnet und vieles mehr. So gesehen können wir nicht nur Lager liefern, sondern auch konstruktive Lösungen anbieten. Es ist ein Schritt weiter weg vom Handelsgeschäft hin zu Problemlösungen. Insbesondere in der Automobilindustrie ist das sehr wichtig.

Da sind dann beispielsweise mal spezielle Fette oder Dichtscheiben gefordert.“ Dass Eisenberg neben der Automobilindustrie auch noch andere Industriezweige bedient, versteht sich beinahe von selbst. Ein breites Applikationsfeld bietet sich mit dem Maschinen- und Anlagenbau.

Nun gilt es noch, des Rätsels Lösung um die Firma WHB zu lüften. Die wichtigste Botschaft vorab: Die in Renningen ansässige Firma WHB ist für Eisenberg, salopp ausgedrückt, so etwas wie eine verlängerte Werkbank. Stefan Schulz, bei Eisenberg für Marketing und Vertrieb zuständig, konkretisiert das so: „Mit WHB pflegen wir seit nunmehr sieben Jahren ein sehr konstruktives Lieferanten/Kunden-Verhältnis.

Die Verbindung ist schon so eng, dass wir uns als Kooperationspartner sehen. Die Firma ist spezialisiert auf technologisch sehr anspruchsvolle Lageranwendungen. Unsere Zusammenarbeit möchte ich so umschreiben: Wir haben als Firma Eisenberg unsere Stärken auf der Beschaffungsseite mit unseren Kontakten nach China.

Die Firma WHB besorgt mit ihrem Engineering-Wissen gewissermaßen das Fein-Tuning.“ Das heißt, die Lager werden durch sehr individuelle Maßnahmen für die ihnen zugedachten speziellen Aufgaben optimiert. Das erforderliche Technikwissen bringt WHB-Geschäftsführer Horst Betsch mit ein, der viele Jahre Wälzlager-Erfahrung bei Timken und NTN gesammelt hat. Gemeinsam mit seinem Sohn Michael Betsch veredelt er quasi die Eisenberg- Produkte.  

Welche Ergebnisse diese Partnerschaft beispielsweise hervor bringt, beschreibt Schulz an einem konkreten Fallbeispiel: „WHB beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Elektromotorenbau. Im Zusammenhang mit Elektromotorenlagern haben wir gemeinsam Qualitätsstufen entwickelt, die wirklich Premium-Qualität besitzen.

Und das zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis und obendrein basierend auf chinesischer Fertigung.“ Dr. Axel Zens bilanziert die langjährige Partnerschaft so: „Man hat in gegenseitiger Kooperation mittlerweile auch Produkte entwickelt, die sich von Wettbewerbsprodukten unterscheiden.“

www.eisenberg.biz