Die Safety-Software Safexpert von IBF bietet mehr als Risikobeurteilung 1

Die Flut an Normen scheint manchen Konstrukteur zu erschlagen. ke sprach mit Helmut Frick über die Situation im Maschinenbau und warum Wissensmanagement bei Normen so wichtig ist.

Autor: Wolfgang Kräußlich Sie sind Dienstleister und beraten Unternehmen. Was ist Ihre Erfahrung, wie ist heute der Wissensstand bezüglich der neuen Maschinenrichtlinie?

Nun, wir müssen unterscheiden zwischen Menschen, die sich interessieren, die sich aktiv fortbilden, die auf Seminare gehen. Das sind gar nicht so wenige. Aber die Gruppe derer, die sich autodidaktisch selber weiterbilden, ist weit größer. Der Wissensstand dort ist allerdings unterschiedlich. Und dann gibt es noch die, die intensiven Wissensbedarf haben.

Wie ist denn die Quote zwischen Informierten und Uninformierten?

Schwer zu sagen. Ein Anhaltspunkt: Wenn man in einem Grundlagenseminar fragt, wer den Anhang 1 der Maschinenrichtlinie schon gelesen hat, dann sind es meist 10 bis 20 %.

Heißt das, dass überwiegend unsichere Maschinen gebaut werden?

Nein. Es gibt viele Unternehmen, die das Thema CE schon längst gewinnbringend umgesetzt haben. Dann gibt es Unternehmen, die nur meinen, sie würden sichere Maschinen bauen. Die arbeiten häufig nach bestem Wissen und Gewissen. Das reicht aber dann nicht, wenn das beste Wissen im Unternehmen nicht mit den gesetzlichen sicherheitstechnischen Anforderungen zusammenpasst. Und dann gibt es noch die, die das Thema CE-Kennzeichnung und Maschinensicherheit beharrlich ignorieren. Wieviele Maschinen unsicher sind? Es ist im Maschinenbau schwer, messbare Größen zu definieren.

Das heißt?

Vor allem der Erfolg ist schwer messbar. Nicht jede Unsicherheit an einer Maschine führt zum Unfall – Gott sei Dank! Es ist nicht messbar, wieviele nicht stattgefundene Unfälle durch verantwortungsvolle sicherheitstechnische Planung und wieviele durch Zufall verhindert wurden. Deshalb hört man ja in vielen Unternehmen: ‚Wir bauen seit 30 Jahren Maschinen und nie ist was passiert‘.

Bekommen es die Maschinenhersteller denn überhaupt mit, wenn mit einer ihrer Maschinen ein Unfall passiert?

Bei kleineren Unfällen eher nicht. Bei Unglücken mit vielen Toten, wie etwa der Bergbahn bei Kaprun, da werden auch über Jahre die Schuldigen gesucht. Das bekommen auch die Hersteller mit. Insgesamt ist das Unfallaufkommen aber rückläufig, sicher auch durch das zwischenzeitlich verfügbare große Know-how aus Sicherheitsnormen. Viele sehen das Normenwesen aber mehr als Bürde als als Wissensquelle.

Das Thema Sicherheit ist also nicht so wichtig?

Das ist ganz unterschiedlich. Es hängt stark von den handelnden Personen ab. Viele nehmen es sehr ernst, manche ignorieren es, und manche übertreiben es. Viele sind noch immer auf der Suche nach dem goldenen Weg. Der führt über die konsequente Integration der Sicherheit in die Konstruktionsprozesse, wie es die Maschinenrichtlinie vorschreibt. Das Thema wird natürlich enorm wichtig, wenn Schadensfälle eintreten.

Und das müssen nicht immer Unfälle sein. Es reicht schon, wenn Kunden reklamieren. Dann bleiben Zahlungen offen, Folgeaufträge werden storniert. Und dann wird gefragt: Warum ist die Maschine nicht CE-konform, wer hätte sich darum kümmern müssen?

Und wer muss sich kümmern?

Das Problem ist: die wirklich durchdachten Zuständigkeiten im Unternehmen fehlen oft. Heute wird oft von einem – gesetzlich nicht vorgeschriebenen – CE-Beauftragten gesprochen. Doch was hätte er zu tun, welche Verantwortung trägt er? Meist gibt es keine konkreten Beschreibungen: was wurde deligiert, mit welcher Kompetenz? Kaum ein CE-Beauftragter weiß, wozu er befugt ist.

Könnte er auch gegen eine Geschäftsführung das Inverkehrbringen einer Maschine verhindern? Oft sagt man Leuten im Arbeitsschutzbereich, sie sollen das mal so nebenbei mitmachen. Ob das richtig ist? Jemand, der kontrollieren kann, ob ein Auto sicher fahrtüchtig ist, ist noch lange nicht in der Lage, ein sicheres Auto auch zu konstruieren. Da muss man Disziplinen schon trennen.

Was sagen Sie einem Konstrukteur, der sich beschwert, dass die Maschinenrichtlinie einen großen Teil seiner Zeit auffrisst und er kaum noch Zeit fürs eigentliche Konstruieren hat?

Ich würde ihm raten, in die Rolle des Produktbenutzers zu schlüpfen. Das sind die Leute, die in ein Auto einsteigen und erwarten, dass die Bremsen funktionieren. Die hätten wenig Verständnis, wenn ein Konstrukteur des Autoherstellers sagt, es sei ihm nicht möglich gewesen, die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Fahrzeugsicherheit einzuhalten, weil es zu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Trotzdem beschweren sich viele, dass Maschinenrichtlinie und zugehörige Normen das Konstruieren erschweren.

Die Frage ist doch: Hat er es wirklich effizient organisiert? Stimmen seine Prozesse? Viele Konstrukteure schimpfen über die neue Richtlinie, weil sie die genaue Methode, wie sie eine Maschine effizient konstruieren und entwickeln können, einfach noch nicht erkannt haben. Es gibt seit vielen Jahren eine Norm, die EN ISO 12100 Teil 1, die sich mit der Methodologie beschäftigt.

Dort gibt es das Bild 2, ein Flussdiagramm, das den Prozess der Konstruktion einer sicheren Maschine sehr pragmatisch darstellt. Wenn dieses Konzept in den Konstruktionsprozess integriert wird, kann mir niemand erzählen, dass das 20 Prozent der Konstruktionskosten ausmacht. Im Gegenteil: Wenn man nicht exakt nach dieser Methode konstruiert, bleibt oft viel Geld auf der Strecke.

Wie meinen Sie das?

Ein Beispiel: Ich habe einmal eine Maschine besichtigt, da war rundum ein Schutzzaun montiert. Ich habe die Konstrukteure gefragt, wozu der Zaun da ist. Die Antwort: Achselzucken und ‚den haben wir immer schon gebaut‘. Es gab aber keine Gefährdung an der Maschine, die als vernünftige sicherheitstechnische Lösung einen Schutzzaun gefordert hätte. Viel Aufwand und Kosten für einen Schutzzaun, der nicht nur nichts gebracht hat, sondern Menschen in bestimmten Situationen – Wartung, Reinigung, Teachen – sogar einsperren kann.

Das ist das Missverständnis: Man meint, man mache eine Risikobeurteilung und es würde dann zu höheren Kosten führen. Wenn man es so macht, wie die Maschinenrichtlinie es vorsieht, dann macht man nur das Nötige und Sinnvolle. Aber die Unternehmen werden nicht müde zu erzählen, dass sie für das nicht auch noch Zeit hätten.

Wie können Sie nun helfen?

Unsere Stärke ist es, die Kunden bei ihren Prozessen zu beraten und ihnen Tools an die Hand zu geben, diese auch im täglichen Geschäft pragmatisch umzusetzen. Dabei arbeiten wir exakt nach der Maschinenrichtlinie und der angesprochenen Norm ISO 12100.

Die ISO 9001 nennt darüber hinaus vier Parameter, die zur Erreichung nachhaltiger Qualität besonders wichtig sind: Die Unternehmensleitung, das Know-how der Mitarbeiter, die Kompetenz der Lieferanten und funktionierende Prozesse. Darauf setzt unser modulares Ausbildungskonzept auf: Das zweitägige Grundlagenseminar bietet den Einstieg und Überblick.

Darauf aufbauend bieten wir das Seminar ‚Der CE-Beauftragte in der Praxis‘. Das kann natürlich auch jeder besuchen, der sich die Grundlagen anderweitig angeeignet hat. Dann bieten wir noch das Softwaresystem Safexpert. Im Konstruktionsprozess wird es zur projektbegleitenden Dokumentation, aber vor allem auch zum Auffinden geeigneter sicherheitstechnischer Lösung genutzt. Dabei benötigen die Anwender zu jedem Zeitpunkt Zugriff auf aktuelle Sicherheitsnormen.

Das heißt, im Grunde müsste jeder Konstrukteur ein eigenes Safexpert-System am Rechner haben?

Richtig, zusätzlich zu seinem CAD-Programm und der ERP-Lösung. Der Konstrukteur braucht die Gefährdungsliste genau in dem Moment, wo er über ein Problem nachdenkt. Nicht sieben Monate später an der fertigen Maschine. Denn genau in diesem Moment entscheidet er ja auch über die Lösung des Problems und diese ist ja wieder Teil des Sicherheitskonzepts. Es geht also darum, Wissen zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Personen verfügbar zu machen. Das ist eine wichtige Aufgabe von Safexpert.

Wie funktioniert das genau?

Die europäischen harmonisierten Normen sind ein gigantischer und guter Wissenspool. Das Problem: Oft sind Konstrukteure mit dieser Wissensflut überfordert. Was sie brauchen, sind konkrete Suchmechanismen, die an dieser Stelle weiterhelfen. Deshalb ist in Safexpert der NormManager eingebaut. Direkt aus der Gefährdungsliste wird zu wichtigen Normenstellen verlinkt.

Durch einen Mausklick wird die Norm an der richtigen Stelle im Volltext angezeigt. Aber vor allem ist es schwierig, sich laufend am aktuellen Stand zu halten und zu erfahren, wenn sich Normen ändern. Hier bietet Safexpert in Verbindung mit den Wartungsverträgen die Lösung und informiert per E-Mail über Änderungen persönlicher Favoriten.

Im Zuge des Aktualisierungslaufs wird zudem automatisch geprüft, welche laufenden Projekte und welche Vorlagenprojekte von Normenänderungen betroffen sind. Safexpert unterstützt so im sicherheitstechnischen Planungsprozess und gleichzeitig bei der Wissensvermittlung.

Aber dazu benötigt jeder Konstrukteur sein eigenes Safexpert, was sich, obgleich es sich hier um ein Expertensystem handelt, kostenmäßig lediglich im Bereich eines Officepakets bewegt und sich meist bei einem einzigen Projekt amortisiert.

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