Interview mit Johann Aulila von ABB Jokab Safety 1

Die Integration ist abgeschlossen. Wenn ein großes Unternehmen ein kleineres kauft, kann das vieles bedeuten. ke hat bei dem damaligen Deutschland-Geschäftsführer und heutigen Vertriebsleiter für Sicherheitstechnik in Deutschland, Johann Aulila nach dem Wandel gefragt.

Von Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur

Nachdem ABB vor eineinhalb Jahren Jokab Safety gekauft hatte, war eine wichtige Aufgabe sicherlich die Integration der Jokab-Produkte in das ABB-Portfolio. Wie sind Sie damit vorangekommen?
Auf der SPS 2011 haben wir alle vorhandenen Produkte im ABB-Design gezeigt, auch neue Produkte werden natürlich automatisch im ABB-Design entwickelt. Es gibt wahrscheinlich noch ein paar Altlasten, an denen man arbeiten muss, denn das Produktportfolio von Jokab ist schon sehr breit aufgestellt. Insgesamt kann man aber schon sagen, dass die Integration weitestgehend abgeschlossen ist.

„Bezüglich Safety ist heute wesentlich mehr Kompetenz zu beobachten als vor zwei Jahren.“

Johann Aulila, ABB Jokab Safety

 

Jokab hatte so schöne sprechende Produktnamen, ABB eher kryptische Zahlen und Buchstaben. Werden die Namen der vorhandenen Produkte bleiben?
Die Produktnamen werden bleiben, da gibt es keinen Anlass für eine Veränderung. Natürlich bekommen die Produkte eine ABB-interne SAP-Nummer, aber die bei den Kunden bekannten Namen bleiben.

Bezüglich der bisherigen Jokab-Produktpalette: Wie ist die Produktentwicklungsstrategie?
Das ist eine schöne Frage. Tatsächlich waren wir im vergangenen Jahr sehr mit der Integration der vorhandenen Produkte beschäftigt und weniger mit Inspiration für neue Produkte. Geschlafen haben wir aber natürlich auch nicht. So ist strategisch geplant, eine Reihe von intelligenten Bussystemen wie Sercos, Profinet oder Ethercat in die Jokab-Produkte zu integrieren. Zur nächsten Hannover Messe ist da einiges an neuen Produkten geplant. Auf der anderen Seite hat das Produktspektrum eine gewisse Einzigartigkeit und bietet ergänzend zum Trend der kompletten Integration von Safety auch Optionen für Stand-Alone-Lösungen. Das soll auch so bleiben.

Was wird denn aus dem deutschen Jokab-Standort Spaichingen? Ist das ein Produktions- oder ein Vertriebsstandort?
In Spaichingen haben wir beides. Zum einen werden dort sehr viele Produkte angereichert, also customized, auf Kundenwünsche angepasst. Zum Beispiel werden dort Zustimmungsschalter mit besonderen Kabeln ausgerüstet, etwa Spiralkabel. Es werden aber auch eigene Produkte hergestellt wie die ortsveränderliche Zweihandsteuerung mit den zwei Bügeln und den Safe-Balls. Auch Zuhaltungen werden in Spaichingen gemacht.
Als Besonderheit haben wir in Spaichingen – und das gab es auch zu Jokab-Zeiten nur hier in Deutschland – den Bereich Schutzzäune. Der bleibt natürlich nach wie vor hier. Die Produktionskapazitäten in Spaichingen bleiben also auch weiterhin bestehen.
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Wie geht es mit dem Safety-Portfolio weiter?
Auch ABB entwickelt sich vom reinen Produktgeschäft hin zu mehr Lösungskompetenz, das ist erklärte Strategie. Hier ist der ehemalige Jokab-Bereich innerhalb der Low-Voltage-Gruppe ein Vorreiter. Das kann man sicher so sagen. Ich gehe also davon aus, dass wir die Vernetzung mit anderen ABB-Bereichen weiter verstärken werden und im Zukunft noch deutlicher lösungsorientierte Gesamtkonzepte anbieten werden. Und passend zu diesen Gesamtlösungen werden dann auch die neuen Produkte entwickelt werden. Generell wurde mit der Übernahme durch ABB die Innovationskraft unserer Ideenschmiede für ausgezeichnete Safety-Produkte erheblich gestärkt. Und natürlich verhilft uns das flächendeckende Vertriebsnetz von ABB weltweit zu einem weiteren starken Wachstum. Entsprechend bin ich sehr optimistisch, was die Zukunft angeht.

Seit zwei Jahren haben wir die neue Maschinenrichtlinie, zum Ende dieses Jahres geht die alte Safety-Norm EN 954-1 endgültig in Rente. Was meinen Sie, ist das Thema Safety nun in der Automatisierung, in der Maschinenbauwelt überall angekommen oder gibt es noch immer Informationsbedarf?
Also, es gibt immer noch Informationsbedarf. Das ist definitiv so. Es ist aber insgesamt wesentlich mehr Kompetenz bei den Kunden zu beobachten als es noch vor zwei Jahren der Fall war. Damals hatten wir schon eine große Unsicherheit, zum Teil selbst bei den Anbietern von Safety-Produkten. Das ist heute wesentlich besser, aber es gibt immer noch eine große Nachfrage nach tiefer gehenden Informationen. Deshalb werden wir auch nächstes Jahr unsere Seminarreihe zum Thema Sicherheit fortführen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.