Mit innovativer Technologie durch die Krise 1

Auch fluidische Anwendungen sind ohne Sensorik und Steuerungstechnik heute kaum noch vorstellbar. Sensortechnik Wiedemann entwickelt seit 25 Jahren kundenspezifische Lösungen. fluid sprach mit Firmengründer Wolfgang Wiedemann.

Ihre Firma ist 25 Jahre alt geworden. Wie hat es damals anfangen?
Wir waren nicht mehr die Jüngsten, als wir die Firma gegründet haben. Ich war schon 39. Ich habe davor in Kempten Elektronik entwickelt und war Prokurist. Und irgendwann wollte ich meinen Kram selber machen. Da habe ich zusammen mit meiner Frau beschlossen, eine eigene Firma zu gründen.

Aber es gehört schon Mut dazu, so eine Firma zu gründen.
Meine Frau, die ist eigentlich die Powerseele in der ganzen Sache. Ohne meine Frau wäre das nicht gegangen. Und dann haben wir einfach angefangen. Wir haben damals eine Förderung bekommen vom Bund, das nannt sich TOU, technologieorientierte Unternehmensgründung. Da sind damals unter Wirtschaftsminister Riesenhuber 400 Firmen gefördert worden. Die Förderquote lag bei 75 Prozent, es gab 1,2 Millionen DM als Projektsumme und 900 000 Mark hat man sozusagen geschenkt bekommen. Dafür gab es natürlich deutliche Einschränkungen: Der Chef durfte damals nur 4000 DM verdienen, und zwar brutto. Und es durfte kein Familienmitglied auf der Gehaltsliste stehen. Das waren ganz strenge Regularien. Ich habe das aber voll akzeptiert.

Und was war das Projekt, mit dem Sie gestartet sind?
Das Ziel war, ein hochgenaues Druckmessgerät zu entwickeln, das gab es damals so nicht auf dem Markt. Das haben wir auch gemacht. Das Gerät hat nur einen Nachteil gehabt: es war so teuer, das hat mir kein Mensch abgekauft. Da haben wir vielleicht 1500 Geräte insgesamt verkauft. Aber die Technologie war natürlich schon bahnbrechend. Wir haben das auf verschiedenen Messen gezeigt und daraus entwickelten sich dann neue Aufträge. So nach dem Motto: Wenn ihr sowas machen könnt, dann macht doch für uns einmal etwas anderes. Aus diesem Produkt habe ich bestimmt ein Dutzend andere Produkte für andere Firmen entwickelt. Und dann  ist es aufwärts gegangen.

Wie ging es dann weiter?
Gegründet haben wir das Unternehmen ja 1985. Die Gründungsphase ging bis etwa 1993 – wir haben also ungefähr acht Jahre gebraucht, bis das gelaufen ist. Dann kam auch gleich das erste Krisenjahr, die Maschinenbau-Krise 1992/1993. Aber die haben wir locker weggesteckt. Und seitdem ist es immer aufwärts gegangen bis zum März 2009. Der Januar ist noch brauchbar gelaufen letztes Jahr. Februar und März ging es los und dann im April ist es ganz massiv in die Krise gegangen, da haben wir richtig Einbrüche gehabt.

Wie sieht es heute aus?
Wir haben immer noch Krise, wir haben immer noch relativ gesehen zum Jahr 2008 einen schlechteren Auftragseingang und dementsprechend auch einen schlechteren Umsatz. Uns hat es ungefähr vier, fünf Jahre zurückgeworfen. Jetzt fängt es an, sich ein bisschen zu lösen. Das ist aber auch nicht immer einfach. Die Leute sind Kurzarbeit gewöhnt. Jetzt muss ich sie wieder dazu bringen, dass wieder normal gearbeitet wird. Alle müssen sich erst daran gewöhnen – die Lieferzeiten unserer Lieferanten werden länger, die Qualität ist zum Teil gesunken. Und jetzt hat man Liefertermine. Unsere Kunden wollen natürlich die Ware sofort haben – die bestellen und acht Tage später wollen sie es haben. Jetzt müssen wir Schichtarbeit machen, um Liefertermine zu halten, zum Teil drei Schichten. Das ist natürlich schwierig.

Wie sind Sie denn unter diesen Umständen durch die Krise gekommen?
Ordentlich. Wir haben niemanden entlassen. Wir haben halt nur ein paar gehen lassen – Auszubildende, die fertig waren, die haben wir ohne Probleme an die Technikerschule entlassen und wir nehmen sie in zwei Jahren wieder. Dann hatten wir Kurzarbeit, das war insgesamt ein Equivalent von 40 Vollzeitstellen.

Wie steht Ihr Unternehmen heute da?
Wir sind ungefähr 370 Beschäftigte hier – etwa 120 Ingenieure, Physiker, E-Techniker und 150 Leute in der Produktion, Facharbeiter, Techniker, auch angelernte Kräfte. Dann haben wir 20 Leute im Innendienst und ein paar Außendienstler, die Vertrieb machen. Außerdem haben wir natürlich auch 30 Auszubildende in allen möglichen Bereichen. Wir haben einen relativ jungen Altersschnitt von 34 Jahren. Meine Frau und ich sind die Ältesten.

Was ist heute Ihr Brot-und-Butter-Geschäft?
Das ist heute der Geschäftsbereich mit den Steuerungen. Er macht ungefähr 40 Prozent des Umsatzes. Dann kommt der Sensorikbereich mit ungefähr 25 bis 30 Prozent. Außerdem machen wir noch sehr viel Auftragsentwicklung, kundenspezifische Lösungen und Speziallösungen wie Elektronik für medizinische Geräte wie Computertomografen und Ähnliches. Wir produzieren die Waren danach natürlich auch.

Von welchen Märkten kommt denn gerade der Impuls, dass sich wieder etwas tut?
Schon von unseren Standardmärkten. Also aus dem Industriemarkt und aus dem mobilen Bereich – Baumaschinen, Agrarmaschinen, Kommunalfahrzeuge, Sonderfahrzeuge. Die haben im vergangenen Jahr ihre Lager vollkommen runter gefahren. Und jetzt bestellen sie wieder. Bis das aber wieder auf das Niveau kommt, wie es 2008 war, das dauert zwei bis fünf Jahre. Was uns anbetrifft, uns Mittelständler: Wir müssen die Lücken durch neue Produkte auffüllen, dann läuft das. Und das tun wir auch.

25-jähriges Firmenjubiläum
Die Sensor-Technik Wiedemann GmbH (STW) feiert ihren 25. Geburtstag. Der Hersteller von High-Tech-Produkten in den Bereichen der Mikro- und Leistungselektronik blickt auf erfolgreiche Jahrzehnte mit kontinuierlichem Wachstum zurück. Das Unternehmen wurde 1985 von Katharina und Wolfgang Wiedemann gegründet. Die ursprüngliche Produktpalette, Sensoren und Messtechnik, wurde 1989 durch Steuergeräte für mobile Anwendungen erweitert. 1990 wurde das Firmengebäude am Kaufbeurer Standort, Am Bärenwald, bezogen. Vier Jahre später wurde die Firma KMW mit der Spezialisierung auf Dünnschichttechnik und Mikrosysteme gegründet. Mehrere bauliche Erweiterungen folgten in den Jahren 1997 bis 2009.

Die Zertifizierungen der Firmen nach DIN EN ISO 9001 und ISO/TSS 16949 erfolgten in den Jahren 1995 und 2003.  2001 wurden STW-Niederlassungen in den USA und England gegründet. Ebenso bestehen weltweit Kooperationen mit zahlreichen Auslandsvertretungen. 2004 wurde ein Reinraum zur Herstellung von Sensoren mit Dünnschichttechnik gebaut. Das Unternehmen zählt derzeit rund 380 Mitarbeiter. STW ist für einen breitgefächerten Kundenkreis in Automobilindustrie, Maschinenbau, Anlagenbau, Medizintechnik und Lebensmittelindustrie ein langjähriger und zuverlässiger Partner und zählt in den Bereichen der frei programmierbaren Steuerungen für mobile Arbeitsmaschinen zu den führenden Anbietern.