Neue Hydraulikaggregate vereinen Serienfertigung mit Maßkonfektion

Man kann sich eine Hydraulik oder Pneumatik selber bauen, Pumpen, Schläuche, Rohre und Steuerung einzeln kaufen. Oder man kann alles aus einer Hand ordern. Winkelmann bietet technologieübergreifende Systemlösungen – und mit einer neuen Aggregatereihe gleich noch ein innovatives Modulkonzept. Wenn man in der Krise eines oft gehört hat, dann dass die Firmen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren wollen. In den meisten Fällen bedeutet das, dass der Maschinenbauer kein Hydrauliker oder Pneumatiker ist – er ist in der Regel noch nicht einmal ein Automatisierungstechniker.

Er hat eine Kernkompetenz bei der Herstellung von seinen ganz speziellen Maschinen. Entsprechend ist in fast allen Bereichen der Industrie ein Trend hin zu Systemlösungen zu erkennen. Der Kunde will – zumindest bei der Infrastruktur um seine Kernkompetenz herum – nicht mehr sehr viele Einzelartikel beschaffen, die er dann auch noch selber montieren muss. Er will auch im Fehlerfall nicht in einem Geflecht unterschiedlicher Lieferanten den Verantwortlichen suchen.

Dieser Trend ist natürlich stark getrieben von Überlegungen, die Prozesse im Unternehmen auf wirtschaftliche Gesichtspunkte hin zu optimieren. Wenn es um Pneumatik und Hydraulik samt zugehöriger Automatisierung geht, will die Firma Winkelmann aus Rödermark den Kunden nun genau diesen Teil abnehmen. Dabei setzt das Handels- und Systemhaus auf ausführliche Beratung.

„Wir schauen uns die Geschäftsprozesse an, wir schauen uns die Produktionsprozesse an, wir schauen uns die Montageprozesse an“, erklärt Ronald Steinhauser, Geschäftsführer von Winkelmann. „Dann suchen wir gemeinsam mit dem Kunden eine Lösung, die am Ende eine deutliche Kostenersparnis mit sich bringt. Wir reden hier, das können wir ruhig sagen, von Größenordnungen zwischen 20 und 30 Prozent nachweislich.“

Erfahrung in Pneumatik und Hydraulik

Das Know-how im Hause Winkelmann kommt nicht von ungefähr. Gegründet wurde die Firma 1964 von Herrn Hans Erich Winkelmann. Winkelmann hat sich als beratender Ingenieur am Markt seinen Namen gemacht, zunächst als Einzelkämpfer. Er hat dann über die Jahre hinweg begonnen, Handelspartner zu suchen. Mit Hänchen Hydraulik und Kuhnke Pneumatik kamen erste Werksvertretungen, später auch Sperry Vickers.

Das Konzept war ein Mix aus Beratung und Handel, den das Unternehmen letztendlich auch noch heute praktiziert. Mittlerweile ist Winkelmann ein System- und Lösungsanbieter, der aus der Beratungskompetenz heraus nun auch eigene Produkte anbietet. Angefangen bei einzelnen Hydraulikaggregaten über patentierte Wasserverteilanlagen bis hin zu hydraulischen oder pneumatischen Seriensystemen, die in großen Stückzahlen bei den Kunden in die Maschinen eingebaut werden.

„Wir haben die Freiheit, das für den Kunden Passende auszuwählen“, so Geschäftsführer Steinhauser. „Bedingt durch unsere Kostenstruktur sind wir auch in der Lage, kleinere und mittlere Stückzahlen noch zu guten Preisen anzubieten. Wir machen Hydraulik, wir machen Pneumatik, wir machen Elektrotechnik und im besten Fall eine optimale Kombination daraus.“

Die Partner können sich dabei sehen lassen: In der Pneumatik ist es der Weltmarktführer SMC und mit Parker hat man den weltgrößten Hydrauliker im Portfolio. In der Elektrotechnik arbeitet Winkelmann seit über 40 Jahren mit Kuhnke zusammen. Jedoch nutzt das Unternehmen auf Kundenwunsch – oder wenn es die Applikation erfordert – auch Komponenten anderer Anbieter.

Modulares Hydraulikaggregat für mehr Flexibilität

Doch der Markt ist in Bewegung. Immer häufiger werden Sonderlösungen gefordert, die jedoch in Preis und Lieferzeit mit Standardprodukten mithalten sollen. „Individualität, Kosten, Qualität und Schnelligkeit am Markt sind die Themen, die uns von den Kunden heute genannt werden“, erklärt Heinrich Schultheis, Entwicklungsleiter bei Winkelmann.

„Der Markt treibt uns zur Zeit sehr stark mit Termindrücken, deshalb haben wir uns die Automobilindustrie zum Vorbild genommen. Das bedeutet, wir haben bei unserer neuen Serie an Hydraulikaggregaten den Plattformgedanken umgesetzt.“ Mit dieser neuen Philosophie ist eine komplett neue Produktfamilie mit derzeit drei Baureihen entstanden. Die größte Baureihe heißt Taifun mit 3 bis 45 kW Motorleistung und einem Fördervolumen bis 100 Liter/Minute bei maximal 350 bar.

Die mittlere Baureihe, Tornado, fördert bei 1,1 bis 11 kW bis zu 50 Liter/Minute mit ebenfalls 350 bar und die kleine Baureihe Zyklon liefert bis 10 Liter/Minute bei 0,55 bis 4 kW Leistung und 250 bar Maximaldruck. Die neuen Aggregate sind aufeinander abgestimmt und haben jeweils eine Überschneidung, um das gesamte Spektrum abzudecken. Das Interessante ist aber die modulare, individuell erweiterbare Plattform, das Baukastensystem.

Für jedes Modell gibt es mehrere Grundbehälter in gängigen Größen. Ein Multifunktionsgrundblock, beim kleinen Modell ein Multifunktionsflansch, ermöglicht die einfache und schnelle kundenspezifische Anpassung der Aggregate. Da die Basis baugleiche Serienteile sind, ergeben sich für kundenspezifische Modifikationen niedrige Entwicklungskosten und kürzere Entwicklungszeiten. Auch Montage und Wartung vereinfachen sich, da der Techniker die standardisierten Anschlüsse und Komponenten kennt.

Für Winkelmann bedeutet das neue System die Möglichkeit einer schnellen Angebotserstellung, reduzierte Durchlaufzeiten und damit schnelle Lieferzeiten. „Wir setzen bei dieser Lösung auf Gleichteile. Für uns und den Kunden reduziert sich die Lagerhaltung“ betont Schultheis die Vorteile des neuen Konzepts. Darüber hinaus lässt sich das System auch funktional erweitern.

Neben den Energiesparvarianten der Blue-Line gibt es das Lärmschutzpaket Silence, das bis zu 20 dB(A) unter herkömmlichen Lösungen liegt, sowie die Maschinenüberwachung durch das Winkelmann-Diagnose-System WiDiS. Letzteres ermöglicht vorausschauende Wartung und das Erkennen von Bauteilverschleiß, erfasst und speichert Maschinenzustandsdaten und lässt sich auch aus der Ferne abfragen.

„Schnelle Lieferung ist unsere Stärke“

KurzInterview: Ronald Steinhauser und Sascha Wachtberger, Winkelmann

fluid: In welchen Zielmärkten bewegen Sie sich, wo sind Ihre Kunden?

Ronald Steinhauser: Wir kommen traditionell aus dem Maschinenbau. Strategisch betrachtet ist unser Radar aber schon längst auf neue Technologien ausgerichtet: Wir sind im starken Wachstumsmarkt der Halbleitertechnik unterwegs, darunter fällt für uns auch der Bereich Solarzellen. Wir sind zwischenzeitlich auch recht stark in der Medizintechnik vertreten – auch das ist sicherlich ein starker Wachstumsmarkt.

Sascha Wachtberger: Auf der anderen Seite sehen wir die hohe Kompetenz der Anlagen- und Maschinenbauer in Deutschland. Ich glaube, dass hier noch so viel Innovation liegt, dass wir in Zukunft neue Produkte bekommen werden, die auch neue Märkte generieren werden. Also auch der Maschinenbau bleibt wichtig.

fluid: Sie sind Hersteller und Händler. Wie ist da derzeit die Aufteilung?

Ronald Steinhauser: Unser strategisches Ziel ist 50:50 zwischen Handel und Systemgeschäft. Durch die Krise im vergangenen Jahr haben die Systemlösungen etwas gelitten, deshalb liegen wir heute tendenziell Richtung 40 % Systemlösungen, 60 % Handelsumsatz.

fluid: Wie verbinden Sie ihre Geschäftsbereiche?

Sascha Wachtberger: Beide Bereiche lassen sich sehr gut kombinieren, weil wir aus den Handelsprodukten heraus, die wir für Partner exklusiv am Markt vertreiben, letztlich auch wieder Lösungen generieren. Wir nehmen qualitativ hochwertige Komponenten von Marktführern und veredeln das zu einer Idee, die wir gemeinsam mit den Kunden entwickeln. Damit haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Wir haben die Innovationskraft unserer großen Partner und wir haben unsere eigene Innovationskraft, die eines kleinen mittelständischen Unternehmens.

fluid: Was sehen Sie als Ihre größen Vorzüge? Was macht Winkelmann besser als andere?

Ronald Steinhauser: Schnelligkeit und Beweglichkeit. Lieferzeiten sind heute ein großes Thema. Kaum ein großer Lieferant wird auf Kundenwunsch mal schnell eine passende Lösung finden. Da ist der Mittelstand im Vorteil. Mit unserem neuen modularen System werden wir noch schneller: Aus Standardkomponenten können die Aggregate dann kundenspezifisch zusammengestellt werden.

www.hans-e-winkelmann.de