700 Gramm wiegt die Hardware, die im Waggon Informationen sammelt. Mit einer eigenen Batterie

700 Gramm wiegt die Hardware, die im Waggon Informationen sammelt. Mit einer eigenen Batterie ausgestattet, ist sie unabhängig von externer Energieversorgung (Bild: Bosch).

Bosch vernetzt Güterwaggons und macht sie zum Teil des Internets. Der Technologiekonzern hat ein neues System zur Zustandsüberwachung für den Schienengüterverkehr entwickelt. Das System umfasst Hardware aus der automobilen Großserie des Anbieters, die an den Waggons angebracht wird. Sensoren liefern Daten wie die exakte Position, Erschütterungen und die Temperatur im Laderaum. Diese Informationen werden an einen Server übertragen und ausgewertet. „Mit unserem System wird ein Güterzug zum digitalisierten und intelligenten Transportmittel“, sagt Bernhard Bihr, Geschäftsführer Bosch Engineering.

Seit Februar 2015 sind erste Güterwagen unter anderem bei der SBB Cargo in der Schweiz mit dem System ausgestattet und die vielfältigen Funktionen werden im Flottenbetrieb getestet und weiterentwickelt. Die so gewonnen Erkenntnisse helfen den Ingenieuren des Unternehmens, das System für den Start der Serienproduktion Ende 2015 vorzubereiten.

Schienen-Gütertransport nimmt zu

Auf nahezu 40.000 Kilometern Schienennetz wurden in Deutschland im Jahr 2013 insgesamt 374 Millionen Tonnen meist schwere Güter wie Stahl, Kies und Kohle transportiert, Tendenz steigend. Und auch für Autotransporte zu großen Seehäfen ist der Güterzug ein wichtiges Transportmittel. Güterwaggons haben heute allerdings weder eine eigene Energieversorgung noch eigene Sensoren, denn Eisenbahntechnik muss aufgrund der hohen Anforderungen in Sachen Vibrationen, Temperatur, Schmutz und Feuchtigkeit besonders robust und einfach sein.

Um die Güterwaggons zu einem Teil einer vernetzten Logistikkette zu machen, stattet Bosch sie zukünftig mit einem System zur Zustandsüberwachung aus. „Wir machen Güterwagen zum Teil des Internets. Damit schaffen wir mehr Transparenz in den Logistikketten zwischen Schiene, Straße und Wasserstraße und helfen, das erhöhte Transportaufkommen im Güterverkehr effizienter zu bewältigen“, erklärt Bihr.

Vernetzung in der Logistik: Schienenverkehr, Güterwaggons über Internetportal verbunden

Anwender rufen die Daten über ein Internetportal ab und wissen so beispielsweise nicht nur, wo sich ihre Waggons befinden, sondern auch ob bei verderblichen Waren die Kühlkette eingehalten wurde (Bild: Bosch).

Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten

Das neue System sammelt während der Fahrt Informationen, übermittelt sie an Datenbanken und wertet sie aus. Damit sind neue Funktionen möglich: Durch die Übertragung der GPS-Position weiß ein Anwender beispielsweise zu jeder Zeit, wo sich seine Güterwagen befinden. Er kann sie orten und die Daten als Nachweis zur Abrechnung lärmabhängiger Trassenpreise nutzen.

Temperatursensoren liefern Informationen über die Transportbedingungen, beispielsweise ob die Kühlkette eingehalten wird. Zudem erkennen vernetzte Güterwagen Erschütterungen beim Rangieren, die sowohl Waggon als auch Ladung beschädigen können.

Werden die digitalen Informationen in IT-Systeme zur Steuerung von Logistikprozessen integriert, können Güterwagen besser disponiert und ausgelastet werden, Zuginformationen automatisch erstellt und Geschäftsprozesse automatisiert werden. Ebenso zeichnet das System die gefahrenen Kilometer eines Waggons auf, um Wartungen in Zukunft kilometer- und zustandsabhängig zu planen und umzusetzen.

Vernetzung in der Logistik: System für Güterwaggons und Güterzüge.

700 Gramm wiegt die Hardware, die im Waggon Informationen sammelt. Mit einer eigenen Batterie ausgestattet, ist sie unabhängig von externer Energieversorgung (Bild: Bosch).

Datenübertragung integriert

Das System besteht aus einer 700 Gramm schweren Hardware, in die zahlreiche Sensoren eingebettet oder von außen angeschlossen sind. Durch eine integrierte Datenübertragung ist das System mit dem Internet verbunden. Die Informationen werden in einem Portal dargestellt und in die Geschäftsprozesse des Anwenders integriert.

Das System wurde als Nachrüstlösung für bestehende Güterwaggon-Fuhrparks entwickelt. Es arbeitet daher energieautark mit einer integrierten Batterie, die bis zu sechs Jahre hält. Das System kann jedoch auch in der Fertigung von Güterwaggons direkt in der Erstausrüstung eingebaut werden.