ke NEXT im Gespräch mit Klaus Böhmer von Contrinex, Bild: Contrinex

ke NEXT im Gespräch mit Klaus Böhmer von Contrinex. Bild: Contrinex

Nach der SPS IPC Drives im Herbst ist vor der Hannover Messe 2017: Was war Ihr Highlight auf der Messe in Nürnberg? Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Highlight von Contrinex auf der SPS war der neue Optosensor TRUC23, Bild: Contrinex
Highlight von Contrinex auf der SPS war der neue Optosensor TRUC23. Bild: Contrinex

Wir haben auf der SPS IPC Drives einen neuen optischen Sensor für die Detektion transparenter Objekte vorgestellt. Das war für uns natürlich das Highlight. Der Sensor arbeitet mit einer Lichtquelle im UV-Bereich. Der Clou dabei ist, dass sowohl Glas, aber auch dünne durchsichtige Folien dieses Licht stark absorbieren und wir folglich ein starkes Signal bekommen. Dadurch können wir ohne komplizierte Voreinstellung transparente Objekte zuverlässig erfassen. Das erhöht die Prozesssicherheit und verlängert die Wartungszyklen.

Auf der Messe in Nürnberg stand nach meiner Beobachtung die Industrie 4.0 klar im Mittelpunkt. Bei den Sensorherstellern ist in diesem Bereich IO-Link das führende Medium. Diese Schnittstelle wird mittlerweile weltweit von Sensorherstellern verfolgt. Es zeichnet sich also ab, dass IO-Link der führende Standard wird für die Kommunikation zwischen Sensoren und Steuerungen. Das war auch auf der Messe zu erkennen.

Das neue ist also das alte Trendthema. Wie definieren Sie denn Industrie 4.0?

Für uns ist das Thema in erster Linie eine Frage der durchgängigen Kommunikation zwischen verschiedenen Komponenten. Das können Teile von ganz unterschiedlicher Komplexität sein. Dies reicht vom einfachen Sensor, über Maschinenmodule bis hin zu einer ganzen Fabrik. Die Vernetzung solcher Komponenten führt wiederum zu neuen Möglichkeiten bei der Prozesssteuerung, Wartung und Diagnose und schließlich zu Effizienzsteigerungen. Hier sehe ich großes Potenzial für uns, denn schon heute generieren wir in Sensoren eine Menge Daten, die schlicht nicht genutzt werden.

Industrie 4.0 bedeutet , dass immer mehr Sensoren verbaut und vernetzt werden. Als Sensorhersteller sind Sie gewissermaßen an vorderster Front mit dabei. Wer Sensoren macht, macht deshalb schon immer Industrie 4.0?

Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Als Chief Sales Officer sage ich: Wir bieten schon seit Jahren intelligente Sensoren für Industrie 4.0 an. Das liegt daran, dass wir schon seit längerem mit IO-Link arbeiten. Als Chief Technology Officer muss ich leider feststellen, dass wir uns noch immer in einer gewissen Definitionsphase befinden. Dadurch dass die Schnittstellen noch nicht fertig spezifiziert sind, stehen wir mit den smarten Fabriken und damit einer vernetzen Industrie noch am Anfang einer Entwicklung mit großem Potenzial.

Es ist also schon einiges an Intelligenz in Maschinen verbaut. Wird das denn auch wirklich genutzt? Wird vielleicht manches verbaut, was für den Anwender erst in Zukunft relevant wird?

Eine interessante Frage. Es ist extrem viel Intelligenz verbaut. Ich schätze aber, dass nur etwa 30 Prozent der verbauten Leistung tatsächlich auch genutzt wird. Wir könnten da heute schon viel mehr aus diesem Potential machen. Das ist in erster Linie eine Frage der Vernetzung. Hochinteressant, denn wenn die dezentral heute schon vorhandene Intelligenz vernetzt wird, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten um Prozesse in Zukunft wesentlich besser steuern zu können.

Stichwort Definitionsphase: ABB, Bosch Rexroth, B&R und andere kündigten auf der SPS eine technische Zusammenarbeit im Rahmen des Industrial Internet Consortiums (IIC) und der OPC Foundation an. Denken Sie, OPC UA wird sich als führender Standard durchsetzen?

Dazu zunächst eines: Es läuft ja derzeit das Kooperationsprojekt openAAS der RTWH Aachen und des ZVEI. Dieses baut auf OPC UA auf. Deshalb halte ich die Wahrscheinlichkeit für sehr hoch, dass sich OPC UA als weltweiter Standard durchsetzen wird.

Wie sehen Sie denn die globale Entwicklung? Welche Rolle spielt Asien, welche die USA unter einem neuen Präsidenten?

Wir sehen in den USA, dass bereits seit ein bis zwei Jahren unabhängig vom neuen amerikanischen Präsidenten eine Entwicklung losgetreten wurde, die nicht mehr aufzuhalten ist. Das Internet of Things ist dort im Consumer-Bereich allgegenwärtig. Nun beobachten wir, dass die amerikanischen Unternehmen das Thema Internet of Things mit viel Energie auf die industrielle Ebene bringen und somit den Industrie 4.0 Gedanken verfolgen. Das betrifft in erster Linie die führenden amerikanischen Automatisierer.Das Thema Industrie 4.0 ist also nicht zu stoppen.

In Asien sieht man die Japaner in der Führungsrolle. Initialzündung war sicher Toyota mit der Ankündigung auf der Hannover Messe 2016, auf Ethercat und IO-Link zu setzen. Einige japanischen Hersteller haben zum Teil schon entsprechende Komponenten im Programm und die anderen Automatisierer ziehen nach. Industrie 4.0 hat die ganze Welt erfasst. Daran kann eine neue politische Führung, in welchem Land auch immer, nichts ändern. Ich bin mir sicher, dass dieser Trend weltweit erfolgreich fortgesetzt wird.