Bob Linkenbach, Vipa

„Wir verlassen den Siemens-kompatiblen Weg und entwickeln eigene Innovationen bis hin zu einer neuen Software-Suite.“ Bob Linkenbach, Vipa

Vipa ist seit vier Jahren im Besitz eines japanischen Großunternehmens. Was ist Vipas Rolle innerhalb des Konzerns?
Yaskawa hatte früher, in den 1990er-Jahren, bereits Steuerungstechnik. Die wurde aber später komplett aufgegeben, das Unternehmen hat sich auf Antriebstechnik und Robotik konzentriert. Heute geht es aber stärker darum, dem Kunden eine komplette Lösung anzubieten. Das heißt, Vipa ist zum einen der Teil, der die SPS-Technologie ins Portfolio mit einbringt – das ist eine wichtige Aufgabe. Außerdem sind wir in vielen Bereichen wichtige Technologieträger. Wir sind stark im ASIC-Design, wir beherrschen all die europäischen Feldbusse, die zukünftig auch im Yaskawa-Portfolio direkt integriert werden sollen. Der dritte Aspekt ist: Vipa hat eine gute Markenbekanntheit in Deutschland und in Europa. Yaskawa wiederum hat erst vor wenigen Jahren angefangen, sich hier in Europa selbstständig am Markt zu präsentieren. Wir wollen also über unsere Markenbekanntheit letztendlich auch Yaskawa im deutschen Maschinenbau bekannter machen.

War es schwierig, sich in ein Konzernumfeld einzufügen?
Nun, als typischer Mittelständler kamen neue Anforderungen auf uns zu, was das Reporting angeht. Das Thema Compliance hat einen sehr hohen Stellenwert und es ist natürlich auch so, dass Entscheidungsprozesse anders laufen. Das hat aber vornehmlich das Management betroffen, die normalen operativen Mitarbeiter haben von den Umstellungen weniger mitbekommen. Was sehr positiv ist: Yaskawa und eigentlich viele japanische Unternehmen haben eine hohe Technikaffinität und Respekt vor technischer Leistung. Das merkt man.

ke-NEXT-Chefredakteur Wolfgang Kräußlich im Gespräch mit Bob Linkenbach
ke-NEXT-Chefredakteur Wolfgang Kräußlich im Gespräch mit Bob Linkenbach (rechts). Linkenbach ist seit 19 Jahren bei Vipa, seit 2010 gehört er zur erweiterten Geschäftsführung. Heute ist er Geschäftsführer von Vipa und zugleich Präsident der Yaskawa-Division Steuerungstechnik.

Wie sieht das im realen Leben aus?
Wir haben sehr viel Kontakt mit Japan. Die ASIC-Entwicklungstruppe dort und die hier bei uns, bei der Tochtergesellschaft Profichip, arbeiten eng zusammen. Alle neuen ASICs werden für den Konzern entwickelt und halten dann in allen Produkten Einzug, egal ob es jetzt ein Antriebsprodukt, ein Roboter oder eine Steuerung ist. Wir haben wöchentliche Telefonkonferenzen, und zweimal im Jahr gibt es die sogenannten Global Development Meetings, wo man auch über die Zukunftstechnologien spricht.

Was hat Sie im Fusionsprozess am meisten überrascht und was sehen Sie als Ihren größten Erfolg an?
Überraschend für uns war die Ankündigung, dass Yaskawa die Dynamik und Flexibilität eines Mittelständlers erhalten wollte. Noch mehr überrascht hat uns, dass das auch wirklich umgesetzt wurde. Eine zweite Sache, die für mich sehr überraschend war, ist, dass alle Mitarbeiter an Bord geblieben sind. Es hat so gut wie keiner das Unternehmen verlassen, was ungewöhnlich ist, da die meisten deshalb bei Vipa waren, weil sie eben nicht für einen Konzern arbeiten wollten. Als größten Erfolg sehe ich die hohe Reputation, die wir mittlerweile innerhalb des Unternehmens haben. Was unseren Bereich angeht, sind wir im Grunde das zweite Technologiezentrum – und das außerhalb von Japan. Das gab es in der fast hundertjährigen Geschichte bei Yaskawa noch nicht. Alle Kerntechnologien wurden bisher ausschließlich in Japan entwickelt. Diese Reputation zu haben, bis in den Vorstand hinein, also das ist schon ein Erfolg, den wir uns wirklich hart erarbeitet haben.

Was ist Ihre wichtigste Aufgabe der kommenden zwölf Monate?
Wir haben einige neue Produkte entwickelt, die wir im Markt etablieren wollen. Wir gehen hier andere Wege: Die neuen Entwicklungen sind nicht mehr hardwarekompatibel zu Siemens. Was wir aber beibehalten, ist die Software-Kompatibilität, damit die Kunden einfach umsteigen können. Auf der SPS zeigen wir hierzu eine kleine Kompaktsteuerung, die auch vom Design sehr eigenständig ist. Auf dieser Basis wird es dann eine komplette Produktfamilie geben, bis in den mittleren und oberen Leistungsbereich. Als zweites wichtiges Projekt haben wir eine eigene Software-Suite entwickelt. Sie wird sich intuitiv bedienen lassen und beim Thema Diagnose und Debugging haben wir sehr interessante Optionen eingebaut. Eine weitere Besonderheit ist, dass man einen vorhandenen Step7-Code weiterverwenden kann. Zu guter Letzt: Wir ändern unser Branding und Logo. Aus Vipa wird Yaskawa Vipa Controls, aus grün wird blau. Auch das wird auf der SPS zu sehen sein. Sie sehen, da ist viel zu tun.