System Multilog IMx-8, Bild: SKF

Zustandsüberwachung zur See: Ein Feldtester hat mit SKFs neuem Condition Monitoring-System Multilog IMx-8 schon vielversprechende Erfahrungen gesammelt. Bild: SKF

Schwerwiegende Maschinenschäden sind so ziemlich das Letzte, was man auf hoher See braucht: Derartige Zwischenfälle bedeuten oft genug extrem zeit- und kostenintensive Anfahrten zum – beziehungsweise Aufenthalte im – Trockendock sowie teure Reparaturen – Konsequenzen, die jedes Schifffahrtsunternehmen angesichts des knallharten globalen Wettbewerbs lieber meidet.

Eine wirksame Maßnahme gegen solch unliebsame Überraschungen ist die permanente Zustandsüberwachung der Anlagen an Bord: Die Maschinen werden mit Sensoren ausgestattet, deren Messwerte frühzeitig auf sich anbahnende Probleme aufmerksam machen. Eines der gebräuchlichsten Verfahren ist dabei die Schwingungsüberwachung, die sich quasi als grundleger „Gesundheits-Check“ für eine Vielzahl von Anlagen eignet.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Multilog IMx-8, Bild: SKF
Ebenso kompakt wie leistungsstark: Das einfach per App zu bedienende Zustandsüberwachungssystem Multilog IMx-8 von SKF. Bild: SKF

Im Falle eines Schiffsbetreibers hatten ernsthafte Probleme mit den Lagern eines Untersetzungsgetriebes wiederholt zu umfangreichen Schäden geführt. Aufgrund dessen entschied sich das Unternehmen, auf zwei Schiffen seiner Flotte ein passendes Zustandsüberwachungssystem einzuführen: Das neue SKF Multilog Online-System IMx-8. Das ebenso kompakte wie leistungsstarke Gerät lässt sich an Bord autonom betreiben, kann aber auch als eine Art Gateway zu hochprofessionellen Zustandsüberwachungs-Services via Cloud genutzt werden.

Der kleine Kasten im Tablet-Format verfügt über acht frei programmierbare Kanäle. Das mag – im Vergleich zu den 16 beziehungsweise 32 Kanälen größerer Systeme – zunächst wie ein Rückschritt klingen. Allerdings bringt die kompaktere Konstruktion eine ganze Reihe anwendungsspezifischer Vorteile mit sich. Beispielsweise lässt sich das Online-System viel näher an der zu überwachenden Anwendung installieren, sodass unter anderem deutlich weniger Verkabelung erforderlich ist. Das gilt auch für die Stromversorgung des Geräts, für die ein Ethernetkabel vollkommen ausreicht (Power over Ethernet; PoE). Wegen seiner geringen Außenabmessungen benötigt es auch keine voluminösen Schaltschränke. Außerdem ist es für den Einsatz vor Ort robust genug und erfüllt die strengen Umweltvorgaben, die von den Klassifikationsgesellschaften bei Typenzulassungsprozessen auferlegt werden.

Remote Diagnostic-Netzwerk, Bild: SKF
Stets zur Hand. Bild: SKF

Dank solcher Spezifikationen eignet sich das System bestens für Anwendungen mit begrenzten Platz- oder unvorteilhaften Verkabelungsverhältnissen, wie sie oft im Falle kleiner Bugstrahlruder oder Untersetzungsgetriebe zu finden sind. Trotz seines kleinen Formats steckt in der Lösung von SKF aber ein riesiger Speicher: Seine vier Gigabyte bieten genügend Kapazität, um die Maschinendaten und -ereignisse eines ganzen Jahres zu sichern. Ein solches Backup kann sich auch dann als äußerst wertvoll erweisen, wenn unterwegs mal die Online-Verbindung zur Cloud verloren geht. Weil sich das Gerät auch noch per App einrichten und auslesen lässt (via Bluetooth), ermöglicht das System seinem Nutzer einen anwenderfreundlichen Einstieg in die Welt der Zustandsüberwachung.

Wissen via Cloud

Im derzeit noch laufenden Feldtest kümmert sich das System um den „Gesundheitszustand“ von Getrieben: Seit November 2016 erfasst die entsprechende Onboard-Installation Schwingungsdaten an betriebswichtigen Punkten. Diese Daten geben unter anderem Aufschluss über eventuelle Lagerprobleme oder auch Fehler beim Zahneingriff. Außerdem ist das System in der Lage, Unwucht und Fehlausrichtungen zwischen Generator und Welle festzustellen.

Weil hinter gewissen Problemen in dieser Anwendung die unterschiedlichsten Ausfallursachen stecken können, ist es umso wichtiger, sowohl über geeignete Kontrollmöglichkeiten als auch über spezielles Anwendungswissen zu verfügen. Da ein solches Know-how an Bord aber nicht immer vorhanden ist, hat der Schiffsbetreiber seine Multilog-IMx-8-Online-Systeme mit der SKF One Global Cloud vernetzt: Via Cloud können die erfahrenen Zustandsüberwachungsexperten in den Remote Diagnostics Centres von SKF die an Bord erfassten Daten nicht nur fernüberwachen, sondern auch fernanalysieren. Dadurch erhalten sie ein umfassendes Bild vom aktuellen Maschinenzustand. Sollte sich dieser Zustand verschlechtern, können die Experten den Kunden rechtzeitig mit entsprechenden Berichten oder gar kompletten Maschinenanalysen versorgen. Neben den reinen Ergebnissen erhält die Crew von SKF außerdem klare Empfehlungen für geeignete (Gegen-)Maßnahmen.

Durch diese Art der Zusammenarbeit kann der Schiffsbetreiber nun seinen eigenen Reifeprozess bei der Instandhaltung vorantreiben. Denn das neue Konzept versetzt den Kunden in die Lage, auf Basis der frühzeitigen Fehlererkennung auch die Planung der erforderlichen Instandhaltungsarbeiten zu optimieren. Das vermeidet nicht nur unnötigen Stress, sondern minimiert auch unnötige Kosten: Weil er von einer rein zeitbasierten zu einer zustandsabhängigen Instandhaltung übergehen kann, sieht sich der Schiffsbetreiber erstmalig im Stande, die Intervalle zwischen den einzelnen Maßnahmen zu verlängern, ohne dadurch ein höheres Risiko einzugehen.

Unter dem Strich profitiert der Feldtester schon jetzt von einer verbesserten Zuverlässigkeit seiner beiden Getriebe. Ergo steigt die Effizienz der entsprechenden Schiffe – den Sensoren und Zustandsüberwachungssystemen an Bord sowie dem Know-how der SKF Experten im weltumspannenden Remote-Diagnostic-Netzwerk sei Dank. jl

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