Rauchkammer Rügenwalder Mühle

Die Rügenwalder Teewurst wird lange in Rauchkammern geräuchert. / Bild: Rügenwalder Mühle

Nicht nur das Metzgerhandwerk hat bei der Rügenwalder Mühle eine lange Tradition. Für das Familienunternehmen, das seit über 180 Jahren besteht, ist auch die Nachhaltigkeit ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskultur. Das im Mai 2013 nach DIN ISO 50001 zertifizierte Energiemanagementsystem ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Baustein für einen nachhaltigen Umgang mit Energie.

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Rügenwalder Mühle
Reifekontrolle bei der Rügenwalder Teewurst. / Bild: Rügenwalder Mühle

„Bei der Implementierung des Systems wurde geschaut, wo sich im Produktionsprozess noch Energie einsparen lässt. Die Lüfterantriebe für die Rauchkammern wurden dabei als eine Möglichkeit ausgemacht“, sagt Walter Strömer. Die Einführung und Etablierung des Energiemanagements bei der Rügenwalder Mühle ist ein Schwerpunkt des Elektrotechnikers.

In den Rauchkammern wird vorwiegend die bekannte Rügenwalder Teewurst geräuchert. Die Teewurst von der Rügenwalder Mühle besteht aus reinem Schweinefleisch. Nach dem Zerkleinern werden die Rohstoffe gesalzen, gewürzt und in Wurstdärme abgefüllt. Ihre Reife und den typischen Rohwurstgeschmack erhalten die Würste durch Salzen sowie durch sehr langsames Trocknen und Räuchern. „Die Teewurst ist eine kleine Diva. Sie verzeiht keine Fehler“, betont Thomas Wittkowski, der die Geschäftsleitung Produktion bei der Rügenwalder Mühle innehat.

„Die Rauchkammern sind das A und O für die Qualität der Teewurst. Wenn dort Fehler auftreten, können einige Tonnen Wurst unbrauchbar werden“, sagt Walter Strömer. Der Standort verfügt über dreißig Rauchkammern mit einem Fassungsvermögen von 7000 bis 22.000 Würsten.

Bei dem Unternehmen wird handwerkliche Tradition groß geschrieben. Deshalb wird die Rügenwalder Teewurst ganz traditionell mit Buchenholz geräuchert. Buchenholz eignet sich dafür besonders, weil es beim Verglimmen milden, aromatischen Rauch erzeugt, der sehr gut von der Teewurst aufgenommen werden kann.

Synchronreluktanzmotoren ersetzen polumschaltbare Motoren

ABB
Die Rügenwalder Mühle erzielt mit dem ABB-Antriebspaket mit Synchronreluktanzmotor Energieeinsparungen bei den Lüfterantrieben für die Rauchkammern. / Bild: ABB

Der Buchenrauch wird in sogenannten Raucherzeugern erzeugt und mit Lüftern in die Kammern mit dem Räuchergut geblasen. Die Lüfter wurden seit 1992 von zweistufigen, polumschaltbaren Asynchronmotoren angetrieben. Um spürbare Energieeinsparungen zu erzielen, sollten die älteren Motoren durch moderne IE4-Motoren ersetzt werden. Strömer: „Ein Wechsel machte Sinn. Wir hatten ausgerechnet, was ein IE4-Motor an Energieeinsparung bringt. ABB war mit dem Synchronreluktanzmotor damals der einzige Hersteller, der einen 11-Kilowatt-Motor anbieten konnte.“ Für das Unternehmen ist es selbstverständlich, bei technischen Änderungen auf modernste Technik wie den Synchronreluktanzmotor zu setzen. „Wir versuchen stets auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. Bei technischen Änderungen werden solche Lösungen umgesetzt, die absehbare Amortisationszeiten versprechen.“

Der ABB-Synchronreluktanzmotor verfügt über einen neuartigen Rotor, der mit einem konventionellen Stator kombiniert ist. Der Rotor kommt im Gegensatz zur herkömmlichen Synchronmotor-Konstruktion ohne Magnete oder Wicklungen aus. Rotorbedingte Leistungsverluste, die rund vierzig Prozent der Energieverluste eines Elektromotors ausmachen, gibt es dadurch fast keine mehr.

Der Synchronreluktanzmotor benötigt wie ein Permanentmagnetmotor grundsätzlich einen Frequenzumrichter für die Regelung. Bei der Rügenwalder Mühle sind dies Single-Drive-Frequenzumrichter Drive ACS880. Ihre Performance basiert auf der direkten Drehmomentregelung (Direct Torque Control, DTC), einem optimierten Verfahren zur Motorregelung.