Deutsche Hydraulik in russischen Maschinen 1

Viel Potenzial bescheinigt der Fachverband Bau- und Baustoffmaschinen des VDMA demViel Potenzial bescheinigt der Fachverband Bau- und Baustoffmaschinen des VDMA dem russischen Markt für mobile Arbeitsmaschinen. Auch wenn dieser im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen ist. russischen Markt für mobile Arbeitsmaschinen. Auch wenn dieser im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen ist.

Die Hauptkunden des russischen Mobilhydraulik-Markts sind Unternehmen für Landwirtschaftsmaschinen- und Straßenbaumaschinenproduktion, und sie machen heute harte Zeiten durch. Laut Angaben des russischen Verbands der Maschinenbauer betrug der Produktionsrückgang bei den Unternehmen im Traktoren-, Landwirtschaftsmaschinen-, Forstwirtschaftsmaschinen-, Kommunalmaschinenbau und in der Straßenbaumaschinenindustrie durchschnittlich 49,1 Prozent in 2009 gegenüber 2008. Der höchste Rückgang wurde bei folgenden Erzeugnis- und Produktionsarten festgestellt:

  • Straßenbaumaschinen, -70,4 Prozent
  • Hub-, Transportanlagen und Fördertechnik, -61,9 Prozent
  • Technik und Maschinen für städtische Kommunalwirtschaft, -56 Prozent
  • Landwirtschaftsgeräte, -52,5 Prozent.

Erst ab Dezember 2009 wirkten sich die Antikrisenmaßnahmen der Regierung aktiv aus. Trotzdem liegen in Russland noch über 9600 Maschinen und Anlagen auf Lager – davon über 86 Prozent Maschinen der Agrartechnik wie Mähdrescher, Vollerntemaschinen, Anhängelandwirtschaftsgeräte und Traktoren.

Noch 2008 wurde der Umfang des russischen Markts für Straßenbautechnik auf fünf Milliarden US-Dollar geschätzt, der jährliche Zuwachs betrug 40 Prozent und wurde hauptsächlich durch Importlieferungen erzielt. Einheimische Hersteller hatten einen Anteil von 52 Prozent.

Der Markt für große Landwirtschaftsmaschinen (Erntemaschinen, Mähdrescher und Traktoren) verringerte sich bereits 2008 um 28 Prozent. Dieser Rückgang war vor allem durch die Verringerung von Importen gekennzeichnet. Die Traktorenlieferungen aus dem Ausland waren um das Zehnfache gesunken. Die weltweite Krise hat die schwierige Situation für die russischen Hersteller der Mobilhydraulik nun noch verschlimmert.

Hauptexportländer Deutsche Baumaschinen 2008 und 2009 in Mio Euro

 

Schwierige Historie

Der Hydraulikantrieb ist schon lange eine der Schwachstellen der russischen Technik. Niedriges Qualitätsniveau, überholte Modelle, nicht vollständige Produktlinien und Fertigungsprogramme sind die Hauptursachen dafür, warum die russischen Kunden ausländische und nicht einheimische Produkte und Erzeugnisse wählen. Nicht nur die Produktion von komplizierten Aggregaten und Anlagen, sondern auch die Produktion von so einfachen Bauteilen wie Dichtungen und Anschlussarmaturen hoher Qualität ist in russischen Werken derzeit problematisch.

Im Vergleich zu den alten sowjetischen GOST-Normen sind die gegenwärtigen russischen Normen in Bezug auf die Sauberkeit der Innenflächen der Hochdruckölleitungen nicht so streng. Darum führt der Betrieb ausländischer Hydraulikverteiler und Wegeventile zusammen mit russischen Hochdruckölleitungen fast immer zum Ausfall der Anlagen wegen Verunreinigung der Kolbenpaare und der Wegeventile.

Exporte Deutsche Baumaschinen nach Russland 2001 – 2009 in Mio Euro

Schwachstelle Hydraulikantrieb

Zu Schwachstellen des russischen Hydraulikantriebs kann man auch heute noch fast alle Komponenten und Teile von Hydrozylindern über Filter und Hydroverteiler, bis zu Steuereinheiten rechnen. Es bestehen auch schwerwiegende Rückstände bei der Entwicklung proportionaler elektro-hydraulischer Antriebe.

Russland hat mehrere Betriebe mit vollständigem Produktionszyklus von der UdSSR übernommen. Dort wurden die meisten Bauteile für ein eigenes Endprodukt selber produziert. In den vergangenen Jahrzehnten waren diese Riesenbetriebe allerdings nicht imstande, Bauteile und Vorrichtungen weiter zu entwickeln oder die Qualität zu steigern.

Nur vier bis fünf Prozent der russischen Unternehmen beschäftigten sich mit der Einführung von Innovationslösungen, so Michail Bolotin, Vorsitzender des Komitees für Traktoren-, Landwirtschaftsmaschinen-, Forstwirtschaftsmaschinen-, Kommunalmaschinenbau und Straßenbaumaschinenproduktion des russischen Verbands der Maschinenbauer. Versuche, die Hydraulik voran zu bringen, wurden mehrmals vorgenommen.

In den Perestrojka-Jahren hatte man versucht, Konversionsverfahren einzusetzen. Hochpräzise Kennwerte, Qualitätsniveau und Sicherheit der Bauteile des Hydraulikantriebs wurden dabei durch komplizierte Techniken und Produktionsverfahren sowie durch die Anwendung exklusiver Werkstoffe erzielt. Dies erhöhte allerdings die Kosten, was zu Absatzschwierigkeiten führte.

In den 1970er und -80er Jahren wurden mehrere moderne Produktionslinien und Werke in der UdSSR geschaffen, in denen hydraulische Axialkolbenmaschinen auf der Basis von Lizenzen und Fertigungseinrichtungen aus der BRD produziert werden konnten. So hat Constantin Ranch die Produktionsunterlagen für regelbare Hydro-Gigant-Hochdruck-Axialkolben-Pumpen und für unregelbare Hydro-Gigant-Hochdruck-Axialkolben-Motoren mit geneigt angebautem Angle-Zylinderblock zur Verfügung gestellt, Mannesmann Rexroth hat Produktionsunterlagen für eine Baureihe regelbarer AIV-Hydraulikpumpen und -motoren mit geneigt montierter In-line-Scheibe geliefert. Von Sauer-Sundstrand kamen Unterlagen für hydrostatische Verdrängermaschinen mit geneigt angeordneter Schrägscheibe.

Diese Lizenz-Hydraulikmaschinen werden in Russland auch heute weiter produziert. Bosch Rexroth gehört hierbei weiter zu den wichtigsten Lieferanten im russischen Hydraulikmarkt. Seit 1990 arbeitet das Unternehmen mit den Hauptproduzenten der Straßenbau-, Landwirtschafts- und Kommunalmaschinen zusammen.

Probleme durch billige Komponenten
Mittlerweile versuchen einige russische Betriebe einen Ausweg aus dieser Situation zu finden, indem sie Mobilhydraulik-Komponenten in Lizenz oder unter Anwendung von Importteilen produzieren. Einige einheimische Unternehmen beherrschen westliche Techniken und Produktionsverfahren für die Hydrozylinderproduktion unter Anwendung von Import-Zulieferteilen (verchromte Stäbe für Schäfte und Stöcke, gehonte Rohre, Kolben, Dichtungen).

Probleme entstehen dabei immer wieder, wenn als Komponenten für die Hydrozylinderproduktion für die unter schwierigen Betriebsbedingungen funktionierende Mobilhydraulik billigere Mehrzweckprodukte verwendet werden. Immer wieder werden Fehlstücke und mangelhafte Produkte gekauft. Das bezieht sich insbesondere auf verchromte Stäbe für die Hydrozylinderproduktion. Die Chromschichtdicke bei einigen Losen liegt oft weit unter dem normalen Wert, manchmal kann die Verchromung überhaupt fehlen.

Wenn solche Produkte für die Produktion von Hydrozylinderstöcken für die im Kontakt mit dem Schnee arbeitenden Straßenreinigungs- und Straßenräumungsmaschinen eingesetzt werden, tritt bereits nach ein paar Monaten Korrosion auf. Eine ähnliche Situation gibt es bei gehonten Rohren – es kommen Lieferungen vor, bei denen die Rohre der Länge nach verdreht sind oder ein unzulässiges Maß haben.

Daher setzen qualitätsbewusste russische Hersteller bei Hydraulikkomponenten immer noch auf deutsche Qualitätsware. Der russische Markt ist somit für deutsche Exporteure interessant und wird es auch mittelfristig bleiben.

 

Statement von Bosch Rexroth zum russischen Markt für mobile Arbeitsmaschinen
Verbesserungen in der Funktionalität
„Der russische Markt für mobile Arbeitsmaschinen ist für Rexroth ein sehr interessanter, wenn auch nicht immer leichter Markt. Wachsende technische Herausforderungen gehen einher mit finanziellen Schwierigkeiten unserer russischen Partner in Folge der Krise. Fast alle großen OEMs im Bereich mobile Arbeitsmaschinen haben, getrieben auch durch veränderte russische Zollbestimmungen, eigene Fertigungen im Land aufgebaut, beziehungsweise sind Kooperationen mit russischen Herstellern eingegangen.

Wachsendes chinesisches Engagement in Russland, ob als Lieferant von Komponenten oder als Hersteller kompletter Maschinen, wird die Bedingungen ebenfalls verändern. Rexroth arbeitet mit fast allen russischen Herstellern von Bau- und Straßenbaumaschinen sowie von Land- und Forstmaschinen zusammen. In dieser engen Zusammenarbeit auf allen Ebenen, gepaart mit technisch hochwertigen Erzeugnissen sowie technologisch anspruchsvollen Lösungen, sehen wir die Grundlage unseres weiteren Wachstums im russischen Mobilmaschinenmarkt.

Dadurch, dass die russische Wirtschaft in vielfältiger Form mit der Weltwirtschaft verzahnt ist, spiegeln sich technische Trends in zunehmendem Maße auch in den Anforderungen unserer Kunden wider. Auch in den russischen mobilen Arbeitsmaschinen zeichnet sich eine immer engere Verzahnung von Hydraulik und Elektronik für die Fahr- und auch für die Arbeitsfunktionen ab. Energieeffizienz, Umweltschutz, Kostenreduzierung über die gesamte Lebensdauer einer Maschine und deutliche Verbesserungen in der Funktionalität sind Themen, die im russischen Mobilmaschinenbau auf der Tagesordnung stehen.“

Dr. Udo Haker
Vertrieb International Mobilhydraulik,
Vertriebsleiter
Mittel-/Osteuropa

Statement des VDMA: Marktpotenzial für mobile Maschinen in Russland
Russland setzt auf deutsche Qualität
„Russland ist für die deutschen Hersteller von mobilen Maschinen ein sehr attraktiver und strategisch wichtiger Markt, der dazu noch vor unserer Haustür liegt. Das Land ist groß und die Regierung drängt auf eine umfassende Modernisierung. Wir sehen einen immensen Bedarf vor allem in der Infrastruktur, im Wohnungsbau und in der Baustoffindustrie. Moderne Ausrüstungen und Maschinen sind dafür eigentlich ein Muss. Bis 2008 lief der Baumaschinenmarkt für uns auch erfreulich rund. Sprudelnde Einnahmen aus der russischen  Öl- und Gasindustrie sicherten die Finanzierung vieler Projekte. Die deutschen Baumaschinenexporte nach Russland schnellten von 2004 bis 2008 kontinuierlich in die Höhe, zuletzt auf über eine Milliarde Euro.

Dann schlug die Wirtschaftskrise voll zu, vor allem in der Bauindustrie. 2009 war der russische Markt für mobile Maschinen praktisch tot. Anzeichen für eine tragende Erholung sehen wir heute noch nicht. Der Staat investiert kaum noch, mit Ausnahme in einige wenige Prestigeobjekte. Dazu gehören vor allem die Baumaßnahmen rund um die olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi. Dort soll in diesem Jahr der Bauboom beginnen. Unsere exportorientierte Branche hofft darauf.

Es ist vor allem die Kreditklemme, die die russische Wirtschaft daran hindert, wieder Fuss zu fassen. Selbst großen Unternehmen fällt es schwer Kredite zu bekommen. Für den Mittelstand ist es noch schwieriger. Ergo fehlen auch private Investitionen und die Binnennachfrage sinkt. Die Konsequenz haben wir 2009 zu spüren bekommen. Die Exporte von Neu-Maschinen von Deutschland nach Russland fielen dramatisch ab, um über 40 Prozent bei Landmaschinen und über 80 Prozent bei Baumaschinen, ebenso die Bestellungen. Allerdings haben Gebrauchtmaschinen aus der ganzen Welt den russischen Markt geflutet. Das schadet dem Neumaschinengeschäft zusätzlich. Wir müssen abwarten, ob sich mit dem Frühjahr die Bautätigkeit belebt und wie sich das auf die Nachfrage auswirkt. Erst dann ist eine Tendenz für das Gesamtjahr 2010 ablesbar.

Für die Baumaschinenhersteller, die derzeit den russischen Markt bearbeiten, gilt, wer kann, hält vor Ort durch. Wann die russische Wirtschaft wieder Fahrt auf nehmen wird, vermag keiner von uns wirklich seriös einzuschätzen, auch wenn alle erwarten, dass es schon in diesem Jahr wieder besser wird und wir mehr Aufträge aus Russland schreiben können.

Wir sind uns aber sicher, dass, wenn der Rubel wieder rollt, auch Ausrüstung made in Germany gekauft wird. Unsere russischen Kunden setzen auf deutsche Qualität und Verlässlichkeit und unsere traditionell gewachsenen Beziehungen. Schon deshalb bietet Russland auch für Neueinsteiger beste Voraussetzungen. Wer sich ausgezeichnet vorbereitet und nicht kurzfristig denkt, dem winken langfristig dort gute Geschäftschancen.“

Joachim Schmid
Geschäftsführer
VDMA Fachverband Bau- und Baustoffmaschinen