Schiffe im Hafen, Bild: Eaton

Auch während der Liegezeiten im Hafen benötigen Schiffe Strom an Bord. Dabei gibt es verschiedene Wege. Bild: Eaton

Wer heute eine Marina besucht, findet dort Yachten, deren elektrische Energieversorgung per Kabel über Versorgungssäulen der Liegeplätze sichergestellt wird. Diese Säulen versorgen die Schiffe mit Strom, Wasser sowie zum Teil mit Internet, Kabelfernsehen und Telefon, ohne dass die Bordmotoren in Anspruch genommen werden müssen. Dank dieser Dienste bieten die Wohnbereiche von Yachten den Passagieren während der Liegezeiten im Hafen heute Annehmlichkeiten, die denen eines Luxushotels ähneln.

Solche Versorgungssäulen sind heute nicht nur ausgeklügelt, sondern auch seetauglich und IEC-konform. Digitale Stromzähler messen die in Anspruch genommenen Dienste, und der Verbrauch kann vom Marinabetreiber fernüberwacht werden. Für den Schaltkreisschutz können sowohl Leitungsschutzschalter als auch FI/LS-Schalter zum Einsatz kommen. Sie schützen die Bediener vor Fehlerströmen und Erdschlüssen, die in Yachthäfen immer ein Problem darstellen.

Elektrische Nieder- und Mittelspannungsschaltgeräte und Systeme finden sich auch in viel größeren Installationen für Container- oder Passagierschiffe bis hin zu Megaschiffen. Der Stromverbrauch solcher Fahrzeuge auf See beträgt durchschnittlich bis zu 100 Megawatt. In der Regel erzeugen mit Diesel oder anderen Treibstoffen betriebene Motoren diese Leistungen. Liegen die Schiffe im Hafen, so benötigen ihre Motoren für Kühlung, Klimaanlagen, Beleuchtung, Catering, Security und andere Dienste rund um die Uhr ebenfalls zehn Megawatt. Diese Hafenleistung kann von Dieselmotoren nicht so leicht bereitgestellt werden, weil ihre Schwefeloxid, Stickoxid und Kohlendioxid-Emissionen die in vielen Häfen zulässigen Höchstwerte überschreiten.

Onshore in Europa demnächst Pflicht

Für die Stromversorgung im Hafen haben Schiffseigentümer derzeit die Wahl zwischen drei Möglichkeiten: Sie können Abgaswaschanlagen installieren, um die Dieselemissionen innerhalb der gesetzlich zulässigen Grenzwerte zu halten, ihre Motoren auf Flüssigerdgas (LNG) umstellen oder während ihres Aufenthalts im Hafen auf Onshore-Stromversorgung zurückgreifen. Da letztere teuer sein kann, neigen einige Schiffseigentümer dazu, in sogenannte Dieselwäscher zu investieren. Da diese die Anforderungen erfüllen müssen, die von den einzelnen Hafenbehörden auferlegt werden, ist die Abgasreinigung ein nicht immer einfach zu lösendes Problem.

Ein Umstieg auf LNG hat seine Vorteile, da dieser Treibstoff nur Kohlendioxid emittiert und daher als umweltfreundlicher gilt, was heute ein wichtiges Argument für das Markenimage der Betreiber ist. Sie können behaupten, dass ihre Schiffe auch auf hoher See immer „grün“ unterwegs sind. Die Umstellung auf Flüssigerdgas ist jedoch vor allem bei älteren Schiffen oft mit immensen Kosten verbunden.

Alles in allem bleibt die Onshore-Stromversorgung für viele Eigentümer die Methode der Wahl, und immer öfter ist sie auch die einzige Option. Häfen in Kalifornien und in vielen anderen Teilen der USA bestehen bereits auf Onshore-Stromversorgung, und in der EU wird sie ab 2025 verpflichtend sein. Dieses legt die Richtlinie 2014/94/EU über den Aufbau von Infrastruktur für alternative Kraftstoffe fest. Die Onshore-Variante sollte insbesondere in Häfen zum Einsatz kommen, in denen die Luftqualitätsgrenzwerte überschritten werden oder in denen die Lärmbelastung hoch ist.