Im Umgang mit Nanomaterialien muss der Wissensstand laut TÜV Süd permanent erweitert werden – nicht nur in der Elektrotechnik. Zwar bewege man sich keinesfalls im Bereich des vollständigen Nichtwissens, aber es gebe noch viele unkalkulierbare Risiken.

Die Nanotechnologie gilt als eine der Schlüsseltechnologien und Wachstumstreiber des 21. Jahrhunderts. Sie bietet in vielen Bereichen – etwa bei der Veredelung von Gehäusen und Schaltschränken – große Chancen. Gleichzeitig wird diese Technologie aber auch als unkalkulierbares Risiko eingestuft, denn noch ist nicht klar, wie sich Nanopartikel, die 1000 Mal kleiner sind als der vielgescholtene Feinstaub, langfristig auf unsere Gesundheit auswirken. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung weist in seiner Broschüre „Nano-Initiative – Aktionsplan 2010“ (http://www.bmbf.de/pub/nanoErgänzend zu der in ke 3/10 veröffentlichten Umfrage, die beschreibt, inwieweit Gehäuse- und Schaltschrankhersteller wie Rittal und Co. bei ihren Produkten auf die Nanoversiegelung setzen, gibt der vorliegende Beitrag überwiegend unabhängige Meinungen zum Thema Nanotechnologie wieder.

Gerhard Klein, Leiter Abteilung Risikomanagement bei TÜV Süd Industrie Service sagt: „Für die wichtigsten Stoffe existiert bereits eine Menge an Grundlagenforschung zu Reaktionsmechanismen und Toxikologie. Man bewegt sich also keinesfalls im Bereich vollständigen Nichtwissens. Der Wissensstand muss aber permanent erweitert werden.“ Klein empfiehlt auch, Abfälle mit Nanopartikeln vorsorglich als „gefährliche Abfälle“ einzustufen und diese zur Information des Abfallentsorgers zusätzlich zu kennzeichnen.

Laut der Firma Nanogate wird die Bedeutung der Nanotechnologie vor allem für Energieeffizienz und Klimaschutz in den kommenden Jahren signifikant zunehmen. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz eines Nanomaterials bei einem Hersteller von Wärmetauschern: Wärmetauscher können mit einer extrem dünnen und leistungsfähigen Oberfläche veredelt werden. Bei der Herstellung der Wärmetauscher sind in Sachen Materialauswahl wesentlich mehr Freiheitsgrade vorhanden, sodass beispielsweise statt Gussmaterialien künftig Aluminium eingesetzt werden kann. Dadurch verbessert sich der Wärmeübergang und es wird ein konstanter Wirkungsgrad des Systems erreicht.

Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen
Die Firma Pfannenberg liefert ihre Kühlgeräte unter anderem an Lohmeier Schaltschrank-Systeme und teilt mit, dass sie – wie viele andere Unternehmen im Bereich der Elektrotechnik – „gänzlich auf die Anwendung der Nanotechnologie verzichten.“ Rudolf Görz, Verkaufsleiter bei Pfannenberg, dazu: „Die Testergebnisse unserer Kunden mit unseren Schaltschrankkühlgeräten bestätigen, dass eine hohe Verfügbarkeit der Produktionsmaschinen oder Anlagen ohne die Anwendung von Nanotechnologie gegeben ist. Wir alle sollten Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen tragen und nicht in der Einfachheit neueste Technologien nutzen. Die in den letzten Jahrzehnten entstandenen Erkrankungen und Todesfälle durch Asbest sollten uns zur Vorsicht mahnen. Ich weiß wovon ich spreche, denn mein Vater ist an Asbestose erkrankt und vor 50 Jahren wusste man auch noch nicht um die Gefährdungen dieses Materials.“