Facelifting mit mehr Leistung 1

Mit der Einführung von Kompaktaggregaten für vollhydrostatische Antriebslösungen steigt Linde in die Leistungsklasse von 40 bis 120 PS ein. Die Ansteuerung erfolgt wahlweise über die bei Fahrantrieben im geschlossenen Kreis bewährten Verstellarten: hydraulisch oder elektrohydraulisch.

CVT-Getriebe für das obere Marktsegment, hydrostatische Antriebe für jene darunter: So ließ sich der Markt von Antrieben für Landmaschinen bislang in etwa umreißen. Was allerdings fehlte, waren solche für mittlere Leistungsbereiche. Genau für diesen Volumenmarkt entwickelte Linde Hydraulics eine Lösung, die ähnlichen Fahrkomfort bietet wie ein CVT-Getriebe, jedoch einfacher aufgebaut ist. Als Hauptkomponente der Entwicklung fungiert das Kompaktaggregat K-02, das bereits bislang in CVT-Getriebe eingebaut wurde, nun aber auch als Vollhydrostat für den Einbau in konventionelle Antriebsstränge genutzt wird.

Das Aggregat besteht aus einer Verstellpumpe des Bautyps HPV-02, die in Back-to-back-Anordnung direkt den angeschlossenen Konstantmotor HMF-02 mit Öl versorgt. Somit kann auf die sonst übliche Hochdruckverschlauchung verzichtet werden. Da das Aggregat direkt ans Getriebe angebaut werden kann, reduziert das den Platzbedarf für den Fahr- und Zapfwellenantrieb. Die Inline-Bauweise mit Hohlwelle erlaubt zudem direkte Drehmomentübertragung vom Antriebsmotor an die Zapfwelle. Von den konstruktiven Eigenschaften profitieren nicht nur Traktorenhersteller, sondern auch Anwender. Denn der vollhydrostatische Antrieb bietet erheblichen Zugewinn an Fahrkomfort und Leistungsvermögen. Er erlaubt präzise, stufenlose Kontrolle der Fahrgeschwindigkeit sowie effizientes, dynamisches Arbeiten mit Anbaugeräten. Dabei steht Leistung stets bedarfsgerecht am Fahr- und Zapfwellenantrieb bereit, die Verbindung von Hydrostat und Dieselmotor auf der Steuerungsebene sorgt dafür, dass in jedem Lastfall die benötigte Leistung aufgebracht wird.

Weniger Kraftstoffverbrauch
Im praktischen Einsatz bedeutet das: hohes Leistungsvermögen bei geringem Kraftstoffverbrauch in sämtlichen Betriebssituationen. Mit der Einführung von Kompaktaggregaten für vollhydrostatische Antriebslösungen steigt Linde mithin in die Leistungsklasse von 40 bis 120 PS ein. Die Ansteuerung erfolgt wahlweise über die bei Fahrantrieben im geschlossenen Kreis bewährten Verstellarten: hydraulisch oder elektrohydraulisch. Beide Varianten bieten exzellentes Stellverhalten. Für Komfort und Sicherheit steht die elektrisch proportionale Verstellung E2, die bei eventuellen Systemstörungen kontrolliertes Rückschwenken der Pumpe bewirkt.

Weiterentwicklungen bietet Linde Hydraulics auch bei den Verstellpumpen und -motoren der Baureihe 02 allgemein. Sie wurden bereits bislang als Kernkomponenten vieler hydrostatischer Fahrantriebe, etwa von Baumaschinen, Landmaschinen und Flurförderzeugen, eingesetzt.

Mit einem Nenndruck von 420 bar erlauben sie den Aufbau kompakter, leistungsstarker, flexibel einsetzbarer Antriebssysteme. Nunmehr konnte die Leistungsdichte dank Anhebung des Nutzdruckbereiches auf 500 bar nochmals gesteigert werden – ohne Einschränkung hinsichtlich Sicherheit, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit.

Downsizing für Pumpen und Motoren
Doch wie kann der Hersteller das erhöhte Moment als Argument nutzen? Zum Einen kann er bei gleichen Nenngrößen und identischem Bauraum die Leistungsgrenze seiner Maschine erweitern und dem Nutzer mehr Zugkraft – das heißt: erhöhte Steigfähigkeit und zusätzliche Kraftreserven – anbieten. Zum Anderen kann er den zusätzlichen Druck über eine längere Getriebeübersetzung in höhere Fahrgeschwindigkeit umsetzen. Und schließlich – sollten Leistung und Geschwindigkeit der Maschine ausreichen – kann der Anwender von den Vorteilen des Downsizing profitieren und ohne Einschränkungen bei den Fahrleistungen Einheiten mit kleinerem Einbauraum einsetzen.

Die Möglichkeit des Downsizing gilt sowohl für die Pumpen, als auch die Motoren. Die Wahl einer kleineren Pumpe mit höherem Druck bei gleichzeitiger Anpassung der Getriebeübersetzung führt dank höheren Wirkungsgrades bei geringerer Hydromotor-Drehzahl zu niedrigerem Kraftstoffverbrauch.

Der Einsatz eines kleineren Motors wiederum erlaubt die Konstruktion eines kompakteren Antriebs bei identischen Fahrleistungen und erhöhtem Wirkungsgrad, da der Motor bei gleicher Drehzahl weniger Planschverluste aufweist.
Diese Vorteile passen gut in das LinDrive-Konzept, das Herstellern und Anwendern hydrostatische Antriebe zur Verfügung stellt, die sich durch hohe Dynamik und Präzision sowie durch Energieeffizienz und Zuverlässigkeit auszeichnen.

Damit setzt Linde Hydraulics auch die Strategie fort, den OEM-Kunden Low-Speed-Antriebe mit sehr guter Anpassbarkeit und Regelbarkeit anzubieten. Der Konstrukteur hat die Wahl, wie er den höheren Druck zum Nutzen des Maschinen-Anwenders anwendet, und er kann ein Facelifting seiner Maschine mit höherer Leistung und verbessertem Wirkungsgrad realisieren. Jeder dieser Vorteile lässt sich ohne zusätzliche Komponenten in die Praxis umsetzen. Die Anwendungsingenieure von Linde Hydraulics müssen nur prüfen, ob im individuellen Fall die Voraussetzungen für die Nutzung des höheren Druckbereichs vorliegen.

LINC 1 im Plug-and-Play-Prinzip
Und dann noch diese Neuentwicklung von Linde Hydraulics – vorgestellt erst kürzlich auf der Agritechnica: die LINC 1, eine Plug-and-Play-Steuerung für mobile Arbeitsmaschinen mit hydrostatischem Fahr-antrieb. Konzipiert vor allem für die Verwendung in mobilen Arbeitsmaschinen kleiner bis mittlerer Serien.

Der Vorteil für den Hersteller: Er muss sich nicht mehr um die Entwicklung und Programmierung der Steuerung kümmern, die Steuerungsfunktionen sind optimal abgestimmt auf die Verstellpumpen und -motoren der Hydraulikantriebe von Linde Hydraulics und sie lassen sich in jede Maschinenperipherie integrieren. Herzstücke sind ein Funktionscontoller in 16-bit-Technologie sowie ein 8-bit-Sicherheitscontroller.

Neben den Komponenten der hydrostatischen Fahrantriebe können unter anderem Fahrgeber (Joysticks), Fahr- und  Bremspedale sowie der Verbrennungsmotor in das Regelungskonzept eingebunden werden. Werksseitig werden die gewünschten Funktionen, Maschinencharakteristik sowie fahrzeugspezifische Parameter wie Masse, Batteriespannung und Raddurchmesser eingegeben. Dank des redundant aufgebauten Steuerungskonzeptes lassen sich Sicherheitsfunktionen bis zum Performance Level d nach DIN EN ISO 13849-1 realisieren.

Die Steuerung ist in einem robusten Gehäuse mit Schutzart IP 67 untergebracht. Sie ist nicht nur mechanisch, sondern auch elektrisch äußerst robust. Dafür sorgen der Eingangsspannungsschutz und die Unempfindlichkeit gegenüber Bordnetzimpulsen nach ISO 7637-2.

Wichtig war den Entwicklern auch das Plug-and-Play-Prinzip. Die LINC 1 wird vorkonfiguriert ausgeliefert. Der Hersteller muss die Steuerung nur noch montieren und den Stecker anschließen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einzelne Parameter in der Diagnoseoberfläche LinDiag anzupassen. Mit dem Vorteil, die selbe Steuerung für verschiedene Leistungsklassen einer Maschine nutzen zu können oder auch spezifische Vorgaben unterschiedlicher Länder zu erfüllen.