Produkte DGT Bild: Norbert Sell / Sel Media Company

Gelenklager und Gelenkköpfe sind Präzisionsbauteile. Für die Vermessung von Werkstücken nutzt das Unternehmen ein Labor der LFD-Gruppe in Dortmund. Bild: Norbert Sell / Sell Media Company

Wartungsfrei oder wartungspflichtig, Standard oder Sonderlösung? Vor diesen grundsätzlichen Entscheidungen stehen Konstrukteure bei der Wahl eines Gelenklagers. Dabei werden die wartungsfreien Lager beliebter, wie das Beispiel Mefkon zeigt: Der Anbieter für Beheizungseinrichtungen bezieht seine Lager bei DGT Gelenklagertechnik und verzichtet auf das Nachschmieren, wo es nur geht. Marc Remy, Projektleiter bei Mefkon, schränkt jedoch ein: „An einigen Stellen könnten die wartungsfreien Lager durch die hohen Temperaturen auslaufen. Dann kommen wir um Lager, die nachgeschmiert werden müssen, nicht herum.“

Gelenkköpfe

In der Fertigung beim Anwender werden Gelenkköpfe für das Aufschweißen vorbereitet. Bild: Norbert Sell / Sell Media Company

Auch aus anderen Gründen haben wartungspflichtige Modelle nach wie vor ihre Berechtigung, wie Gerald Fornasiere von DGT Gelenklagertechnik erläutert: „Es hängt stark von der Anwendung ab, welche Variante besser passt. Bei Baumaschinen zum Beispiel werden beim Nachschmieren Schmutz und Staub aus der Lagermitte gedrückt, um eine Beschädigung der Dichtungen zu verhindern“ Bei der Umstellung auf wartungsfreie Lager müssten die Anwender solche Aspekte sorgfältig abwägen, rät der Prokurist und Vertriebsleiter. Sonst würden sie ihre Ziele, höhere Lebensdauer sowie weniger Material- und Personalaufwand für den Austausch, nicht nur verfehlen, sondern unter Umständen sogar das Gegenteil erreichen.

Gelenklager

Ein Gelenklager wird ausgepresst. Der Gelenkkopf ist in diesem Fall aufgeschraubt. Bild: Norbert Sell / Sell Media Company

Dem Klassiker treu

Tatsächlich gibt es Anwender, die nach ihren Erfahrungen mit den wartungsfreien Lagern zu den „Klassikern“ zurückkehren, wie im Fall Gödde. Das Unternehmen fertigt unter anderem Auslegermähgeräte, Zubehörgeräte für Ausleger, Baumscheren und Betonmischschaufeln. „Wir verwenden überwiegend Standard-Lösungen“, berichtet Lagerleiter Frank Oldiges, typischerweise Gelenklager vom Typ GE 40 DO. Von nicht nachschmierbaren Lagern hält er nicht viel, zumindest nicht in den eigenen Anwendungen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wartungsfreie Lager in Schwenkarmen nach zwei bis drei Monaten anfangen zu quietschen“, erklärt er. Nachschmierbare Lager seien für die Produkte der Firma daher die bessere Lösung.

Insgesamt sind die wartungsfreien Lager für die Hydraulik oft schlechter geeignet, da die Belastung der Gelenke durch Schmutz aus der Umgebung in vielen Einsatzarten zu hoch ist. Der Trend zu den wartungsfreien Modellen, den Fornasiere beobachtet, hat seinen Ursprung beispielsweise im Umweltschutz: Um Gewässer und Boden zu schonen, können in bestimmten Anwendungen, beispielsweise im Stahlwasserbau, nur biologisch abbaubare Schmierstoffe oder schmierstofffreie Lager verwendet werden. Auch in der Lebensmittelindustrie spricht einiges für wartungsfreie Lager. Um die Reinheit der Lebensmittel zu garantieren, wäre es an vielen Stellen nicht hinnehmbar, würde eine Maschine Schmiermittel an die Umgebung abgeben. Die Schmierung der Lager übernehmen in solchen Fällen oft Gleitschichten auf Basis von Polytetrafluoräthylen (PTFE), entweder als aufgeklebte Folie oder als Beschichtung.

Hitzeschild

Um den schweren Hitzeschild gegen Aufheiz- und Trockenfeuer zu bewegen, verwendet Mefkon DGT-Gelenklager.

Lager nach Wunsch

Doch egal ob wartungsfrei oder -pflichtig, für Fornasiere steht fest: Flexibilität wird wichtiger. Vermehrt fragen die Anwender nach individuellen Lösungen. Der Anbieter gehört zur LFD-Gruppe, welche in enger Kooperation mit der Tochter die Fertigung der Standardteile übernimmt. Die Herstellung findet teilweise in Deutschland teilweise in Fernost statt. Außerdem tragen Partnerunternehmen zur Produktion bei. Sonderwünschen der Anwender kommt das Unternehmen nach, indem es die Standardlösungen nachträglich umbaut oder ändert. Das Tochterunternehmen macht von der Personenzahl nur einen kleinen Teil des Konzerns aus, der insgesamt rund 300 Mitarbeiter beschäftigt, dennoch spielt es innerhalb der Gesellschaft eine wichtige Rolle für das Segment Gelenklagertechnik. 2010 gründete der Konzern den Anbieter, um den Bereich besser zu betreuen. Neben seinem Spezialgebiet Gelenklager und Gelenkköpfe hat DGT Gelenklagertechnik Landmaschinenteile, Doppelrückschlagventile, Rohrbruchsicherungen, Anschlussnocken und Zylinderböden im Sortiment.

anschraubbaren Fußplatten

Durch die anschraubbaren Fußplatten können die Anwender Lager am Auslegerarm schnell erneuern. Bild: Norbert Sell / Sell Media Company

Mehr als 5000 Artikel hält das Unternehmen im Dortmunder Zentrallager vorrätig. Dort befinden sich auch ein zum Konzern gehöriges Warenprüflabor und eine Vertretung der übergeordneten LFD-Gruppe. Das Labor ist für die Messung komplexer Werkstücke ausgestattet. Zur Ausrüstung gehören beispielsweise ein Jenopitc Hommel-Etamic F435 für die Erfassung von Form- und Lagertoleranzen, ein Exemplar der Opticline C314 desselben Herstellers für wellenförmige Präzisionsteile sowie ein System für die Messung von Rauigkeiten, Konturen und Radien von Lagern.

Das sagen die Anwender

Einkauf ohne Reue
Industrie Hydraulik Horst Müller aus Garbsen vertreibt Hydraulikkomponenten, hat aber auch eine eigene Service- und Fertigungsabteilung. Zum Sortiment des Unternehmens gehören unter anderem die Gelenkköpfe und -lager der DGT Gelenklagertechnik. Das Unternehmen verkauft die Komponenten, verwendet sie allerdings auch selbst, vor allem für die Fertigung von Hydraulikzylindern. Rund 60 Prozent der Lager und Köpfe sind Sonderlösungen, das heißt die Komponenten wurden vor dem Einbau angepasst. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn für eine bestimmte Einbausituation anders ausgeführte Gelenkköpfe benötigt werden.
Außerdem bietet das Unternehmen die Reparatur von Zylindern an. Wenn Gelenkköpfe ausfallen, liegt das vor allem an mangelnder Wartung, so die Erfahrung von Darren Roberts, Serviceleiter und Ansprechpartner für den Zylinderbau. „Die Voraussetzung für eine lange Lebensdauer ist eine optimale Schmierung der Lager“, erklärt der Techniker. „Das wird teilweise vernachlässigt.“
Die aktuelle Geschäftsbeziehung mit der DGT Gelenklagertechnik, die Mitte 2010 neu gegründet wurde, nahm das Unternehmen Ende 2013 auf. Damals suchte der Komponentenlieferant nach einem Vertriebspartner im Großraum Hannover und stieß auf Industrie Hydraulik Horst Müller. Nach den bisherigen Erfahrungen schätzt Roberts an dem Lieferanten vor allem die Kundenbetreuung, Verfügbarkeit und die Qualität der Produkte. Sein Fazit fällt eindeutig aus: „In den vergangen zwölf Monaten haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Was Gelenklager betrifft, haben wir zum Beispiel eine Reklamationsquote von 0,01 Prozent.“

Schwer zugängliche Lager schmieren

Bei dem Normteileanbieter spielt Forschung keine Rolle, in der Entwicklung ist das Unternehmen jedoch aktiv: In Zusammenarbeit mit den Anwendern erarbeitet es Produkte, die zu den jeweiligen Anforderungen passen. Ein typisches Anliegen ist ein zusätzlicher Schmierkanal mit Schmiernippel. Teilweise geht es den Anwendern um eine bessere Zufuhr des Schmierstoffes in größerer Menge, wodurch sich bei bestimmten Anwendungen die Lebensdauer verlängert. Teilweise ist die zweite Bohrung schlicht eine Behelfslösung, weil das Lager so unzugänglich eingebaut werden muss, dass der Schmiernippel an einer ganz bestimmten Stelle sitzen muss, um das Lager einigermaßen komfortabel warten zu können. „Solche Änderungen führen wir nach Absprache mit dem Kunden durch, denn die zusätzliche Bohrung schwächt das Gehäuse“, betont Fornasiere. „Die Belastung sollte dann entsprechend einkalkuliert werden.“

Standard-Teile von DGT Gelenklagertechnik

Die Standard-Teile von DGT Gelenklagertechnik verwendet Mefkon, um eigene Sonderlösungen zu fertigen, die sich im Schadensfall schneller austauschen lassen. Bild: Norbert Sell / Sell Media Company

Auch was Gelenkköpfe angeht, sind Sonderwünsche möglich. Wenn ein Anwender beispielsweise ein spezielles Gelenklager benötigt, pressen Techniker des Unternehmens das vorhandene Bauteil aus dem Gehäuse und setzen anschließend ein Modell mit den geforderten Eigenschaften ein. Meist sind es Hersteller von Hydraulik-Zylindern, die mit solcherlei Anfragen auf den Anbieter zukommen.

Gelenklager an einer mobilen Arbeitsmaschine

Gelenklager an einer mobilen Arbeitsmaschine, wie sie Kommunen für die Böschungspflege einsetzen. Gödde verwendet für seine Anwendungen wartungspflichtige Lager. Bild: Norbert Sell / Sell Media Company

Der Preisunterschied zum Standard-Bauteil ist signifikant: Ein typischer Gelenkkopf, für den Anpassungen geordert werden, liegt im mittleren oder unteren Preissegment. Die Änderungen werden in Deutschland vorgenommen und fallen mit dementsprechenden Stundenlöhnen ins Gewicht. Dennoch ist die Nachfrage groß: Ein Drittel des Umsatzes macht der Normteileanbieter inzwischen mit Sonderlösungen, Tendenz eher steigend.

Selbst zur Sonderlösung

Einige Anwender, wie Mefkon, nehmen die Umarbeitung zur Sonderlösung auch selbst in die Hand: „Wir schweißen unsere eigenen Anschlussplatten unter die Gelenklager, sodass sie durch Schrauben austauschbar sind“, erzählt Remy. Grund dafür sind die speziellen Anforderungen in der Stahlwerk-Industrie, in der das Unternehmen aktiv ist. Bei den Anwendern bewegen Krane große, schwere Pfannen mit flüssigem Stahl. Dabei passiert es immer wieder, dass eines der Gefäße gegen eine Anlage schlägt. Oft werden dabei Lager beschädigt oder zerstört. Durch die angeschweißten Platten lassen sich die Bauteile dann leicht austauschen. Außerdem kommt es vor, dass Lager wegen der großen Hitze auslaufen. Auch in diesem Fall kann schnell Ersatz montiert werden, ohne große Schweißarbeiten und Stillstandzeiten.