Neue Schleusen für den Panama-Kanal 1

Mit moderneren Antrieben sind auch die Schiffsgrößen gewachsen – heute passen bereits 60 Prozent der Welthandelsflotte nicht mehr durch den Panamakanal. Mit seinem Ausbau können künftig auch bis zu 366 m lange und 49 m breite Schiffe Reisezeit, Kosten und CO2-Emissionen einsparen. Pünktlich zum hundertsten Jahrestag der Eröffnung des Panamakanals im Jahr 2014 modernisiert und vergrößert die Panama Canal Authority die 81,6 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Die erste Durchfahrt erfolgte am 15. August 1914. Der Umbau umfasst auch zwei neue Schleusen zu den beiden Ozeanen mit je drei Schleusenkammern, durch die wesentlich größere Schiffe als bisher den Panamakanal passieren können.

Der Panamakanal: Das sind hohe Mauern, ausgefeilte Technik und gigantische Bauwerke. Doch dieser Durchstich der engsten Stelle zwischen Atlantik und Pazifik, der 60 Kilometer misst und aus einem System von Schleusen besteht, wird vor allem vom Urwald beherrscht, den die Ozeanriesen auf dem Gatúnsee durchqueren. Dieser See entstand zwischen 1907 und 1913 durch die Aufstauung des Rio Chagres und dient als Speicher, der die Schleusen mit Wasser versorgt.

Die Erweiterung der einzigen Wasserstraße zwischen Pazifik und Atlantik war Ende 2006 durch ein Referendum in dem mittelamerikanischen Land ermöglicht worden. Die Bauarbeitenu begannen im September 2007. Die gut fünf Milliarden US-Dollar teure Maßnahme wird 2014 abgeschlossen sein und sieht im Wesentlichen den Neubau zweier großer Schleusensysteme auf beiden Seiten vor.

Ausbau des Kanals für Post-Panamax-Schiffe
Hauptziel ist der Ausbau der Schleusen von 34 Meter Breite und 305 Meter Länge auf 55 Meter Breite und 427 Meter Länge. Damit wären sie groß genug für einen Teil der bisherigen Post-Panamax-Schiffe. Diese bis zu 366 m langen und 49 m breiten Containerschiffe mit einem Fassungsvermögen von bis zu 12.600 Containern sollen nach Fertigstellung der neuen Schleusenanlagen den Kanal passieren können. In den alten Schleusen aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts haben derzeit nur Schiffe mit bis zu über 4000 Containern Platz. Zudem stauen sich vor den Einfahren auf beiden Seiten vor Panama-Stadt (Pazifik) und Colon (Atlantik) teilweise über 100 Schiffe, die oft tagelang auf die Passage warten müssen.

Hydraulische Systemlösungen
Automatisierungsspezialist Bosch Rexroth steuert hydraulische Systemlösungen für die Modernisierung bei, die durch eine Verfügbarkeit von 99,99 Prozent den reibungslosen Verkehr auf einer der weltweit meist befahrenen Wasserstraßen gewährleisten. Obwohl diese neuen Schleusen deutlich größer ausfallen, sollen sie weniger Frischwasser als die bisherige Technik verbrauchen und so den regionalen Wasserhaushalt entlasten. Beide Schleusen sind mit jeweils 1,5 km außergewöhnlich lang.

In drei hintereinander geschalteten Schleusenkammern überwinden die Schiffe 26 m Höhendifferenz, gesteuert durch vier Schleusentoranlagen. Ein neuer Einfahrtskanal an der Pazifikseite und neun riesige, jeweils parallel zur Schleuse verlaufenden Wasserbassins sind weitere Bestandteile der beiden in Stahlbetonbauweise auszuführenden Wasserbauwerke.

Als Lieferant für den Stahlbau der Rollschütze beauftragte die südkoreanische Werft Hyundai Samho Heavy Industries (HSHI) Ende 2010 Bosch Rexroth mit Planung, Bau und Inbetriebnahme von 158 kundenspezifischen Hydraulikaggregaten und Antriebszylindern für den Betrieb der Wasser regulierenden Rollschütze. Das Schleusendesign setzt dabei ganz auf Ressourcen schonenden Betrieb. Jede Schleusenkammer ist über kommunizierende Röhren mit je drei Wassersparbecken verbunden. Zum Anheben der Schiffe öffnen die Rexroth-Antriebe die entsprechenden Zuleitungen, und das Wasser aus den Sparbecken füllt per Schwerkraft die Schleusenkammer.

Anders als bei der bisherigen Technik fließt das Wasser nach dem Schleusenvorgang in die Becken zurück. Lediglich 40 Prozent der für eine Schleusung notwendigen Wassermenge kommen aus dem künstlich angelegten Gatunsee. Die bestehenden Schleusen dagegen entnehmen die gesamte Wassermenge aus dem See und leiten sie anschließend komplett ins Meer ab. So senkt der Ausbau trotz wesentlich größerer Schleusenkammern den Frischwasserverbrauch gegenüber den bestehenden Schleusen sogar um sieben Prozent und entlastet damit den regionalen Wasserhaushalt nachhaltig.

Rexroth konnte bei der internationalen Ausschreibung auf Erfahrungen mit zahlreichen Großprojekten rund um den Stahlwasserbau und die Bündelung des weltweiten Produktionsverbunds verweisen. Bei diesem Projekt koordinieren Spezialisten des Antriebs- und Steuerungsspezialisten Kompetenzen und Fertigungskapazitäten aus Deutschland, den Niederlanden, China, Südkorea und den USA. Die Anwendung stellt besonders hohe Anforderungen an die Verfügbarkeit der Automatisierungslösung: Auf 100.000 Betriebsstunden – das entspricht mehr als 11,5 Jahren Rund-um-die-Uhr-Betrieb – dürfen die Ausfallzeiten insgesamt nur weniger als vier Stunden betragen.Nach dreijähriger Bauzeit soll die offizielle Eröffnung im Jubiläumsjahr 2014 stattfinden. 

Das Unternehmen Bosch Rexroth
Die Bosch Rexroth AG ist Spezialist für Antriebs- und Steuerungstechnologien. Für über 500.000 Kunden entstehen unter der Marke Rexroth maßgeschneiderte Lösungen zum Antreiben, Steuern und Bewegen. Das Unternehmen ist Partner für Mobile Applications, Machinery Applications and Engineering, Factory Automation sowie Renewable Energies. „The Drive & Control Company“ entwickelt, produziert und vertreibt Komponenten und Systeme in über 80 Ländern. Das Unternehmen der Bosch-Gruppe erzielte 2010 mit 34.900 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 5,1 Milliarden Euro.

 www.boschrexroth.com