Universalwerkstoff Nobrox - Bild: Parker Prädifa

Universalwerkstoff Nobrox - Bild: Parker Prädifa

Das thermoplastische Material Nobrox hat ein breites Anwendungsspektrum: Es eignet sich für Dichtungs-, Führungs- und Antiextrusionselemente in der Hydraulik und andere dichtungstechnische Anwendungen. Darüber hinaus ist es auch für Konstruktionsteile ohne Dichtfunktion in unterschiedlichen Industrieanlagen und Konsumgüter von der Automobiltechnik bis zur Lebensmittel- und Pharmaproduktion geeignet. Nach Angaben des Unternehmens zeichnet sich das Material durch hohe Verschleißfestigkeit, breite chemische Beständigkeit, gute elastische Rückstellung („Schnappigkeit“) und Robustheit gegen abrasive Partikel aus. Je nach Anwendungsprofil soll der Werkstoff auch eine Alternative zu PA, POM und PE sein.

Der Hersteller geht davon aus, dass sich der Werkstoff aufgrund seiner technischen Eigenschaften künftig Polyamid kräftig Konkurrenz machen wird. Basierend auf den Permeationseigenschaften sind beispielsweise Kraftstofftanks im PKW-Bereich denkbar oder auch Membranen zur Kraftstoffförderung oder Drucksensoren. Darüber hinaus sind derzeit Freigaben für den Einsatz in Trinkwasser und den Kontakt mit Lebensmitteln in Vorbereitung. Damit soll der Werkstoff auch eine Alternative zu Polyethylen darstellen und beispielsweise für Konstruktionselemente in Geräten des täglichen Gebrauchs wie Kaffeemaschinen eingesetzt werden können.

Toleranz gegen höhere Rauheitswerte

Auch für die Hydraulik ist der Werkstoff interessant. Denn bei Dichtelementen, die dort eingesetzt werden, kommt es vor allem auf zwei Faktoren an, die bei Nobrox gegeben sind: Robustheit gegenüber abrasiven Partikeln, die von außen auf die Systeme einwirken können und hohe Druck- und Extrusionsfestigkeit.

Der Einsatz von Dichtungen aus dem Werkstoff vereinfacht zudem die Auslegung des hydraulischen Systems, da das Material weniger hohe Anforderungen an die umgehenden Komponenten stellt als beispielsweise PTFE-Compounds. Dadurch erlaubt es beispielsweise größere radiale Spalte hinter den Dichtungen oder etwas höhere Rauheitswerte bei den Gegenlaufflächen der Dichtungen.

Durch das Rückstellverhalten und die Flexibilität des Werkstoffs sind die Dichtungen montagefreundlich. Der Werkstoff ist nicht nur gegen Hydrauliköle beständig, sondern zeichnet sich außerdem durch Resistenz gegen Feuchtigkeit beziehungsweise Hydrolysebeständigkeit aus.

Vergleich mit anderen Dichtungswerkstoffen

Je nach Dichtungstyp kommen unterschiedliche Eigenschaften des Materials zum Tragen.

Slipper Seals (Profilierte Dichtkantenringe)

  • Hohe Laufleistung dank anwendungsoptimierter Werkstoffeigenschafte

Abstreifer

  • Chemische Beständigkeit gegen Reinigungsmedien
  • Witterungsbeständigkeit
  • UV-Stabilität
  • Widerstandsfähig gegen Schmutzanhaftungen

Führungselemente

  • Druckfestigkeit entsprechend Polyamid
  • Keine Absorption von Wasser. Aufquellen und damit übermäßige Reibung werden verhindert (im Gegensatz zum wasserabsorbierenden Polyamid), Formstabilität und Maßhaltigkeit werden gewährleistet.

Rotordichtungen

  • Gute Dichtwirkung im drucklosen Zustand
  • Hoher Verschleißwiderstand
  • Hohe Laufleistung dank anwendungsoptimierter Werkstoffeigenschaften
  • Unempfindlich gegen Druckspitzen
  • Verbesserte Schmierung durch Depot von Druckmedium im dynamischen Kontaktbereich
  • Extrusionsbeständigkeit
  • Montage in geschlossene und hinterschnittene Einbauräume möglich

Anti-Extrusionsringe

  • Druckfestigkeit
  • Höhere Festigkeit als TPE

Dünnwandige Membranen

  • Dauerfestigkeit
  • Barriereeigenschaften, hohe Permeationsdichte
  • Dünne Wandstärken (Thermoforming / Prägen)

Werkstoff-Monographie

Definition: Polyketon

Rohstoff: Kohlenmonoxid aus Kohleverbrennung

Mechanische Eigenschaften

  • Mechanische und thermische Grundwerte auf Niveau von PA 6 Typen
  • Geringe Wasseraufnahme, gute Maß-Stabilität
  • Gute Hydrolysestabilität
  • Hohe Abriebfestigkeit
  • Hohe elastische Rückstellung
  • Stabil gegen Oxidationsangriffe bis 150°C

Chemische Beständigkeit

  • Kohlenwasserstoffe (Mineralöle, Benzin)
  • Synthetische Ester (HEES)
  • Aldehyde
  • Wasser, schwache Säuren (Essig) und schwache Basen (Amoniak)

Barriereeigenschaften

  • Sauerstoffpermeation um Faktor 4 kleiner als bei PA 6, um Faktor 8 kleiner als bei POM
  • Permeation gegen Benzin (GM Spec 9061-P) geringer als bei PTFE und bei PA 12

Freigaben: Lebensmittel- und Trinkwasserfreigaben in Vorbereitung