Die Axialkolbeneinheiten in Schrägscheibenbauart von Breitenbach sind für hydraulische Antriebe im

Die Axialkolbeneinheiten in Schrägscheibenbauart von Breitenbach sind für hydraulische Antriebe im offenen und geschlossenen Kreislauf konzipiert. Bild: Breitenbach

40 Jahre nun schon beschäftigt sich die Ing. Dieter Breitenbach GmbH in Frankfurt am Main mit Hydraulik. Und Grund für Jubel zum Jubiläum besteht für das inhabergeführte Unternehmen allemal. Auch deshalb, weil die Hydraulikspezialisten mit der Entwicklung von Axialkolbeneinheiten ein vielversprechendes Produktprogramm auf den Weg gebracht haben.

Was haben die Ing. Dieter Breitenbach GmbH, der bekannte Entwicklungsdienstleister Bertrandt und der Pumpenbauer Kemat gemeinsam? Sie feiern in diesem Jahr 40-jähriges Firmenjubiläum. Und was könnte man dem heute 72-jährigen Dieter Breitenbach im Rahmen einer Jubiläumsfeier rückblickend in Reimform sagen? „Sie haben in den letzten Jahren viele Nerven gelassen, doch werden Sie die Firma deshalb nicht hassen. Sie ist Ihr größter Stolz, machen Sie weiter wie bisher, dann rollt‘s.“

Es ist nicht überliefert, ob einer der Mitarbeiter diesen Reim zum Besten gegeben hat, fest steht aber: In den Räumen der Hydraulikspezialisten in Frankfurt am Main herrscht in diesen Tagen Jubel zum Jubiläum. Aus den unterschiedlichsten Gründen, wie die folgende Geschichte zeigt. Also der Reihe nach.

Axialkolbeneinheiten in Schrägscheibenbauart von Breitenbach

Die Axialkolbeneinheiten in Schrägscheibenbauart von Breitenbach sind für hydraulische Antriebe im offenen und geschlossenen Kreislauf konzipiert. Bild: Breitenbach

Blenden wir kurz zurück ins Jahr 1974. Auch dieses Jahr war ein Jahr der Jubiläen. Zum Beispiel feierten Hydraulikzylinderhersteller ihre 30- oder sogar 50-jährigen Firmengeburtstage. Freilich begann man in den ersten Stunden nicht mit dem Hydrozylinderbau. Von der Reparatur und dem Umbau alter Kriegsgeräte, vom Lohnhonen im Motorenbau, ja sogar vom Bauschlosserhandwerk tastete man sich an Hydraulikzylinder heran und war praktisch in den ersten Stunden der Mobil- und Industriehydraulik mit dabei und wuchs mit ihr.

Der Zuwachs war stetig und überproportional im Vergleich zum gesamten Maschinenbau: Auf 1,3 Mrd. DM kletterte der Umsatz der Hydraulikbranche 1974 in der Bundesrepublik. Der hohe technische Stand der deutschen Hydraulik förderte überproportional ihren Export. Kurze Zeit später war von Jubel keine Rede mehr. Eine Flaute im Auftragseingang und Einstellungsstopp bei etlichen Firmen prägten das Bild. Rationalisieren und sparen war ein wichtiges Gebot. Und dennoch gründet Dieter Breitenbach in dieser Zeit sein Unternehmen.

Dieter Breitenbach

Dieter Breitenbach lenkt seit 40 Jahren die Geschicke des Hydraulikunternehmens in Frankfurt am Main. Sohn Jens Breitenbach ist 1994 in die Geschäftsführung eingetreten.

Was ihm Sicherheit gab, waren mehrere Dinge: 18 Jahre Erfahrung bei der Firma Fries & Sohn, Kenntnisse im Maschinenbau mit hydraulischen Antrieben und besonderen Erfahrungen im Bereich Hydraulik für Stranggießanlagen, Druck- und Kokillengießmaschinen. In seinem neu gegründeten Unternehmen in Frankfurt wurden anfangs Hydraulikzylinder, Teleskopstangen und Sonderventile konstruiert und gebaut. Hier waren ihm als Firmengründer insbesondere seine speziellen Erfahrungen in den Produktsegmenten Dichtungen, Verrohrungen und Hydraulikflüssigkeiten nützlich.

Parallel dazu brachte Dieter Breitenbach auch den Handel mit Schlauchleitungen, Hydraulikrohren, Verschraubungen, Kugelhähnen und vieles mehr auf den Weg. Ohne Frage, für damalige Verhältnisse verfügte er über ein umfassendes Programm an Hydraulikprodukten, mit denen er seinem Kundenkreis hilfreich zur Seite stehen konnte. In den folgenden Jahren hat sich die Firma besonders mit der internationalen Entwicklung von regelbaren Pumpen, Proportionalventilen, Einschraubventilen, kompakten Hydraulikblöcken, Saug- und Rücklauffiltern beschäftigt.

Dies war die Grundlage für den Beginn einer erfolgreichen Zeit als Hydraulikaggregate- und Steuerungsbauer. Um nur einige Beispiele zu nennen, die stellvertretend für viele andere Besonderheiten stehen:

  • Hydraulik für ferngesteuerte Gabelstapler, die in einem inländischen und zwei ausländischen Atomkraftwerken eingesetzt sind
  • Brückenvorschübe für den Bau von Stadtautobahnen
  • Diverse Atex-Anlagen für den Chemiebereich
  • TÜV-zertifizierte Atex-Baureihe für Zentrifugen
  • Klarwasserhydraulikanlagen für die Chemie und Lebensmittelindustrie
  • Konstruktion und Weiterentwicklung der Antriebshydraulik für die Herstellung von Schneckengewindeschellen von ursprünglich 48 Teilen auf 100 Teile pro Minute
  • Ausrüstungen für Hydraulikpressen mit allen erforderlichen Sicherheitseinrichtungen
  • Antriebe für Rührwerke
  • Hochqualifizierter Prüfstand für unsere Produktion von Axialkolbeneinheiten
  • Diverse Prüfstände
  • Service unter anderem mit vier vollausgestatteten Werkstattbussen.

In der Firmenchronik bedeutsam ist aber auch das Jahr 1977. Das Unternehmen wird Gebietsvertreter für ATE-Alfred Teves Industriehydraulik. Heute sind die Frankfurter offizieller Vertreter/Partner folgender Firmen: Danfoss Power Solutions, Danfoss Geschäftsbereich Industrieautomatik, Danfoss Geschäftsbereich High-Pressure Pumps (Nessie Klarwasserhydraulik), Hydac, SPX Hydraulic Technologies und Turolla OCG.

Keine Scheu vor diffizilen Aufgabenstellungen

Auf die Frage, wie sich das aktuelle Tätigkeitsfeld darstellt, antwortet Dieter Breitenbach mit einer Aufzählung: „Groß- und Einzelhandel von alle gängigen Hydraulikartikeln, Ölservice, Projektierungen, Aggregatebau, Blockbau, Montagen und Kundendienst.“ Einen Produktbereich hat Breitenbach bei der Aufzählung bewusst ausgespart, auch deshalb, weil es mit der Nennung alleine nicht getan ist: Axialkolbeneinheiten. Und hier kommt nun Sohn Jens Breitenbach ins Spiel. Der Seniorchef sagt: „Ein großes Glück für unsere Firma ist, dass auch mein Sohn Jens ein Ingenieurstudium im Maschinenbau an der technischen Universität in Darmstadt absolviert hat und bereits 1994 in die Geschäftsführung eingetreten ist.“ Wie Dieter Breitenbach versichert, sei der Sohn schon als Schüler sehr interessiert gewesen an dem Tätigkeitsbereich der Firma und habe bereits mit 15 Jahren im Aggregatebau mitgearbeitet und technische Zeichnungen und Schaltpläne erstellt.

Hydraulikaggregate

In aller Regel sind die von Breitenbach hergestellten Hydraulikaggregate auf Kundenwünsche zugeschnittene Ausführungen.

Sichtlich stolz ist Jens Breitenbach, wenn er über die Entwicklungsgeschichte der Axialkolbeneinheiten (Motoren und Pumpen) spricht: „Im Jahr 2005 haben wir die Chance bekommen, die am Markt gut eingeführten Axialkolbeneinheiten zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Wir haben dieses Produkt von der Firma Michel Präzision übernommen und in der Folge gemeinsam mit dem bekannten IFAS-Institut an der RWTH Aachen optimiert.“

Der Juniorchef muss auch nicht lange überlegen, wenn es um die besonderen Attribute dieses hydraulischen Triebwerks geht: „Die Motoren sind als 9-Kolben-Einheiten konzipiert und haben hervorragende Kennwerte hinsichtlich der volumetrischen und mechanischen Wirkungsgrade. Sie sind klein und kompakt, leise und für Nischenanwendungen besonders gut geeignet. Und nicht zu vergessen: Es besteht die Möglichkeit, mit einer Umdrehung pro Minute zu fahren. Wir haben es hier mit einer ganzen Reihe von Alleinstellungsmerkmalen zu tun und die Axialkolbeneinheiten sind für uns ein Produktsegment mit zukunftsweisendem Charakter. Natürlich sind diese Antriebe preislich anders angesiedelt wie Zahnradeinheiten.“

Nachdem die Axialkolbeneinheiten entwicklungstechnisch weitgehend abgeschlossen sind, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie es damit nun weitergeht. Jens Breitenbach antwortet: „Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir es aus eigener Kraft nicht stemmen können, das Produkt weltweit zu vermarkten. Deshalb bauen wir ein Händlernetz auf. In Deutschland haben wir bereits einen ersten Handelspartner gefunden. Momentan verhandeln wir mit einem großen Partner in China, um den Fuß in die Türe des asiatischen Marktes zu bekommen. Da haben wir noch mächtig was vor.“

Dass sich die Frankfurter Hydraulikspezialisten auch auf diffizile Aufgabenstellungen einlassen, haben sie in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. Aktuell gehen sie gerade wieder einer anspruchsvollen Besonderheit nach. Jens Breitenbach erklärt: „Wir fahren mit unseren Axialkolbeneinheiten die ersten Versuche und nutzen diese als Stromteiler mit großen Übersetzungsverhältnissen. Konkret geht es darum, im Verhältnis von immerhin 1:50 den Volumenstrom zu teilen – und zwar präzise zu teilen.“

Breitenbach betreibt hochqualifizierte Prüfstände

Breitenbach betreibt hochqualifizierte Prüfstände, die in Eigenregie entstanden sind. Im Bild ein Motorenprüfstand.

Welche Bedeutung das 40-jährige Jubiläum hat und was sich die Inhaber für die Weiterentwicklung der heute 17 Mitarbeiter zählenden Firma wünschen, beantwortet Jens Breitenbach auch im Sinne seines Vaters: „Wichtig für uns ist, dass die Firma eine Kontinuität hinsichtlich Service und Qualität darstellt. Was wir uns für die Weiterentwicklung des Unternehmens wünschen ist, dass wir die schnell ändernden Marktbedingungen weiterhin so gut umsetzen können, wie das bisher der Fall war.“

Wenn Dieter und Jens Breitenbach also in die Zukunft blicken, ist den Beiden nicht bange. Schon alleine deshalb, weil sich die Nachfolgeproblematik nicht mehr stellt und die Begrifflichkeit Generationenkonflikt für sie ein Fremdwort ist. Dass man auch noch mit dem bestehenden Produktportfolio gut aufgestellt ist, davon sind auch die restlichen Familienmitglieder Hildegard und Birthe Breitenbach sowie die Mitarbeiter überzeugt. Bleibt am Ende nur noch, herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum zu sagen.

Von Franz Graf
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Franz Graf
Chefredaktion, fluid, antriebspraxis

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