„Wir sind auch für Sibirien gerüstet“ 1

Bewegen – Abstützen – Sichern, so heißt das Credo von Ölhydraulik Altenerding. Das Unternehmen entwickelt Hydraulikkomponenten bis 1000 bar für Anwendungen in der Mobil- und Industriehydraulik. fluid-Redakteurin Ingrid Fackler sprach mit Geschäftsführer Ferdinand Kretz über die Anforderungen an die Hydraulik, die durch die Krise noch verschärft werden.

Herr Kretz, wie hoch ist der Anteil Ihrer Produkte für den Mobilbereich im Vergleich zur Industriehydraulik?
60 Prozent unserer Produkte liefern wir in die Mobilhydraulik. Allerdings würden wir den Bereich Industriehydraulik gerne forcieren, indem wir zum Beispiel mehr für Werkzeugmaschinen oder in den Bereich erneuerbare Energien zuliefern.

Sie liefern nur die Komponenten?
Derzeit noch. Wir wollen uns aber vom Komponenten- zum Systemanbieter entwickeln. Als Beispiel integrieren wir schon heute mehr Elektronik in unsere Zylinder. Wir bieten sowohl für die Mobil- als auch Industriehydraulik Zylinder mit integrierter Ventil-/Druckmesstechnik oder Wegmessung an.

Die Mobilhydraulik ist ja enorm exportgetrieben. Wie hoch ist denn Ihre Exportquote?
Unser direkter Export liegt bei 30 Prozent. Mit dem indirekten über unsere Kunden kommen wir auf sicherlich 70 Prozent.

Das bedeutet aber auch, dass wir bereits bei der Konstruktion der Hydraulikkomponenten extreme Anforderungen wie zum Beispiel tiefere Temperaturen bis -40 Grad Celsius berücksichtigen müssen. Denn wir wissen nicht, in welche Regionen die fertigen Maschinen letztendlich geliefert werden, und auch den Second-Hand-Verkauf muss man bei der Konstruktion bereits ins Auge fassen.

Die Anforderungen an die Komponenten werden also immer höher?
Speziell im Bereich Abstützen und Sichern müssen die hoch beanspruchten Fahrwerkskomponenten oder Gegengewichtszylinder absolut zuverlässig sein.
Ganz wichtig beim Autokran: die Achslasten sind begrenzt. Deshalb ist auch der Leichtbau für uns ein wichtiges Thema.

Wie erreichen Sie Drücke bis 1000 bar?
Dank unserer selbst entwickelten entsperrbaren Rückschlagventile, die bis zu 1000 bar absolut zuverlässig arbeiten. Die Ventile sind in den Zylinder integriert. Das ist besonders im Unterwagenbereich von Vorteil.
Wir haben auch eine eigene Endlagen-Dämpfung für Ausleger-Zylinder entwickelt. Unsere Endlagendrücke liegen so bei 650/700 bar, ohne Druckspitzen.

Wie entscheidend ist da der Werkstoff für die Komponentengüte?
In vielerlei Hinsicht. Zum einen brauchen wir zuverlässigen Stahl mit einem hohen Reinheitsgrad. Dann können wir auch mit dünneren Wandstärken Gewichtsreduzierungen vornehmen. Um Zuverlässigkeit auch bei tiefen Temperaturen gewährleisten zu können, müssen die Rohre auch in Querrichtung eine gute Kerbschlagarbeit mit wenigstens 27 Joule aufweisen.

Mit welcher Stahlgüte arbeiten Sie?
Wir setzen je nach Anforderung den Ovahyd 450 oder den Ovahyd 590 sowie den Ovahyd 650 von Ovako ein, damit können wir große Teile unserer Komponentenfamilie bestücken. Der Ovahyd 650 lässt sich zudem hervorragend schweißen, und wir haben weniger Verzug bei der Zerspanung.

Sie sind sich ja sehr sicher über die Verarbeitbarkeit dieser Stahlgüte?
Ja, wir haben bei der SLV in München eine Verfahrensprüfung für die Stähle durchgeführt, um einerseits festzustellen, ob dieser Lufthärtestahl prozess-sicher verarbeitet werden kann. Und um andererseits unseren Prozess eindeutig abzusichern. Denn alle Nähte werden später robotergeschweißt. Dank dieser Prüfung können wir uns nun sicher sein, dass die geforderte Festigkeit der Stahlsorten auch in der Schweißnaht zuverlässig vorhanden ist.

Im Bereich erneuerbare Energien ist ja auch die Korrosionsbeständigkeit der Komponenten ein Anspruch?
Ja, gerade im Offshore-Bereich brauchen Sie korrosionsbeständige Komponenten. Hier wird häufig gefordert, Nickel-Chrom-Schichten zu verwenden.

Im Segment Solarenergie haben wir die Möglichkeit, Cromax-Kolbenstangen einzusetzen.
Was muss Ihr Stahllieferant für Sie leisten?
Grundlagenforschung haben wir als Mittelständler nicht im Kreuz. Die erwarten wir von unserem Zulieferer: Dass er das Ohr am Markt hat und deshalb innovative Werkstoffe entwickelt, mit denen wir dann Vorgaben wie Leichtbau, Verschleißfestigkeit oder Korrosionsbeständigkeit umsetzen können. Wichtig ist uns auch Zusammenarbeit, das gemeinsame Entwickeln, flexibles Reagieren auf unsere Anforderungen durch IT-Anbindung und Logistikkonzepte.

Das bedeutet?
Wir fertigen in Losgrößen im Durchschnitt von 50 bis 250 Stück. Da wir eine große Sortimentsbreite liefern, brauchen wir viele Werkstoffe in unterschiedlichsten Abmessungen.
Wir müssen flexibler und schneller fertigen. Dabei helfen uns Baugruppen, damit wir letztendlich die Montage schneller durchführen können.

Was hat sich durch die aktuelle Krise für Sie verändert?
Durch die Krise werden die Anforderungen an die Zulieferer fokussiert: Gefordert wird bei den Komponenten mehr Leistung und eine höhere Langlebigkeit bei geringeren Herstellkosten. Da ist es von Vorteil, wenn wir dank des Werkstoffes, der enge Toleranzen bietet, die Rohre mit weniger Aufmaß einkaufen können.

Honoriert der Markt Ihre hohe Qualität?
Auch wenn es derzeit schwierig ist – wir haben schon immer hochwertige Zylinder gefertigt und verlassen diese Schiene auch nicht. Hochwertige Werkstoffe als Ausgangsbasis haben ihren Preis. Unsere Kunden profitieren jedoch von diesem Qualitätsanspruch.

Werden die Märkte jetzt neu verteilt?
Bei dem Preiskampf, der durch die Krise entfacht wurde, können wir uns Verschwendung überhaupt nicht mehr leisten. Deshalb haben wir unsere Prozessschritte genau im Blick, bieten nur solche Lösungen an, die der Markt momentan auch aufnimmt.

Wann kommt der Aufschwung?
Es geht langsam vorwärts. Ich denke mal, im Herbst werden wir einen Schritt weiter sein. Allerdings wird das ein langsamer Anstieg werden.

Was erwarten Sie von der bauma?
Im Gespräch mit unseren Kunden deren Bedürfnisse zu erfahren. Viele unserer Neuerungen sind so entstanden: als Response auf die Anforderungen unserer Kunden.

Das Unternehmen Ölhydraulik Altenerding
Zylinder für höchste Beanspruchungen
Am 1. April 1961 gründete der Diplom-Ingenieur Carl Dechamps in Altenerding die Firma Ölhydraulik Altenerding. Mit Radialkolbenpumpen und hydraulischen Pendelachsblockierungen für Mobilbagger (patentiertes Abstützsystem) wuchs das Unternehmen. Heute sind auch Wege-, Druck- und Sperrventile für Drücke über 400 bar für die Industriehydraulik im Portfolio. 2008 hat das Unternehmen 32 Millionen Euro umgesetzt. Im Durchschnitt werden rund 70 000 Zylinder pro Jahr gefertigt.
Für den Mobilhydraulik-Bereich bietet das Unternehmen Abstützhydraulik für Mobilbagger und Autokrane. Als kundenspezifische Sonderhydraulik-Anwendungen werden Spannregister für die Holzindustrie, Dämpfungszylinder für Roboter und Federspeicherzylinder für Bremsanlagen produziert.
In den mit CNC-Dreh- und Fräszentren, Hon- und Schleiftechnik sowie  moderner Messtechnik und mobilen Prüfständen ausgestatteten Fertigungshallen bei Erding arbeiten auf 5300 qm heute 200 Mitarbeiter. Die Fertigungstiefe ist hoch, werden doch von der 1992 gegründeten Tochterfirma Namac, Naumburg an der Saale, Teile für die Hydraulik-Komponenten vorgefertigt. Auch dort wird die komplette mechanische Bearbeitung angeboten: Drehen, Fräsen, Bohren, Schälen, Rollieren, Schweißen und Entgraten sowie Flachschleifen. Mittelfristig soll dort auch eine Hydraulikfertigung aufgebaut werden.