Helmut Roschiwal und Roland Merk, Bild: Roschiwal

Helmut Roschiwal (links) hat sein Unternehmen 1984 gegründet. Seit 1990 ist Roland Merk (rechts) an Bord. Bild: Roschiwal

Zunächst zu Ihrem Unternehmen. Was machen Sie genau?

Helmut Roschiwal: Wir sind ein reiner Ingenieurdienstleister. Wobei man da ganz klar unterscheiden muss. Sehr viele Ingenieurdienstleister sind ja mittlerweile Personalvermittler. Die schicken Ingenieure zu den Firmen, um das Team in dem jeweiligen Unternehmen zu verstärken. Wir haben eine ganz andere Philosophie.

Robert Merk: Das Problem ist ja: Bei diesem Modell bleiben die Guten beim Kunden, die werden von den Firmen abgeworben, und die Schwachen kriegen Sie zurück. Wir hingegen arbeiten bei uns im Haus. Wir leben davon, dass wir die guten Leute solide ausbilden und auch langjährig in unserer Firma halten. Wenn wir einen Mitarbeiter verlieren, ist das für uns ein riesen Verlust. Nein, wir erhalten von unseren Kunden einen Auftrag, und er bekommt die Lösung zurück.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte?

Helmut Roschiwal: Unser Ansatz ist: Der Kunde hat eine sehr hohe Wissenstiefe, die wir so nicht haben. Was wir mitbringen, ist eine sehr hohe Wissensbreite, die der Kunde in der Regel nicht hat. Aus dieser Kombination machen wir Innovation.

Robert Merk: Was wir anbieten, ist Produktentwicklung im Bereich Produktionstechnik, Fertigungstechnik und Montagetechnik. Wir haben kein eigenes Produkt, sondern wir sind reine Dienstleister in diesen Bereichen. Beginnend vom leeren Blatt Papier können wir Ideen finden, machen aus diesen Ideen dann die Konzepte, und machen aus den Konzepten die komplette Konstruktion in genau dem CAD-System, das der Kunde vorschreibt. Wir führen alles an Berechnungen und Simulationen durch, was heute üblich ist – Steifigkeitsberechnungen etwa, zunehmend Schwingungsberechnungen. Wir können auch Kostensenkungsmaßnahmen durchführen. Es gibt immer Konjunkturphasen, in denen Neuentwicklungen kommen, und dann gibt‘s Konjunkturphasen, wo man eher versucht, Kosten zu senken.

Helmut Roschiwal: Wir können dabei auch sehr große Aufträge annehmen, denn es gibt für den Maschinenbau nicht viele Ingenieurbüros in der Größe. Es gibt zwar ein paar deutlich Größere, aber die machen ausschließlich Automobilprodukte. Wir machen fast keine Automobilindustrie. Und außerhalb der Automobilindustrie gibt es kaum Ingenieurbüros in unserer Größe. Wir können für einzelne Kundenaufträge auch mal 20 oder 30 Leute einsetzen, das können ganz wenige bieten.

Robert Merk, Bild: Roschiwal

 

„Der Kunde erwartet 100 Prozent Kompatibilität. Es reicht nicht mehr, dass wir das gleiche CAD-System haben, sondern er erwartet, dass wir direkt in seinem CAD- und SAP-System arbeiten.“

Robert Merk, Roschiwal + Partner

Ihr Unternehmen gibt es seit über 30 Jahren. Wie hat sich die Arbeit in diesen Jahren gewandelt?

Helmut Roschiwal: Unsere Arbeitsweise hat sich total verändert. Und sie verändert sich weiter exponentiell. Vor allem durch Vernetzung und die Möglichkeiten der IT-Welt. Früher war es so, da hat man sich alle drei Wochen getroffen. Mittlerweile, mit den Videokonferenzen, telefoniert man jeden zweiten Tag mit den Kunden.

Robert Merk: In den vergangenen Jahren, also eigentlich seit ich hier bin, hat sich die CAD-Technik wahnsinnig gewandelt. Als ich kam, das war 1990, hat man ja noch am Brett gearbeitet. Da hatte jeder Mitarbeiter hier ein eigenes Zeichenbrett gehabt. Zwei, drei Jahre später kamen die ersten CAD-Systeme, 2D-Systeme, dann so um das Jahr 2000 herum kamen die 3D-Systeme. Und mittlerweile haben wir wieder so einen enormen Sprung.

Helmut Roschiwal, Bild: Roschiwal

 

„Die Entwicklungszeiten werden kürzer. Aber die werden immer schon kürzer, seit ich denken kann.“

Helmut Roschiwal, Roschiwal + Partner

Was meinen Sie mit Sprung?

Robert Merk: Nun, bis vor etwa zwei Jahren hat jeder offline für sich gearbeitet, und dann wurden die Daten zum Kunden transferiert. Mittlerweile ist es so, das findet wirklich jetzt gerade statt, dass wir überwiegend im Kundensystem arbeiten, per VPN-Zugang. Der Kunde erwartet, dass wir zu 100 Prozent kompatibel sind. Es reicht jetzt nicht mehr, dass wir das gleiche CAD-System haben, mit der gleichen Release-Nummer, sondern er erwartet auch, dass wir in seinem SAP-System arbeiten, mit den Normteilen arbeiten, die er hat. Im Grunde mit der kompletten Umgebung wie ein Mitarbeiter bei ihm im Büro. Wir müssen schauen, was hat der Kunde im System, was setzt er ein? Und aus diesem Pool der Teile müssen wir uns bedienen. Diese ganze SAP-Welt ist eine zusätzliche Arbeit, die auf uns zukommt, die mussten wir die letzten Jahre lernen.

Helmut Roschiwal: Es ist tatsächlich so: Immer mehr Kunden richten uns einen beschränkten VPN-Zugang ein, und auf diesem Zugang arbeiten wir. Wir haben die Daten gar nicht mehr hier bei uns im Haus, die liegen beim Kunden. Das ist auch ein Sicherheitsthema. Wir haben die Rechner zum Teil gar nicht bei uns Haus. Wir haben nur noch eine Tastatur, eine Maus und ein Terminal. Der Rechner steht beim Kunden. Wir merken das auch daran, dass wir unsere CAD-Lizenzen zunehmend weniger nutzen. Wir sind gerade dabei, CAD-Lizenzen zu kündigen, weil der Kunde uns seit neuestem den Arbeitsplatz zur Verfügung stellt.