Spaziergang im Herzen - Bild: Dassault Systèmes

Spaziergang im Herzen: Möglich macht das das „Living Heart Project“ von Dassault Systèmes. Die perfekte Simulation des schlagenden Herzens soll die Entwicklung neuer Medizinprodukte und Behandlungsmethoden verbessern. - Bild: Dassault Systèmes

„Wenn man Daten visualisiert, kann man sie auch analysieren und die heutige Datenkomplexität bewältigen“, ist Professorin Jivka Ovtcharova überzeugt. Die Diplomingenieurin mit zweifacher Promotion in Maschinenbau und Informatik leitet das Institut für Informationsmanagement im Ingenieurwesen und ist Direktorin im Forschungszentrum für Information FZI am Karlsruhe Institut für Technologie KIT. Außerdem gründete sie das „Industrie 4.0 Collaboration Lab“. „Virtual Engineering“ ist ihr Spezialgebiet.

Da Menschen auch Emotionen haben, sei es jedoch wichtig, digitale Daten nicht nur für Berechnungen zu nutzen, sondern für Interaktion und erlebbare Produkte. „Die Digitalisierung führt dazu, dass wir die Realität anders erleben, sie erweitert sich, weil wir durch die digitalen Daten mehr sehen, als wir physisch mit unseren beschränkten Möglichkeiten sehen können.“

Professorin Jivka Ovtcharova, Karlsruhe Institut für Technologie Bild: Joachim Vogt, KIT
Professorin Jivka Ovtcharova, Karlsruhe Institut für Technologie Bild: Joachim Vogt, KIT

Damit einher gingen auch neue Businessmodelle. „Wir wollen die Wege verkürzen, Kunden sollen in Produktionsprozesse eingreifen und symbolisch auf Mausklick ihre eigenen individuellen Produkte bestellen, die in kurzer Zeit gefertigt werden.“ Es werde immer leichter, mit solchen neuen Technologien umzugehen, sie ließen sich immer intuitiver bedienen.

Das Engineering müsse sich verabschieden von der traditionellen Aufgabenorientierung und getrennter Arbeit. „Es geht nicht mehr darum, Bauteile zu konstruieren, sondern das Gesamtprodukt von Anfang an im Blick zu haben und Systeme nicht mehr zu bedienen, sondern für sich arbeiten zu lassen.“ Die Zukunft gehöre der Zusammenarbeit in Teams, die Entscheidungen gemeinsam treffen und Technologie teilen, so die Professorin in ihrem Eingangsreferat.

Zeit und Support einplanen

Die Zukunft sichern war auch ein Motiv der schweizerischen V-Zug AG, einem Premium-Hersteller weißer Ware in Küche und Waschraum, 3D-Experience einzuführen. Als mittleres Unternehmen mit knapp 1800 Mitarbeitern und 580 Mio. Franken Umsatz sah man sich dabei jedoch besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Um trotz des kostenintensiven Standorts wettbewerbsfähig zu bleiben, muss V-Zug neue, intelligente Produkte schnell auf den Markt bringen. Projektmanager PLM Blaise Metzker: „Solche Produkte erfordern ein besonderes Umfeld, es müssen Spezialisten miteinander sprechen. Genau diese Herausforderung adressieren wir mit der 3D-Experience-Plattform.“

Ein Beispiel: die Weltneuheit Combi-Steam MSLQ, eine Kombination aus Ofen, Mikrowelle und Dampfgaren. Die komplexen Prozesse dabei erforderten, dass „viele Beteiligte miteinander sprechen und die Prozesse simulieren können“. Die notwendigen Daten sind in einem Referenzdatenmodell hinterlegt, auf das alle immer aktuellen Zugriff haben. Sie stammen aus mehreren früheren Catia-Versionen und einem seit über zehn Jahre eingesetzten PDM-Programm - etwa 170.000 Teile und 100.000 Dokumente. „Wir haben 2013 zunächst Scopes definiert.“ Dafür mussten allerdings die Mitarbeiter erst einmal auf ein einheitliches Wissensniveau gebracht werden, um diese definieren zu können.

Die größte Herausforderung der sich anschließenden Konzept- und Spezifikationsphase war das Aufsetzen auf den Standard Enovia mit vorkonfigurierter Lösung. Nur wenige Anpassungen waren nötig, „aber wir mussten die Prozesse verstehen, sie an unsere Prozesse anpassen und das bei möglichst geringen Kosten“. Das Projektteam bei V-Zug bestand dabei nicht nur aus Spezialisten, sondern auch aus Mitarbeitern, die die Lösung erst einmal kennenlernen mussten. Man könne, so Metzkers Rat, gar nicht früh genug mit solchen Out-of-the-Box-Lösungen beginnen, um sie rechtzeitig zu verstehen.

Die Automatisierungslösung Baxter. - Bild: Dassault Systèmes
Die Automatisierungslösung Baxter. - Bild: Dassault Systèmes