Norwegian Joy, Bild: Rittal

Die Kreuzfahrtindustrie hat Rückenwind: Rund 12 neue Megaschiffe sollen im Jahr 2017 aus den Werften laufen. Die Norwegian Joy ist das größte Schiff, das jemals auf der Meyer Werft gebaut wurde und gilt weltweit als das viertgrößte Passagierschiff. Bild: Rittal

Auf dem Meer südlich von China entspannen sich die Passagiere an Bord eines Kreuzfahrtriesen in der Sonne. Viele halten das obligatorische Smartphone in der Hand. Andere wiederum vergnügen sich in den zahlreichen Kasinos, sind beim Shopping oder nutzen das Onboard-Entertainment. Leistungsfähige IT-Systeme sorgen für den größtmöglichen Komfort der mehr als 4.000 Passagiere und rund 2.000 Crew-Mitglieder auf hoher See. Wie aber ist es der Meyer Werft überhaupt gelungen, eine schwimmende Kleinstadt unterbrechungsfrei mit IT, Telekommunikation und High-Tech-Unterhaltung zu versorgen?

Die Kreuzfahrtindustrie liegt gut im Wind: Fast ein Dutzend neue Megaschiffe sollen im Jahr 2017 aus den Werften laufen. So zählt die Kreuzfahrtbranche dann auch zu den Tourismussparten, die sich mit am schnellsten entwickeln. Laut dem internationalen Branchenverband CLIA (Cruise Lines International Association) haben 2016 weltweit 24,7 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt unternommen – ein Plus von gut zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2017 erwartet der Branchenverband eine weitere Steigerung auf dann 25,8 Millionen Passagiere.

Geht es um den Bau anspruchsvoller Schiffe, ist die deutsche Meyer Werft aus Papenburg weltweit eine führende Adresse. Hier werden seit über 30 Jahren moderne Kreuzfahrtschiffe gebaut, auch leistungsfähige Tanker und Frachter laufen hier vom Stapel. Aktuell arbeiten rund 3.300 Mitarbeiter auf der 1795 gegründeten Werft in Papenburg. Im Frühjahr 2017 hat die Meyer Werft ihr bisher größtes Schiff fertiggestellt: Die Norwegian Joy – aktuell das viertgrößte Passagierschiff der Welt. Ausgestattet mit allem nur erdenklichen Komfort, findet sich hier erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff sogar eine Kart-Rennstrecke.

Moderne Kreuzfahrtschiffe bieten Platz für mehrere Tausend Passagiere und bilden einen eigenen Mikrokosmos. Für viele ist das Schiff selbst das eigentliche Ziel des Urlaubs – die Häfen und Städte, die im Rahmen der Kreuzfahrt angelaufen werden, treten in den Hintergrund. Ein solches schwimmendes Ökosystem muss über vielfältige Freizeitangebote verfügen und höchsten Komfort bieten. So erwarten die Passagiere moderne Entertainment-Angebote von Spielkasinos über Video-on-Demand in der Kabine.

Da die Norwegian Joy für den asiatischen Markt entwickelt wurde, ist sie an die Wünsche der Zielgruppe angepasst. So erwarten die Kunden in dieser Region größere Kabinen, da viele Passagiere mit der gesamten Familie an Bord gehen. Auch müssen Kasinos größer geplant werden. Ein drahtloser Internet-Zugang sowie bargeldloses Zahlen gehören zum Service, den die Passagiere heute als Standard voraussetzen. Leistungsfähige Rechenzentren an Bord liefern für diese und viele weitere Services die notwendige Infrastruktur.

Leistungsstarke IT an Bord

Frank Langen, Bild: Rittal
Frank Langen, Meyer Werft, verantwortet die elektrische Einrichtung im Bereich Kommunikation der Norwegian Joy. Bild: Rittal

Von der Brücke über das Bordrestaurant bis in den Maschinenraum: Ohne innovative IT-Systeme in allen Bereichen an Bord legt heute kein Kreuzfahrtschiff mehr ab. Für die Werft ist der Einbau eines Rechenzentrums zwar nur eine der zahlreichen Herausforderungen beim Schiffbau, aber auch hier ist jede Menge Fachwissen notwendig. So ist der Platz an Bord eines Passagierschiffes für Technikräume oder Rechenzentren prinzipiell sehr begrenzt, denn oberstes Ziel der Reederei ist es, so viele Kabinen wie möglich an Urlauber zu vermieten. Dazu kommt die eingeschränkte Möglichkeit für Wartung und Reparatur der IT-Infrastruktur während einer Kreuzfahrt.

Fallen unterwegs Komponenten aus, müssen diese einfach austauschbar sein. Außerdem sollte der IT-Systemlieferant in den Zielländern des Schiffes technischen Service anbieten. Schließlich müssen weitere Besonderheiten berücksichtigt werden: Die großen Dieselmotoren sorgen für permanente Vibrationen, sodass spezielle Gummilager die IT-Racks schützen müssen. Auch die Schiffsbewegungen auf dem offenen Meer müssen entsprechend ausgeglichen werden. Zudem können Temperatur und Luftfeuchte je nach Fahrgebiet stark schwanken.

Bei einer bis zu 2.000 Personen starken Besatzung sind detaillierte Zugangskontrollsysteme für die IT-Umgebung notwendig. Die begleitende Infrastruktur wie Stromversorgung und Kühlung muss mit ausreichender Redundanz ausgelegt sein, um bei Störungen unterbrechungsfreien Service zu bieten.

Schiffbau im ke NEXT Special

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