Fallschirmspringer über Stadt, Bild: Fujitsu

Für die Zukunft müssen Unternehmen manchmal auch den Sprung ins Ungewisse wagen: zum Beispiel in dem sie vorhandene Rechenzentren mit der Cloud verbinden. Bild: Fujitsu

Wie definiert Fujitsu Hybrid IT?
Wir als Fujitsu definieren Hybrid IT so: Traditionelle Systeme, die Unternehmen bereits in ihrem Rechenzentrum verbaut haben (Robust IT), werden um neue agile digitale Technologien wie die Cloud (Fast IT) ergänzt. Beide Welten müssen zusammengebracht und ineinander integriert werden. Die Verbindung beider beschreibt die Biomodale IT oder Hybrid IT.

Das heißt also ein Best of aus beiden Welten?
Genau. Für unsere Kunden ist es oftmals wichtig, dass sie ihre eigenen Systeme im Rechenzentrum behalten können, da sie spezielle Funktionalitäten liefern. Um in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben zu können, müssen sie aber auch neue Technologien richtig nutzen. Diese beiden Dinge zusammenzubringen, ist die große Herausforderung. Wird sie überwunden, profitieren Unternehmen vom Besten aus beiden Welten.

Die Cloud bietet Unternehmen auch die Möglichkeit mit ihren Dienstleistern besser zu kommunizieren und Daten auszutauschen.
Informationen wie Fahrplanauskünfte, die über Apps auf dem Handy bereitgestellt werden, kommen heute in der Regel aus der Cloud. Denn diese Informationen sollen weltweit abrufbar sein. Da die traditionelle IT das nicht allein liefern kann, werden die Daten in die Cloud verlagert. Das bedeutet aber nicht, dass traditionelle Systeme obsolet werden – im Gegenteil: Einige Prozesse und Daten sind gar nicht Cloud-fähig und müssen weiter vor Ort im Unternehmen betrieben werden.

Uwe Scheuber, Bild: Fujitsu
Uwe Scheuber, Director Hybrid IT – Hybrid IT Lead Central Europe bei Fujitsu. Bild: Fujitsu

Welche wären das?
Unternehmensnahe Daten aus dem SAP-System zu transformieren, bedeutet beispielsweise einen relativ hohen Aufwand. Unternehmen etablieren meist über Jahre hinweg sehr gute Prozesse. Sie müssen sich überlegen, ob und wenn ja, wo es Sinn macht, neue Technologien einzusetzen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Anderenfalls laufen sie Gefahr, viel Geld zu investieren, nur um die Daten in die Cloud zu verlagern. Doch das ist ja kein Selbstzweck an sich.

Obwohl mit der Cloud viele Prozesse effizienter und kostensparender werden, denke ich persönlich nicht, dass alles in die Cloud verlagert werden muss. Doch genau das war eine Zeit lang eine weitverbreitete Annahme. Dies stimmt jedoch nur unter gewissen Umständen. Die Herausforderung ist nämlich nicht nur die Transformation in die Cloud, sondern insbesondere das effiziente Management der beiden Welten. Aus Erfahrung können wir aber sagen, dass Unternehmen sehr interessiert daran sind, sich dieser Herausforderung zu stellen – und das mit unterschiedlichsten Cloud-Varianten.

Gibt es hier Hindernisse, vielleicht im Bereich Security?
Meiner Ansicht nach sind die meisten heutigen Cloud-Technologien und Rechenzentren sicher. Aber sie bieten natürlich auch mehr Angriffsfläche: Wenn heute ein Angriff passiert, dann ist die Auswirkung meistens größer. Kunden in Deutschland sind im Hinblick auf Cloud-Technologien noch recht zurückhaltend. Sie schützen ihr geistiges Eigentum bevorzugt auf ihren Servern vor Ort.

Die Zukunft wird aber klar in der Cloud liegen. Wenn Unternehmen heute konkurrenzfähig sein wollen, dann müssen sie sich immer mehr in diese Welt bewegen. Daher bieten wir ein breites Cloud- beziehungsweise Hybrid-IT-Portfolio „Made in Germany“ sowie die Datenspeicherung in unseren hochsicheren deutschen Rechenzentren an. So haben unsere Kunden die komplette Auswahl an hierzulande erbrachten IT-Dienstleistungen.

In wieweit ist die Hybrid IT bei den Unternehmen schon angekommen?
Dazu gibt es unterschiedliche Annahmen. Einige Umfragen sagen, dass nur noch rund zehn bis 20 Prozent der CIOs beabsichtigen, ausschließlich auf den Eigenbetrieb zu setzen. Die große Mehrheit setzt bei den Planungen inzwischen auf eine Kombination verschiedener Sourcing- und Betriebskonzepte, die immer einen Anteil an Cloud Services beinhalten – Public und/oder Private Cloud. Gartner sagt sogar, dass 75 Prozent der Unternehmen in den nächsten zwei Jahren Hybrid IT verwenden werden. Viele unserer Unternehmenskunden – größere, aber auch der Mittelstand – denken auch bereits darüber nach. Ich glaube, dass die prognostizierten 75 Prozent sogar überschritten werden, weil Hybrid IT das Konzept der Zukunft ist.

Das könnte man dann sozusagen als Schlüssel für den Erfolg ansehen…
Ja. Denn um in Zeiten des digitalen Wandels wettbewerbsfähig zu sein, benötigen Unternehmen führende Technologien. Ein Großteil dieses digitalen Geschäfts wird in Zukunft aus Cloud-Umgebungen kommen.

Was sind die ersten Schritte in Richtung Hybrid IT?
Als erstes müssen Kunden verstehen, was sich hinter dem Begriff Hybrid IT verbirgt und welche Vorteile dieses Konzept bietet. Wir zeigen unseren Kunden dann auf, welche Lösungen und Services Fujitsu in diesem Bereich bietet und begleiten unsere Kunden auf der gesamten digitalen Reise. Ein schönes Beispiel, wie dies funktioniert, ist ein Kunde, der Reisemobile herstellt. Er will zukünftig seinen Kunden eine App anbieten, in der sie von unterwegs aus ihren Campingplatz aussuchen, überprüfen und buchen können. Er wandelt sich damit von dem klassischen Fahrzeughersteller zu einem digitalen Dienstleister. In diese Richtung entwickeln sich derzeit viele Unternehmen.

Wie lange dauert der Prozess vom ersten Gespräch bis zur Nutzung?
Das kommt auf den Kunden an. Es gibt Kunden, die Applikationen direkt anwenden können, da sie sich schon auf den digitalen Wandel vorbereitet haben. Andere Unternehmen müssen ihre Prozesse erst digitalisieren. In der Regel begleiten wir Kunden in Zeiträumen von ein bis zwei Monaten bis hin zu einem Jahr und länger – je nach Größenordnung der Projekte. Unternehmen müssen sich aber vor Augen halten, dass der digitale Wandel ein dauerhafter Prozess ist. Er durchläuft immer wieder Zyklen und es nimmt einige Zeit in Anspruch, um beispielsweise Daten und Prozesse in die Cloud zu verlagern. hei