3D-Druck: Hype oder Game Changer? 1

Hype oder Game Changer? Das ist häufig die Frage, wenn der Welt etwas Neues präsentiert wird. Häufig folgen Neuheiten einer typischen Hype-Kurve, die schnell ihren Höhepunkt erreicht – wenn alle das Neue haben wollen – genauso schnell aber auch wieder auf dem absteigenden Ast ist – wenn sich herausstellt, dass die Neuheit doch nicht so viele Vorteile mit sich bringt, wie dem Konsumenten versprochen wurde. Die Neuheit verschwindet dann nicht automatisch vom Markt, es wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin geben, aber der Hype um sie ist vorbei und in der Welt verändert hat sie nichts.

Auch in Sachen 3D-Druck – oder Additive Manufacturing – wird häufig darüber diskutiert, ob es sich hierbei um einen Hype handelt, der sich gerade irgendwo um den Höhepunkt herum befindet, oder ob die neuen Fertigungsverfahren wahre Game Changer sind und die Fertigungswelt für immer verändern werden. Vom 23. bis 24. April 2015 haben Forscher, Entwickler und Anwender auf dem Additive Manufacturing Summit in Brüssel über das Thema referiert und diskutiert.

Materialise World Conference 2015

Ein Teil der Materialise World Conference war der Manufacturing Summit. Eine Frage, die hier besprochen wurde war, ob es sich bei der Technologie um einen Hype oder einen Game Changer handelt.

Das 3D-Druck-Unternehmen Materialise hatte zur Materialise World Conference eingeladen, zu der fast 1000 Teilnehmer in die EU-Hauptstadt anreisten um sich in den vier Veranstaltungen “Additive Manufacturing Summit”, “Mimics Innovation Summit”, “Co-Engineering the Future of Healthcare” und “3D Printing Brought to You” über die neuesten Entwicklungen und Trends in Sachen 3D-Druck zu informieren.

Komplexe Struktur aus dem 3D-Drucker

Unendlich komplexe Strukturen aus einem Guss zu fertigen ist durch das Additive Manufacturing kein Problem mehr.

Wird die Technologie die Welt verändern?

Aber was genau macht eine Technologie zu einem Game Changer? Für Professor Hod Lipson, Professor of Engineering an der Cornell University in den USA muss ein entscheidendes Kriterium hierfür vorliegen, damit eine Technologie zu einer revolutionären Technologie wird: Sie muss es schaffen, dass mindestens ein Kostenfaktor gen Null getrieben wird. Für Lipson war das eindeutig der Fall bei den bisherigen industriellen Revolutionen. Waren es bei der ersten industriellen Revolution die Kosten für Energie, die durch die Erfindung der Dampfmaschine gen Null fielen, waren es nach der Einführung der Computer die Kosten für Berechnungen, und durch die Digitalisierung die Kosten für Kommunikation. Welcher Faktor wird dies für den 3D-Druck sein? Für Professor Lipson sind es die Kosten für die Herstellung komplexer Gegenstände. Denn im 3D-Druck sind die Kosten für den Druck eines einfachen Klotzes genau so hoch, wie die für eine komplexe Form.

Auch die Umsatz- und Gewinnzahlen sprechen dafür, dass uns der 3D-Druck noch weiter begleiten wird – und vielleicht einmal die Fertigungstechnologie der Zukunft sein wird. Jährlich gibt das Unternehmen Wohlers Associates den “Wohlers Report” raus, der für 2015 gerade frisch gedruckt wurde und von Terry Wohlers, Pricipal Consultant & President Wohlers Associates, im Rahmen der Konferenz vorgestellt wurde.

Ein paar Zahlen: Der Markt des Additive Manufacturing ist in 2014 auf 4,1 Milliarden US-Dollar gewachsen und hat sich damit innerhalb von fünf Jahren vervierfacht, eine Stagnation wird von Experten nicht erwartet, vielmehr ein Wachstum, alleine bis 2020 soll der Markt auf 21,2 Milliarden US-Dollar anwachsen. Besonders förderlich ist der Trend, dass durch den 3D-Druck nicht mehr nur Prototypen gedruckt werden, sondern finale Produkte erstellt werden.

Flugzeugkomponenten aus dem 3D-Drucker

Ein Beispiel ist das Unternehmen Airbus, das für seine Flugzeuge bereits heute additiv gefertigte Komponenten angefordert hat. Hierzu gehören Flugzeugmotorenteile, die im Airbus A350 eingesetzt werden. Laut Unternehmens-CEO Peter Sanders soll es nicht bei diesen “Einzelfällen” bleiben. Das Ziel ist es, bis 2018 monatlich 30 Tonnen Teile additiv herzustellen.

Natürlich gibt es auch noch Hürden, die dem industriellen 3D-Druck und seinem Durchbruch im Weg stehen. Vor allem wird das Fehlen von Software-Lösungen angemerkt, die dafür nötig sind, um die komplexen Produkte, die im 3D-Druck möglich wären, konstruieren zu können. Des Weiteren müssen die Verfahren weiterhin schneller werden. Und auch Verbesserungen der Technologie sind soweit nötig, dass keine weiteren Bearbeitungsschritte etwa durch CNC-Maschinen mehr nötig sind.

Während der Materialise World Conference war die Stimmung gut und die Meinung weit verbreitet, dass man hier viel mehr über einen Game Changer spräche, als über einen Hype, der in den nächsten Monaten oder Jahren in Vergessenheit geraten wird. Und vielleicht wird Professor Lipsons Vorhersage “This is going to change everything for ever” bald Wirklichkeit.

Autorin: Julia Lansen, Redaktion